Riccardo Doppio und 180 Musiker singen Sebel-Lied „Zusammenstehen“

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Schlimme Bilder aus seiner Heimat Italien, abgesagte Konzerte: Die Coronakrise hat Sänger Ricardo Doppio hart getroffen. Der Sebel-Song „Zusammenstehen“ führte ihn mit 180 Musikern zusammen.

Schermbeck

, 02.06.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der 4. Mai 2020 sollte eigentlich ein besonders Datum für den Schermbecker Musiker und Sänger Ricardo Doppio werden. „Da wurde ich 55 Jahre alt. Und an dem Datum wollte ich mein fünftes Album vorstellen. Titel: „Doppio cinque - das bedeutet doppelte Fünf“, sagt Doppio mit einem Augenzwinkern: „Leider kam Corona dazwischen.“

Dabei hatte das Jahr für Doppio gut begonnen, der seit 33 Jahren als Musiker auf der ganzen Welt unterwegs ist. Für 40 Auftritte sei er schon gebucht gewesen. Am 29. Februar wollte Doppio nach Italien zu einem Konzert auf Sardinien fliegen, danach mit seinem Bruder zur Internationalen Tourismus-Börse nach Berlin und am 6. März zu einem Konzert auf Zypern. Ab dem 9. März wollte Doppio sein neues Album mit Band im Studio einspielen.

„Gehe freiwillig in Quarantäne“

Bis auf den Studio-Termin sei alles ausgefallen. Nach drei Tagen entschied Doppio: „Ich gehe freiwillig in Quarantäne.“ Italien sei „dicht“ gewesen, „die Nachrichten haben uns sehr mitgenommen. Ich hatte Angst um meine Eltern. Ich habe gedacht: Wenn du dich jetzt bewegst, egal wohin, weißt du nicht mehr, ob du zurück kommst.“

„Ich als Italiener bin ein Kommunikations-Freak“, sagt Doppio. „Ich möchte mit den Leuten reden, Nähe aufbauen - und es ging alles nicht.“ Distanz, auch zu seinen Schermbecker Nachbarn zu halten, sei ihm sehr schwer gefallen. Sorge hatte Doppio auch um seinen Sohn, der Krankenpfleger in Moers ist und zeitweise in der Corona-Abteilung arbeitete.

„Ich bin echt sauer auf die Politik in Italien“

Doppio lobt das deutsche Gesundheitssystem. In Italien habe man vieles versäumt: „Ich bin echt sauer auf die Politik in Italien. Die haben eine ganze Menge ruiniert.“ Gott sei Dank, sagt Doppio, kenne er niemanden in Italien, der an Corona starb.

Die Zeit in der selbst gewählten Quarantäne nutzte Doppio, um viel Musik zu hören. Und dabei stieß er auf das Video „Zusammenstehen“ des Songwriters Sebastian Niehoff alias Sebel, das dieser am 17. März veröffentlichte. Über dessen Freundin Inga Strothmüller kennt Doppio Sebel schon seit einigen Jahren.

An den Moment, als er zum ersten Mal die Piano-Ballade „Zusammenstehen“ bei YouTube sah, kann sich Doppio noch gut erinnern. „Ich war richtig unten, richtig down. Je mehr die Zeit verging, desto mehr schnappte mich die Unsicherheit: Was passiert jetzt? Wie geht´s weiter?“

Doppio hörte das Lied, das mittlerweile mehr als 2,2 Millionen Mal aufgerufen wurde, und zitiert eine Zeile: „Es traf mich wie ein Schlag ins Gesicht.“ Er habe angefangen, darüber nachzudenken, welches Ausmaß diese Krise habe - zunächst habe er das noch verdrängt. „Es wird nicht mehr so sein, wie es war. Wie wird deine Zukunft aufsehen mit Mitte Fünfzig. Wo gehst du hin? Wie verdienst du dein Geld?

„Du hast mich wirklich getroffen“

Über YouTube schrieb Doppio Sebel an und fragte nach dessen Freundin Inga, die zwar zu hören, aber nicht zu sehen war. Dann ging das Telefon - Sebel fragte: „Was machst du?“ Doppio: „Das, was du besingst. Die Nummer ist megageil. Du hast mich wirklich getroffen.“ Doppio fragte, ob er das Lied vielleicht in einer italienischen Fassung aufnehmen könne - was ganz im Sinne Sebels war, dem bereits eine internationale Version vorschwebte.

Sebel schickte die Piano-Spur, Doppio und Sebels Nachbar, ein Italiener, übersetzten den Song in einem WhatsApp-Chat. Einsingen und ein Video drehen - das erledigte Doppio zuhause. Doppio: „Vom Telefonat bis zum Video hat es vier Stunden gedauert.“

Auch diese italienische Version des Songs, „Insieme“, kommt bereits auf mehr als 50.000 Zugriffe bei YouTube. Ungleich aufwendiger war aber das, was Sebel zuletzt aus fast 180 Zusendungen von Musikern schuf, die als „Sebel feat. The 1st Lockdown Orchestra“ am 25. Mai mit dem Song „Zusammenstehen“ auf Youtube Premiere feierten. Mit dabei ist auch Ricardo Doppio.

„Ganz akribisch“ habe Sebel die unterschiedlichsten musikalischen Einspielungen zu einem Song gemischt. „Er ist ein guter Handwerker und unheimlich versierter Künstler“, sagt Doppio übel Sebel: „Er hat einen Fan mehr.“ Doppio sagt über sich selbst bei der Studioarbeit: „Ich bin verdammt pingelig.“ Sein Traum ist, dass dieses Werk irgendwann einmal live aufgeführt werden kann.

Arbeit am neuen Album wieder aufgenommen

Derzeit arbeitet Doppio wieder an seinem Album. Doppio hat für sich als Strategie gesetzt: „Du planst nicht mehr als einen Monat voraus.“ Zwei Monate habe er von den Ersparnissen gelebt. Ab und zu habe er live über das Internet kleine Konzerte gegeben und dies als Vehikel genutzt, alte CDs zu verkaufen. „Aber das kann doch nicht das Leben sein? Ich brauche das Publikum, ich brauche Leute. Ich will den Leuten in die Augen gucken.“ Kleine Konzerte mit wenigen Besuchern und Abstand hat er bereits wieder gegeben. „Für die Seele ist das gesund.“

Riccardo Doppio bei den Gesangsaufnahmen für sein neues Album

Riccardo Doppio bei den Gesangsaufnahmen für sein neues Album © Berthold Fehmer

Doppio hofft, dass bald wieder Open-Air-Konzerte möglich sind - ohne, dass die Besucher sich in Autos zwängen müssen. Doppio will auch seiner Verantwortung gegenüber Mitmusikern gerecht werden. Er könne als Sänger und Gitarrist auch alleine auftreten - ein Schlagzeuger könne das nicht.

Doppio appelliert deshalb an alle in seiner Position, auch an solche Musiker zu denken und ihnen Jobs zu verschaffen, „wann immer es geht“. Von der Unsicherheit in der Krise will sich Doppio nicht mehr bestimmen lassen: „Ich mach weiterhin mein Ding.“

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