Ein Kleinpferd wurde in der Nacht zu Montag in Hünxe gerissen. © privat
Wolf

Kleinpferd-Riss: Ministerin ist besorgt und erwägt Abschuss von Wölfin

Nach dem Riss eines Kleinpferds in Hünxe hat Umweltministerin Ursula Heinen-Esser reagiert. Falls Wölfin Gloria genetisch überführt wird, sei die Frage einer Entnahme „erneut zu stellen“.

Am Montag war das gerissene Kleinpferd in Hünxe entdeckt worden. Getötet offenbar durch einen Biss in die Kehle. Klarheit soll eine DNA-Untersuchung bringen. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) zeigt sich nun besorgt, „dass nach Schafen, die auf den Weiden geschützt werden müssen, jetzt offenbar auch einzelne Pferde angegriffen werden“. Es wäre der dritte Wolfsriss im Wolfsgebiet Schermbeck.

Wenn die bereits in der Vergangenheit auffällig gewordene Wölfin Gloria an dem Vorfall beteiligt gewesen sein sollte und die Gefahr bestehe, dass verstärkt Pferde Opfer von Übergriffen würden, sei die Frage einer Entnahme – also letztlich einer Tötung des Tieres – „erneut zu stellen“, so Heinen-Esser. Erst im Mai hatte das Düsseldorfer Verwaltungsgericht den Antrag eines Schäfers auf Abschuss von Gloria abgewiesen.

Förderung soll auf Pferdehalter ausgeweitet werden

Heinen-Esser kündigte an, die Förderrichtlinie und Unterstützungsleistungen auch auf Pferdehalter auszuweiten. Sie empfahl, einzelne kleinere Pferde nicht über Nacht auf ungeschützten Weiden zu lassen.

Jürgen Höchst von der AG Wolf des Gahlener Bürgerforums reagierte zunächst spöttisch auf die Ankündigungen der Ministerin. „Es verwundert erst mal, weil sie ein Gutachten in Auftrag gegeben hatte, in dem erklärt wurde, dass die Wölfin gar kein Problemfall ist.“ Ohne Ironie sagte Höchst zu der angekündigten Förderung von Schutzmaßnahmen: „Wir begrüßen das natürlich. Das ist im Sinne der Weidetierhalter. Wenn man den Wolf will, muss man das.“

Wie das in der Praxis laufen wird, dazu hat Höchst Zweifel: „Wir hören von Schäfern, dass es mit der Förderung hapert. Das läuft nicht vernünftig. Vielleicht sollte man das erst mal hinkriegen.“

Es gebe bislang keine Definition, wie ein wolfsabwehrender Zaun für Ponys aussehen soll. „Es hieß immer: An solche Tiere geht der Wolf nicht dran.“ Höchst versteht nicht, warum Erfahrungen aus Niedersachsen oder Brandenburg nicht stärker berücksichtigt wurden. Auch mag er sich nicht vorstellen, wie die Landschaft aussehen würde, wenn alle Weiden wolfssicher eingezäunt sind.

Eine größere Gefahr sieht Höchst aber durch mögliche Kollateralschäden. Wenn eine Herde etwa vor Wölfen flüchte und dabei über eine Bundesstraße oder eine Autobahn renne. Anfragen von Tierhaltern ans Ministerium diesbezüglich seien mit Hinweis auf die Haftpflichtversicherung abgetan worden.

„Rotwild ist kaum noch zu sehen“

Von Jägern in der Region hat Höchst gehört, dass Wildschweine derzeit kaum noch zu sehen seien. „Es gibt kaum noch Wildschäden. Rotwild ist kaum noch zu sehen.“ Höchst befürchtet, dass das Wild sich aus dem Wolfsgebiet zurückziehen könnte. „Wenn es bei den Wildtieren knapper wird, gehen die Wölfe an die Weidetiere ran.“ Da Schafe immer besser geschützt würden, etwa ein halbes Dutzend Schafhalter auch bereits das Handtuch geworfen habe, bleibe dem Wolf nichts anderes übrig.

Höchst verweist auf den amerikanischen Wolfsexperten David Mech, der sich seit Jahren mit dem Wolfsmanagement beschäftigt. Auch dieser fordere wolfsfreie Zonen mit Weidetierhaltung. Bei Wolfspopulationen im günstigen Erhaltungszustand sei eine Entnahme von etwa 50 Prozent der fünf bis zehn Monate alten Jungwölfe notwendig, so Mech.

„Keine Scheu vor Menschen“

„Wenn die nicht bejagt werden, haben die keine Scheu vor Menschen“, sagt Höchst über die Wölfe. In Hünxe wurden bereits fünf Wölfe in einem Garten gesichtet und Höchst mag sich nicht ausmalen, was passiert, wenn sich ein Wolf in einen Garten mit spielenden Kindern verirrt.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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