Schulleiterin wehrt sich in der Grundschul-Debatte gegen Unterstellungen

hzGrundschule Schermbeck

Aus zwei Schulen eine machen: Das passiert bei der Grundschule Schermbeck. Schulleiterin Jessica Steigerwald wehrt sich derweil gegen Unterstellungen, sie habe einen Luxus-Neubau gefordert.

Schermbeck

, 07.10.2019, 17:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit diesem Schuljahr sind die ehemals eigenständigen Grundschulen Gemeinschaftsgrundschule und Maximilian-Kolbe-Schule als Grundschule Schermbeck vereint. Seit dem Beschluss der Zusammenlegung haben die Kollegien daran gearbeitet, Unterrichtskonzepte zu vereinheitlichen, sagt Steigerwald.

In den Sommerferien arbeiteten Steigerwald, die Lehrerinnen Anika Groetelaer und Heike Feldkamp sowie David Klapheck von der Agentur DKº aus Dorsten an einer neuen, einheitlichen Homepage für die Grundschule. Klapheck sagt, dass ihm grundsätzlich wichtig war, dass die Homepage barrierefrei funktioniert, also etwa auch vom Smartphone gut abzurufen und zu bedienen ist.

Kollegium war begeistert

„Begeistert“, sagt Steigerwald, sei das 30-köpfige Kollegium gewesen, als die Bedienung der Homepage vorgestellt wurde. „Dafür haben wir einen Router mitgebracht, damit alle ins Netz können“, sagt Klapheck, der aus seiner Verwunderung über den technischen Stand der Grundschulen im Jahr 2019 keinen Hehl macht.

„Es muss dringend was passieren. Wir können nicht einfach stehen bleiben“, sagt auch Steigerwald zur technischen Ausstattung und hat Mittel für den Haushalt beantragt, um einen halben Klassensatz Tablets und pro Standort zwei WLAN-fähige Klassenräume zu erhalten. Klapheck kopfschüttelnd zur derzeitigen Situation: „Die Lehrer müssen jetzt mit ihren eigenen Verträgen gucken, wenn sie mal ein Musikstück aus dem Internet abspielen wollen.“

Leitbild für die Schule

Auch ein gemeinsames Schulleitbild wurde erarbeitet. „Wir gestalten zusammen eine Schule zum Wohlfühlen, in der das ICH und das WIR sich entfalten können, um Erfolge zu erleben.“ So lautet der zentrale Satz. Und: „In unsere Schule schaffen wir Raum für Freude, für mich, für Gemeinschaft und für Erfolge.“

Schulleiterin wehrt sich in der Grundschul-Debatte gegen Unterstellungen

Das neue Logo der Grundschule Schermbeck © Berthold Fehmer (Repro)

In der pädagogischen Konferenz habe man begonnen, diese Sätze mit Leben zu füllen, sagt Steigerwald. Auch ein Schullogo wurde mithilfe von Susanne Abelmann entworfen und den Eltern vorgestellt. „Die Eltern haben sich gewünscht, dass der Schulhund unbedingt rein muss“, so Steigerwald.

Über allem schwebt jedoch die Ratssitzung am Mittwoch (9. Oktober): Dann soll der Rat entscheiden, ob die Grundschule Schermbeck künftig an einem Standort oder weiterhin an zwei Standorten arbeiten soll. „Die Ziele, die wir erarbeitet haben, sind nur optimal umsetzbar an einem Standort“, sagt Jessica Steigerwald.

Die Unterrichtsorganisation werde beispielsweise „viel einfacher“. Bei Krankheitsfällen im Kollegium müsse man nicht mehr Klassen aufteilen oder Kinder in die Sporthalle schicken. „Die Kinder würden im Lernhaus weiter lernen. Es gäbe einen wesentlich besseren Vertretungsunterricht, als es jetzt der Fall ist“, sagt Steigerwald.

Bürgerbegehren angekündigt

Angekündigt ist aber auch ein Bürgerbegehren, bei dem gefragt werden soll, ob die Mehrheit der Schermbecker sich für einen oder für zwei Standorte ausspricht. Dass in dem Anschreiben der Bürgerinitiative „Zwei Grundschulen für Schermbeck“ davon die Rede war, dass „die Schulleitung - ohne Rücksicht auf irgendwelche Kosten für die Schermbecker Bürgerinnen und Bürger - einen ‚Luxus-Neubau‘“ erwarte, ärgert Steigerwald. „Ich habe nie gesagt, dass ich einen Luxus-Neubau will.“

Sie sehe ihre Aufgabe als Schulleitung so, dass sie das fordern müsse, was die größtmögliche Schulqualität erreichbar mache. Für gute Kompromisse, wie sie etwa Ulrike Trick (Grüne) oder Bürgermeister Mike Rexforth ins Spiel gebracht hatten, sei man aber offen. Auch wenn klar sei, dass bei einem Teilabriss und Neubau am GGS-Standort an der Weseler Straße „die Bauphase äußerst anstrengend wird“.

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Fakt sei aber, dass Schulen weg müssten vom Frontalunterricht: „Die Kinder erwarten etwas anderes von uns. Sie bleiben nicht mehr ruhig am Tisch sitzen, wie es noch vor zehn Jahren war.“ Steigerwald sagt: „Der Raum ist der dritte Pädagoge.“

Falls das Bürgerbegehren weitere zeitliche Verzögerungen bei der Standort-Frage bringe, sei das „eine Vollkatastrophe“, so Steigerwald. „Es muss jetzt was passieren. Das bremst unsere Arbeit aus.“

Belastung

Dass die Diskussion sie als Schulleiterin belastet, gibt sie zu. „Ich habe an beiden Standorten überaus engagierte Kolleginnen und Kollegen. Das ist der einzige Grund, weshalb ich das mit den Kollegen aushalte, weil ich die einfach nicht verlassen möchte.“ Falls die Politik oder am Ende sogar der Bürger sich aber für die Beibehaltung der beiden Standorte entscheiden würde - welche Konsequenzen würde Steigerwald für sich daraus ziehen? „Da sage ich nichts zu.“

Ein Kollege habe zuletzt deutlich gemacht: „Es wird Zeit, dass die Kollegien in ein Lehrerzimmer kommen.“ Steigerwald sagt über die von ihr geforderten Lernhäuser: „In Dinslaken werden alle Grundschulen in diese Richtung geändert. Das ist die Zukunft.“

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