Schermbeck hat vorerst keine Chance auf mehr Polizisten vor Ort

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Die Kreispolizeibehörde Wesel muss ein Minus bei der Personalzuweisung hinnehmen. Mal wieder. Die Gewerkschaft der Polizei warnt vor Überlastung. Bürgermeister Rexforth ist besorgt.

Schermbeck

, 01.09.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nordrhein-Westfalen brauche einen „Neustart in der Sicherheitspolitik“, heißt es im Koalitionsvertrag von CDU und FDP. Man wolle die objektive Sicherheit und das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger stärken, deshalb werde man „die Polizeipräsenz vor Ort erhöhen und die Ansprechbarkeit und Bürgernähe der Polizei verbessern“.

In Schermbeck ist davon bislang nichts angekommen. Hier verrichtet schon länger ein einziger Bezirksbeamter den Dienst vor Ort. Einmal die Woche können Schermbecker in die Polizeisprechstunde im Alten Rathaus kommen, um Anzeige zu erstatten oder andere Belange zu regeln.

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Daran wird sich auch vorerst nichts ändern. Vielmehr muss die Kreispolizeibehörde Wesel bei der Personalzuweisung zum 1. September erneut ein Minus hinnehmen. „Fast schon traditionell“, wie Nils Krüger, Vorsitzender der Weseler Kreisgruppe der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert: „Seit 2014 hat die Kreispolizeibehörde Wesel rund 50 Polizeibeamte eingebüßt.“ Das entspreche zwei bis drei Kriminalkommissariaten oder ganzen vier Dienstgruppen eines Wachbereichs in der Kreispolizeibehörde.

Zwar steigt die Zahl der Einstellungen für neu auszubildende Polizeibeamte in NRW wieder. „Bei der Kreispolizeibehörde Wesel macht sich dieser positive Aspekt bis jetzt aber nicht bemerkbar“, sagt Krüger. „Die Kreispolizei ist damit in bester Gesellschaft mit den übrigen Landratsbehörden NRWs, welche ebenfalls nicht von den höheren Einstellungszahlen profitieren.“ Ein Grund sei unter anderem, dass die Landesregierung Schwerpunkte in Großbehörden setze.

Bürgermeister Rexforth beobachtet Entwicklung mit Sorge

Schermbecks Bürgermeister Mike Rexforth findet diese Entwicklung besorgniserregend: „Die Maßnahmen der Landesregierung werden erst mittelfristig wirken. Dem steht der demografische Wandel entgegen: Nächstes Jahr werden überproportional viele Polizeibeamte in den Ruhestand versetzt.“

Die GdP befürchtet, dass bei immer knapper werdendem Personal die Aufgaben auf immer weniger Schultern verteilt oder womöglich bald gar nicht mehr wahrgenommen werden können. Rund 800 Mitarbeiter zählt die Kreispolizeibehörde Wesel aktuell. Laut Pressestelle wurden im vergangenen Jahr insgesamt 107.000 Einsätze bewältigt.

Polizeisprecherin: „Starke Belastung für jeden Einzelnen“

„Das ist schon eine starke Belastung für jeden Einzelnen und kann natürlich nicht über Jahre so weitergehen“, sagt Andrea Margraf von der Pressestelle der Weseler Kreispolizei. Für etwas Entlastung sorgen Regierungsbeamte, die in der Polizeibehörde beispielsweise Verwaltunsgtätigkeiten übernehmen oder Beamte in Blitzerwagen ersetzen, damit die auf Streife gehen können. „Die Regierungsbeamten sind eine wichtige Hilfe für uns“, betont Margraf. „Aber sie können Polizeibeamte nicht eins zu eins ersetzen.“

Vom Gedanken einer eigenen Wache müssen Schermbecker sich verabschieden. Auch eine Aufstockung des Bezirksdienstes vor Ort ist nicht vorgesehen. Die Zuweisung des Personals erfolgt nach der sogenannten „Belastungsbezogenen Kräfteverteilung“ (BKV). Diese stützt sich im Wesentlichen auf die Kriminalitäts- und Verkehrsunfallentwicklung der letzten Jahre.

Landrat Ansgar Müller habe sich in Düsseldorf für mehr Personal eingesetzt, heißt es von der Weseler Polizeipressestelle. Bislang vergeblich. „Ja“, sagt Polizeisprecherin Andrea Margraf, „wir haben zu wenig Polizistinnen und Polizisten. Aber die Sicherheit ist dadurch nicht gefährdet, weil alle ihre Aufgabe mit viel Engagement wahrnehmen.“

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