Ölpellets: Das Vertrauen zur Firma Nottenkämper ist erschüttert

hzÖlpellets-Skandal

Eigentlich sollte es um Rekultivierungsböden gehen - doch dann ging es erneut um Ölpellets. Dass die Firma Nottenkämper das Vertrauen der Politik verloren hat, bekommt sie nun schriftlich.

Schermbeck

, 27.08.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nottenkämper-Geschäftsführer Thomas Eckert hatte im Planungs- und Umweltausschuss am Dienstag keinen leichten Stand. Konkret ging es um einen Antrag zur Errichtung und zum Betrieb eines Lagers für Rekultivierungsböden an der Deponie Eichenallee. Die Gemeinde ist nicht Genehmigungsbehörde, aber aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben.

Eine bis zu drei Meter hohe Bodenschicht plant die Firma Nottenkämper als obersten Teil der Abdichtung der Deponie, die eine Betriebslaufzeit von 20 Jahren hat. Maximal 1000 Tonnen unbelasteter Böden sollen pro Tag per LKW angeliefert werden können. Große und mittelgroße Bäume sollen am Ende darauf wachsen können. Es gebe eine dreigeteilte Qualitätssicherung, so Eckert: vor der Anlieferung, vor dem Einbau und nach dem Einbau der Böden. Akkreditierte Laboratorien würden die Qualität überwachen.

Jetzt lesen

Stefan Steinkühler (Grüne) sagte, dass beim Ölpellets-Skandal die Kontrolle bei der Anlieferung von Material vom Recycling-Zentrum Bochum „komplett in die Hose gegangen“ sei. „Wie können Sie ausschließen, dass das nicht noch mal vorkommt?“ Eckert entgegnete, dass die jetzige Verfüllung im Abfallrecht, die Verfüllung am Mühlenberg hingegen im Wasserhaushaltsrecht angesiedelt sei.

„Chemie liegt unten im LKW“

Eckert: „Wir prüfen stringenter nach dem Zwischenfall.“ Bei jedem LKW werde das Verdeck abgenommen und fotografisch festgehalten, was er gelagert habe. „Ein Foto wird da sicherlich nicht helfen“, vermutete Steinkühler. Florian Schanz (SPD): „Chemie liegt unten im LKW, wenn man sie verstecken will.“ Eckert entgegnete: „Seien Sie versichert, dass wir unsere Anstrengungen verdoppelt haben. Mehr als sich jeden LKW anzugucken, kann man kaum leisten.“ Man könne auch weitere Labore beauftragen, so Eckert auf Nachfrage.

Egon Stuhldreier (CDU) sprach von einem „unverzeihlichen Schaden“: „Generationen haben mit diesen Ölpellets noch zu kämpfen. Warum sollten wir Ihnen noch einen Millimeter entgegenkommen?“ Eckert argumentierte, die handelnden Personen bei der Qualitätssicherung seien nun komplett andere. Er habe ein neues Qualitätsmanagement etabliert. Der Geschäftsführer sagte aber auch: „Dass das Vertrauen erschüttert ist, kann ich nachvollziehen. Dem kann ich schlecht was entgegensetzen.“

Man brauche aber nun die Rekultivierungsböden, um die Deponie zum Abschluss zu bringen, so Eckert. Wilhelm Hemmert-Pottmann (CDU) befürchtete, dass die Drei-Meter-Bodenschicht nicht ausreichen könne, die Wurzeln von Bäumen an der Durchdringung der darunter liegenden Tonschicht zu hindern. Und dass es Beeinträchtigungen durch Staub geben könne. „Die Böden werden feucht gehalten“, sagte Eckert: „Ich persönlich erwarte keine Staubemission.“

Sicherheitsleistungen in Millionenhöhe

Nach Sicherheitsleistungen im Falle einer Insolvenz der Firma fragte Florian Schanz (SPD). Diese gebe es, so Eckert: „In Millionenhöhe.“ Heinrich Hemmert fragte nach, was aus der Hafen-Planung der Firma geworden sei. Eine Anlieferung über den Wasserweg könne helfen, die Straßen nicht so stark zu belasten. Eckert machte bezüglich des Hafens Hoffnung, verwies aber darauf, dass Anträge derzeit noch von der Bezirksregierung geprüft würden: „Ich hoffe, dass wir das umsetzen können.“

Die Fragen und Kritikpunkte werden in die Stellungnahme eingearbeitet. Gegen die Stimmen der Grünen sowie Heinrich Hemmerts (CDU) und Egon Stuhldreiers (CDU) wurde diese beschlossen. Auf Vorschlag Steinkühlers wird die Stellungnahme mit einem Vorwort beginnen, das auf die Vertrauensprobleme der Gemeinde zur Firma hinweist. Bürgermeister Mike Rexforth sprach sich dafür aus, dass ein Vertreter der Firma Nottenkämper regelmäßig im Ausschuss über die Aktivitäten der Firma berichten solle: „Um das Vertrauen bei dem einen oder anderen nach und nach wieder zu stärken.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt