Die Organisation der neunteiligen Veranstaltungsreihe zum Thema „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ übernahmen Anke Bender, Hans Herzog, Desirée Kaiser und Wolfgang Bornebusch (v.l.). © Helmut Scheffler
Veranstaltungsreigen

Neun Veranstaltungen zum Thema „1.700 Jahre jüdisches Leben“

Seit 1.700 Jahren leben Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland. Das wird bundesweit mit vielen Veranstaltungen gefeiert - auch in Schermbeck und Drevenack.

Der offizielle Festakt zum Start in das Festjahr fand am 21. Februar 2021 in Köln statt. Die Idee zur Beteiligung an Jubiläums-Aktivitäten in Drevenack und Schermbeck entstand während einer Pastoralkonferenz. Die Schermbecker Pastoralreferentin Desirée Kaiser, die schon während ihrer Studienzeit an einem Projekt teilnahm, das sich mit dem jüdischen Friedhof in Münster befasste, regte an, ökumenische Aktionen zu gestalten und Fachleute einzuladen, die sich mit der Geschichte des jüdischen Lebens in besonderer Weise befassten. So entstanden nach und nach neun Aktionen.

Ziel des vierköpfigen Organisationsteams war es, jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen und dem erstarkenden Antisemitismus etwas entgegenzusetzen. Dabei soll jedoch der besondere Blick auf Schermbeck und Drevenack gerichtet werden. „Auch junge Menschen sollen erfahren, dass Juden einen Teil des Lebensumfeldes der Christen bildeten“, begründete Pastoralreferentin Desirée Kaiser das Bemühen, auch die jüngere Generation mit der Geschichte der Vielfalt und der Bereicherung in allen Lebensbereichen durch jüdische Traditionen vertraut zu machen.

„Spaziergang zum Jüdischen Friedhof“

Am Sonntag (31. Oktober) startet die Veranstaltungsreihe um 15 Uhr an der Evangelischen Kirche in Drevenack. Wolfgang Heumann begleitet die Teilnehmer bei einem „Spaziergang zum Jüdischen Friedhof“. Dieser Friedhof befindet sich an der Kreuzung Krudenburger Weg/Dorfstraße im Norden des Hünxer Ortsteils Krudenburg. In den letzten 30 Jahren des 19. Jahrhunderts gab es in Krudenburg einige jüdische Familien. Der Friedhof wurde nur von 1878 bis 1895 von Juden belegt. 1920 sollen sieben Opfer des Spartakistenaufstandes dort begraben worden sein.

„321 – 2021 – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

Am 9. November (Dienstag) beginnt um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Drevenack Wolfgang Bornebusch mit seinem Vortrag „321 – 2021 – 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

Nach einem ökumenischen Gottesdienst, der am 17. November (Mittwoch) um 19.30 Uhr in St. Ludgerus beginnt, besteht die Möglichkeit zu einem Rundgang durch die Ausstellung „Die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Schermbeck“, die von Desirée Kaiser und Pfarrer Hans Herzog vorbereitet wurde.

Parallel dazu zeigt der Heimat- und Geschichtsverein im Heimatmuseum in der Steintorstraße eine Ausstellung zum Thema „Haus Bertha“. Auf einem Grundstück des Schermbecker Kaufmanns Julius Goldschmit stand auf einem zwölf Hektar großen Grundstück am Freudenberg eine Holzbaracke. Von 1932 an diente die Baracke als Schuppen für einen Kiesbaggerbetrieb, bis der Eigentümer die Baracke dem Kyffhäuserbund und anschließend dem Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD) zur Verfügung stellte. Seit 1934 war das „Haus Bertha“ ein Erholungsheim für Kinder und Jugendliche, das vom „Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten“ für junge Leute aus dem ganzen Reichsgebiet eingerichtet wurde.

Die Ausstellung kann im Heimatmuseum bis Februar 2022 an jedem ersten Sonntag im Monat, von März bis Oktober an jedem Sonntag von 10 bis 13 Uhr besichtigt werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, nach vorheriger Absprache mit dem Heimat- und Geschichtsverein (Tel. 02853/3085 oder E-Mail info@heimatverein-schermbeck.de) gesonderte Besuche der Ausstellung zu vereinbaren.

Am 1. Februar geht es um den jüdischen Witz und seine Geschichte, am 22. Februar berichtet Pastor Xavier Muppala in der Ludgeruskirche über das jüdische Leben aus der indischen Perspektive. Am 20. März beginnt um 17 Uhr in der Georgskirche das Benefizkonzert „Halleluja“. Am 27. März ab 15 Uhr findet ein Rundgang zum Thema „Jüdisches Leben in Schermbeck“ statt. Vom Kirchgarten der Georgskirche aus begleitet Pauline Fischer die Teilnehmer zum jüdischen Friedhof, zum Standort der Synagoge und zu ehemaligen Häusern von Juden.

  • Die früheste Liste jüdischer Einwohner der Gemeinde Schermbeck wurde im Jahre 1989 veröffentlicht, nachdem ein Mitarbeiter der Archivberatungsstelle Rheinland mehrere Jahre hindurch Ordnung in das Schermbecker Gemeindearchiv gebracht hatte.
  • Die Akte 833 betrifft die Niederlassung von Juden, die Feststellung ihrer Familiennamen, die Aufnahme ausländischer Jüdinnen durch Verheiratung mit inländischen Juden und die jeweils heranzuziehenden rechtlichen Bestimmungen.
  • In dieser Akte befindet sich ein „Verzeichnis der in der Bürgermeisterei Schermbeck vorhandenen Juden“, das Bürgermeister Maassen aufgrund einer landräthlichen Verfügung vom 8. Dezember 1845 anfertigte.
Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Im Verlauf von mehr als vier Jahrzehnten habe ich das Zusammenwachsen von acht ehemals selbstständigen Gemeinden miterlebt, die 1975 zur Großgemeinde Schermbeck zusammengefügt wurden. Damals wie heute bemühe ich mich zu zeigen, wie vielfältig das Leben in meinem Heimatort Schermbeck ist.
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