RWW soll weniger Grundwasser fördern - Gemeinde erwägt Klage

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Wie viel Grundwasser darf die RWW in der Üfter Mark fördern? Mit dieser Frage könnte sich bald das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen beschäftigen.

Schermbeck

, 27.01.2020, 12:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weniger Grundwasser als bisher darf die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft in den Brunnengalerien Holsterhausen und Üfter Mark fördern. Der Genehmigungsbescheid der Bezirksregierung Münster sieht vor: Nicht mehr maximal 29 Millionen Kubikmeter, sondern nur noch 25,2 Millionen Kubikmeter pro Jahr sind erlaubt.

Eine deutlichere Reduzierung hatten aber Verwaltung und Politik in Schermbeck vor einem Jahr gefordert, als sie um Stellungnahme zur wasserrechtlichen Bewilligung zur Grundwasserförderung aufgefordert wurden. Die RWW solle in beiden Brunnengalerien die Förderung um jeweils 20 Prozent reduzieren, so die Forderung aus Schermbeck.

„Überforderung des ökologischen Systems“

Rainer Eickelschulte (Leiter des Planungsamts) führte damals an, dass ausreichend Regenwasser für Natur- und Nutzpflanzen verbleiben müsse. Weniger Niederschläge und längere Hitzephasen im Sommer, bedingt durch den Klimawandel, könnten eine „regionale Überforderung des ökologischen Systems durch Wassermangel“ auslösen, fürchtet Eickelschulte.

Es gebe bereits Wasserläufe im Wasserschutzgebiet, die häufiger trocken fallen, so Eickelschulte und nannte etwa den Mühlenbach im Ortsteil Overbeck.

Bezirksregierung sieht keine Gefahr

Diese Gefahren sieht die Bezirksregierung Münster nicht. Sie erlaubt der RWW eine Förderung von maximal 8 Millionen Kubikmeter Grundwasser anstelle der von Schermbecker Seite geforderten 6,8 Millionen Kubikmeter in der Üfter Mark. „Eine signifikante Verbesserung des ökologischen Zustands ist jedoch durch die vorgeschlagene Reduzierung der Fördermenge nicht zu erreichen“, so der Bewilligungsbescheid.

Eine „Überbewirtschaftung des Grundwasserleiters“ sieht die Bezirksregierung „nach derzeitigem Kenntnisstand“ nicht. Allerdings hat sie in der Bewilligung verfügt, dass nach zehn Jahren das verfügbare Grundwasserangebot überprüft werden soll.

Entschädigung

Zudem wurde festgesetzt: Falls es nachteilige Wirkungen geben sollte, sollen Entschädigungen in einem sogenannten Nachtragsverfahren geklärt werden - es müsste demnach nicht gegen die erteilte Bewilligung geklagt werden. Der Wasser- und Bodenverband Schermbecker Mühlenbach hat bereits entsprechend Ansprüche beim RWW angemeldet.

Der Rat entscheidet am Donnerstag (30. Januar), ob gegen den Bewilligungsbescheid geklagt werden soll. Eine fristwahrende Klage wurde bereits von der Schermbecker Verwaltung beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen eingereicht - sonst wäre die Rechtsmittelfrist (bis 20. Januar) abgelaufen. Die Erfolgsaussichten einer Klage sind laut Eickelschulte „vorab nicht eindeutig zu beurteilen“.

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