Der Lärm von Kunstfliegern ärgert Anwohner des Flugplatzes Schwarze Heide. Nun hat sich auch die Landesregierung mit dem Thema befasst. © Ralf Pieper (Symbolbild)
Kunstflug

Land antwortet auf Anfrage zu Kunstflieger-Lärm

Der von Kunstfliegern verursachte Lärm bewegte den Landtagsabgeordneten René Schneider zu einer Kleinen Anfrage ans Land: „Werden die Anwohner im Stich gelassen?“ Nun gibt’s die Antwort.

Das Thema betrifft die Bewohner Gahlens ebenso wie die in Kirchhellen oder auch jene im Hünxerwald und in Gartrop-Bühl. Allen gemein ist die Nähe zum Flugplatz „Schwarze Heide“, wo der Flugzeugbauer Walter Extra seine Firma Extra Aircraft betreibt und seine Kunden auch Probe fliegen lässt. Dies führte zu Klagen der Anwohner.

Der Hünxer Tim Pillekamp startete eine Online-Petition, die ein Verbot des Kunstflugs am Flugplatz Schwarze Heide fordert und bereits mehr als 800 Unterstützer (118 aus Schermbeck) gefunden hat. Dem geäußerten Vorwurf, der Lärm sei mehr geworden, widerspricht Extra: Die Flüge seiner Firma seien eher weniger geworden und die Maschinen leiser.

„Werden Anwohner im Stich gelassen?“

Landtagsabgeordneter René Schneider (SPD) stellte am 12. Juni 2020 eine „Kleine Anfrage“ an die Landesregierung. „Werden die Anwohnerinnen und Anwohner im Stich gelassen?“, fragt er, denn Gespräche mit lokalen Politikern und der Bezirksregierung hätten ergeben, dass die Kunstflieger gegen keine Gesetze verstoßen.

Bei insgesamt 50.000 Flugbewegungen pro Jahr erfasst das Flugplatz-Management nicht den Anteil der Kunstflieger. Vorgeben ist beim Kunstflug eine Höhe von 450 Metern – eine Initiative von mehreren Ländern im Bundesrat scheiterte mit dem Anliegen, diese Höhe auf 600 Meter hochzuschrauben.

Zu Schneiders Frage, welche Rechte und Möglichkeiten Anwohner haben, im Einzugsgebiet um den Flugplatz die Lärmbelastung einzuschränken, schreibt die Landesregierung: „Die luftrechtlich zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Lärmreduzierung im Kunstflugsektor nördlich des Verkehrslandeplatzes Dinslaken Schwarze Heide sind ausgeschöpft.“

Keine Daten zum Lärm

Seitens der Bezirksregierung würden zeitliche Vorgaben für die Kunstflieger überprüft, Zuwiderhandeln werde geahndet, so die Landesregierung. „Mangels vorgegebener Grenzwerte und mangels standardisierter Messverfahren beim Kunstflug sind verwertbare Lärmpegelmessungen nicht durchführbar.“ Es lägen auch keine Lärmpegel-Daten zu Werktagen oder Wochenenden vor.

„Warum müssen Kunstflugzeuge im Vergleich zu anderen Fahrzeugen und Motorgeräten (Autos, Motorräder, Rasenmäher) keine Lärmpegel einhalten?“, fragt Schneider. Anders als von Schneider suggeriert, müssten sich auch Flugzeugbauer mit dem Thema Lärm beschäftigen, so das Land. „Jedes Luftfahrzeug bedarf einer Zulassung. Im Rahmen der Zulassung werden Anforderungen hinsichtlich der Lärmemissionen gestellt. Dieses gilt auch für Luftfahrzeuge, die im Kunstflug verwendet werden.“

Nicht vorgeschrieben für Kunstflieger sei hingegen der Einbau eines Transponders (zur Identifizierung von Flugzeugen). Erst ab etwa 1500 Metern Höhe ist die Nutzung eines solchen zwingend.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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