So könnte die Zukunft der Grundschulen in Schermbeck aussehen

Grundschule

Die Zukunft der Grundschulen in Schermbeck stieß am Donnerstagabend auf großes Interesse. Die Machbarkeitsstudie wurde im Ramirez-Saal vorgestellt - hitzig wurde es nach der Veranstaltung.

Schermbeck

, 27.06.2019 / Lesedauer: 5 min
So könnte die Zukunft der Grundschulen in Schermbeck aussehen

Im gut gefüllten Ramirez-Saal wurde die Machbarkeitsstudie zur Grundschullandschaft in Schermbeck vorgestellt. © Berthold Fehmer

Bürgermeister Mike Rexforth schilderte die Rahmenbedingungen. Prognosen zeigen, dass 2040 weniger junge Menschen und wesentlich mehr ältere in Schermbeck leben werden. Eigentumserwerb sei für junge Familien in Schermbeck wegen hoher Grundstückspreise schwierig. Den Trend der ansteigenden Geburtenrate gebe es in Schermbeck nicht. „Wir stagnieren auf einem Mittel von 100 Geburten pro Jahr - in einer konjunkturellen Hochphase!“

Die Gemeinde steuere dagegen an. Wohn- und Gewerbeflächen würden etwa nur noch ausgewiesen, wenn sie in Gemeindebesitz liegen. Familien wolle man günstigere Grundstückspreise ermöglichen.

Mini-Jahrgang im Jahr 2025

Wenn wie prognostiziert 2025 zu wenige Schüler für zwei Schulen in Schermbeck eingeschult würden, werde das Land spätestens nach einem Jahr die Gemeinde anleiten, die zwei Schulen zusammenzulegen, so Rexforth. „Sie können davor weglaufen, aber es wird Sie einholen. Spätestens dann werden wir diese Diskussion hier noch mal führen.“

Man habe zwei gute Grundschulen in Schermbeck, die aber auf die familiären Veränderungen nur schlecht reagieren könnten. 55 Prozent der Kinder besuchen den Offenen Ganztag, „Tendenz steigend“, so Rexforth.

Lehrer und Schulpflegschaft für einen Standort

Seitens der Schulpflegschaft gebe es einen klaren Beschluss, dass ein Standort präferiert wird. Gleiches fordert die Lehrerkonferenz. Pendelei zwischen den fusionierten Schulen würde für die Lehrkräfte dann wegfallen, auch die Schulleitung wäre dann immer vor Ort. Auch er, so Rexforth, tendiere zu einem Standort.

Architekt Markus Rathke stellte die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vor. Nicht nur eine Grundschule, sondern auch ein kommunales Bildungszentrum habe man in Betracht gezogen. Ein solches würde nach Schulschluss Raumangebot etwa für VHS-Kurse, Jugendarbeit, kulturelle Angebote oder auch Vereine bieten und könne vom Land gefördert werden.

Leuchtturm-Projekt

Deshalb sei es günstiger, ein kommunales Bildungszentrum zu errichten, als eine Grundschule, da diese nicht gefördert würde, so Rathke. Mit dem Land habe man auch besprochen, ob man das Ganze als „Leuchtturmprojekt“ in Angriff nehmen könnte, was eine Förderung bis zu 90 Prozent möglich mache. Entschieden sei das aber noch nicht.

Beide Schulen haben sich Rathke und sein Team angesehen. „Es geht nicht um die Beseitigung akuter Notstände, sondern um die perspektivische Entwicklung“, so Rathke. Investitionsbedarf gebe es aber an beiden Schulen, falls man sich entschließe, diese weiterzuführen. Hinzu kämen Kosten für die Miete von Containern, da man nicht alle Schüler an einem Standort unterbringen könne, während der jeweils andere umgebaut werde. 390.000 Euro müsse man als Miete für die Container rechnen. Nach dem Umbau habe man dann aber immer noch zwei alte Schulen, und vielleicht eine Chance vertan, so Rathke. Mit 5,24 Millionen Euro rechnet Rathke für diese Variante.

Vier Varianten für einen Standort

Vier andere Varianten, die jeweils den Zusammenschluss der Schulen an einem Standort vorsehen, stellte er daraufhin vor. Architektonisch würden diese Schulen eine andere, flexiblere Aufteilung der Klassenräume bieten, die den geänderten Anforderungen eher entsprechen. Rathke zeigte Beispiele aus aller Welt, bei denen ein Zuhörer kommentierte: „Sieht aus wie im Knast.“ Rathke: „Finden Sie? Ich finde, das sieht eher aus wie ein Hotel.“

Standort Maxi-Kolbe-Schule: Vorteil sei hier die Zentralität. Ein Schulstandort mit fünf Zügen an dieser Stelle sei machbar, aber auf dem Gelände werde es, je nach Parkplatzanforderung, eng, so Rathke. Ein Umbau würde rund 13 Millionen Euro kosten, beim Bau einer Dreifachturnhalle gebe es ein Einsparpotenzial von 700.000 Euro. Ein Neubau wäre mit 17,6 Millionen Euro wohl am teuersten, da auch die Möglichkeit fehle, dieses Grundstück für Wohnbau zu verkaufen.

An der Gemeinschaftsgrundschule würde ein Umbau mit Sporthalle 13 Millionen Euro kosten (Sporthallen-Einsparpotenzial: 700.000 Euro). Mit einem Bildungszentrum gebe es eine Förderung, die die Kosten auf 11,1 Millionen Euro drücken würden.

Neue Standorte

Außerdem gibt es noch zwei Varianten mit neuen Standorten, wo ein Neubau jeweils etwa 17 Millionen Euro kosten würde. Eine Fläche liegt zwischen Freudenbergstraße und B 58, die andere neben der Gemeinschaftsgrundschule an der Weseler Straße. Auch bei diesen Varianten gibt es Einspar-Potenzial bei den Sporthallen, und die Möglichkeit der Förderung beim Bau eines Bildungszentrums, sodass an der Weseler Straße etwa 15,2 Millionen Euro übrig blieben. Bei einer „Leuchtturm-Projekt“-Förderung würde der Betrag wesentlich geringer ausfallen.

Hinzu kommen eventuelle Millionen aus dem Verkauf der beiden Schulstandorte für Wohnzwecke. Bürgermeister Mike Rexforth rechnet auf Anfrage unserer Zeitung damit, dass damit etwa 4 Millionen Euro erlösbar seien. Auch könne man über die Ausgestaltung der Sporthallen noch weiteres Einsparpotenzial erreichen.

Besucher bewerteten Standorte

Mit grünen, roten und weißen Klebezettelchen konnten die Besucher ihre Meinung zu den vier Varianten an vier Stationen kundtun. Kritisch gesehen wurde der Neubaustandort Freudenbergstraße. Lärm und Gefahren aufgrund der Nähe zur Bundesstraße wurden dafür als Argumente ins Feld geführt.

Positiver war die Sicht auf einen Neubaustandort neben der GGS. Die Nähe zum Hallenbad, die Erreichbarkeit, die Möglichkeit einer innovativen Schule wurden positiv gesehen, negativ die Nähe zur Ziegelei.

Völlig mit Zetteln zugeklebt war der Standort MKS: Rot und grün hielten sich die Waage, aber dieser Standort polarisiert am meisten. „Die ehemaligen Schüler und Eltern sollten ihre Nostalgie-Brille absetzen“, forderte ein Schreiber, was von vielen mit Applaus bedacht wurde. Kleine Klassen, eine Schule im Ort, kleine Strukturen wurden hier als Vorteile genannt.

An der GGS fanden sich nur wenige Aufkleber, die roten waren in der Überzahl. Eine Sanierung mache keinen Sinn und sei zu teuer, morgens gebe es schon jetzt ein Verkehrschaos, so einige Stimmen.

So geht es weiter

Die Stimmen werden nun gesammelt, dokumentiert und mit in die Studie aufgenommen. Letztlich entscheidet die Politik, wie damit weiter umgegangen werden soll.

Im Anschluss, nachdem Rathke nach drei Stunden die Veranstaltung beendet hatte, kam es noch zu einer hitzigen Diskussion. Denn im Programm war eigentlich noch eine Diskussion vorgesehen, die dann aber nicht stattfand. Das wurde von Zusammenlegungs-Gegnern direkt bei Facebook kritisiert, noch während sie vor dem Ramirez standen.

Fehler eingestanden

Im Gespräch mit noch etwa 40, 50 Anwesenden gestand Rathke ein, den Fehler begangen zu haben. „Das war auf keinen Fall eine böse Absicht“, sagte er, da es an diesem Abend ja gerade darum gegangen sei, Meinungen der Anwesenden zu erhalten. Er habe in dem Moment, angesichts der vorgerückten Stunde, das Gefühl gehabt, dass es keine Wortbeiträge mehr gebe. Bürgermeister Mike Rexforth sagte allen Kritikern zu: „Meine Tür steht immer offen.“

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