Eigentlich wollte Amprion die A-Nord-Trassenkorridore (rot markiert) durch Schermbeck und Raesfeld 2018 gar nicht mehr zur Prüfung bei der Bundesnetzagentur einreichen, tat es dann aber doch. Der pink-markierte Korridor weiter nördlich wird von Amprion immer noch bevorzugt. © Amprion
A-Nord

Stromtrasse doch durch Schermbeck und Raesfeld? „Wir sind entsetzt“

Führt die „Superstromtrasse“ demnächst doch durch Schermbeck und Raesfeld? Diese Gefahr sieht Arnd Cappell-Höpken (CDU). „Wir sind nicht irritiert - wir sind absolut entsetzt.“

Die Entscheidung über den finalen Verlauf der Stromtrasse A-Nord rückt näher. Die 300 Kilometer lange Gleichstromverbindung (Kostenvolumen: insgesamt 2 Milliarden Euro) soll als Erdkabel Windstrom von der Nordsee (Emden) in den Süden Deutschlands transportieren.

Während Netzbetreiber Amprion weiter auf seinen Vorzugskorridor setzt, der weit nördlich von Schermbeck und Raesfeld verläuft, ist noch lange nicht klar, dass es nicht doch eine Trasse durch Schermbeck und Raesfeld wird. „An dieses Thema müssen wir sofort ran“, sagt CDU-Kreistagsmitglied Arnd Cappell-Höpken. Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion will das Thema schon im Umwelt- und Planungsausschuss des Kreises am Dienstag (2. März) behandelt wissen.

Gegenüber der Bundesnetzagentur, die die Entscheidung im April/Mai treffen will, müsse „der Kreis Wesel nun klar machen, dass er genauso für die Interessen seiner Bürger kämpft wie der Kreis Kleve das für seine Einwohner tut“, unterstreicht Arnd Cappell-Höpken. Seine Sorge: „Das scheint jetzt auf eine Trassenbündelung mit der Ferngasleitung Zeelink herauszulaufen.“

Vorteile beim Vorzugskorridor

Jonas Knoop von Amprion verweist auf frühere Aussagen seines Unternehmens: „Wir haben immer gesagt, dass alles, was geprüft wird, am Ende zum Zuge kommen kann.“ Amprion sehe weiterhin deutliche Vorteile, wenn der Vorzugskorridor gewählt würde. „Im Endeffekt waren alle Varianten im Prüfverfahren und wurden in derselben Detailtiefe geprüft.“

Ende des letzten Jahres habe Amprion bei einem Erörterungstermin den Eindruck gewonnen, „dass die Behörde das als gleichauf sieht“. Der Termin sei vom Kreis Kleve ebenso zur Darstellung seiner Position genutzt worden („sehr umfangreich“) wie vom Kreis Wesel, der Stadt Voerde oder der Gemeinde Hünxe. „Es ist nicht so, als hätten die anderen ihre Hände in den Schoß gelegt“, so Knoop.

„Maßnahme, die den Raum zerschnitten hat“

Zu einer möglichen Trassenbündelung mit der Zeelink-Gasleitung sagte Knoop, dass Bündelungen bei Planungen grundsätzlich positiv bewertet würden. „Zeelink ist eine Maßnahme, die den Raum zerschnitten hat. Dann macht es Sinn, sich an diesem Infrastrukturprojekt zu orientieren.“

Amprion sehe hingegen an der Zeelink-Trasse einen „ohnehin sehr dicht bebauten Raum“ sowie Flächen, „die gerade kultiviert sind und demnächst in die Bewirtschaftung gehen“. Eine Bündelung hätte damit aus Amprion-Sicht „nicht mehr den positiven Effekt“. Zum jetzigen Verfahrensstand sagt Knoop: „Wir können nur noch abwarten. Keiner hat mehr Einfluss darauf.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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