Ölpellets-Skandal: Kontrolleure sollen sich vor dem Besuch angemeldet haben

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Laut wurde es bei der Vernehmung des ehemaligen Prokuristen der Firma Nottenkämper am Dienstag. So laut, dass der Richter ihn maßregelte: „Der Einzige, der hier rumschreien darf, bin ich.“

Schermbeck

, 24.09.2019, 14:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Angeklagt ist vor dem Landgericht Bochum im Ölpellets-Skandal, bei dem 30.000 Tonnen giftiger Ölpellets illegal in der Tongrube der Firma Nottenkämper in Gahlen vergraben wurden, der ehemalige Betriebsleiter R. des „Recycling-Zentrums Bochum GmBH“ (RZB). Ihn beschuldigt die Staatsanwaltschaft, zwischen 2010 und 2013 vorsätzlich und unerlaubt mit Abfällen umgegangen zu sein. Außerdem ist er angeklagt wegen des „vorsätzlichen Betriebes einer nicht genehmigten Anlage“.

Zunächst war sein Chef S. angeklagt worden. Der ist aber inzwischen verstorben. Geladen war diesmal der Ex-Prokurist der Firma Nottenkämper L.. Die Vernehmung durch den Vorsitzenden Richter Michael Rehaag ließ dem Zeugen allerdings nicht die Chance, ausführlich über Abläufe und Hintergründe zu sprechen.

Gespräch eskalierte

Erwartet wurde vom Richter permanent eine einfache Antwort mit Ja oder Nein auf von ihm gestellten Fragen. Dies wollte der Zeuge so nicht hinnehmen, sodass die Kommunikation eskalierte in einer immer größeren Lautstärke. „Der Einzige, der hier rumschreien darf, bin ich“, maßregelte der Richter den Zeugen, was wiederum dessen Verteidiger monierten. „Eine qualitativ bessere Befragung geht anders“, beanstandete einer der beiden Rechtsanwälte.

Die zum Teil recht knappen Antworten ergaben bezüglich der Einbeziehung der Firma Nottenkämper folgende Feststellungen:

  • Zwischen der Firma Nottenkämper und der RZB gab es einen direkten Kontakt zwischen dem verstorbenen RZB-Chef und einem der beiden Chefs der Firma Nottenkämper, der die RZB mehrfach besucht habe.
  • Die Aufzeichnung eines Handy-Gespräches zwischen L. und Nottenkämper, die vom Staatsanwalt verlesen wurde, belegt, dass L. den Chef der Firma Nottenkämper über die Ablagerung bedenklicher Stoffe informierte.

  • L. sagt, dass die Kontrolleure der Behörden sich bei Nottenkämper stets vorher angemeldet hätten. L. habe der Staatsanwaltschaft von „illegalen Sickerwässern“ berichtet, die man „eigentlich zu einer Kläranlage“ hätte bringen müssen, die aber „in den Wald gebracht“ worden seien. Er habe der Staatsanwaltschaft die Stelle auf einer Karte gezeigt.

  • „Es wurden viele Abfälle angenommen, die nicht beprobt wurden“, so L.. Zugleich bemängelte er unter Nennung eines Mitarbeiters die mangelhaften Kontrollen des Kreises Wesel.

Der Richter stellte Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen in den Raum. „Unser bisheriges Beweisergebnis hat ergeben, dass wir glauben, dass Herr L. Lügt“. Der ließ wissen, dass es von seinem Gespräch mit der Staatsanwaltschaft eine schriftliche Aufzeichnung gibt. Am Donnerstag (26.) wird der Prozess fortgesetzt.

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