Unternehmen plant drei neue Windräder - gegen den Willen von Verwaltung und Politik

Windräder

Drei neue Windräder will ein Projektentwicklungsunternehmen in Schermbeck bauen. Die Begeisterung bei Verwaltung und Politik hält sich in Grenzen. Doch erste Schritte sind bereits erfolgt.

Schermbeck

, 13.06.2019 / Lesedauer: 3 min
Unternehmen plant drei neue Windräder - gegen den Willen von Verwaltung und Politik

Wie aus dem Nichts taucht die Planung für drei neue Windräder in Schermbeck auf. Doch Verwaltung und Lokalpolitiker sind dagegen. © Arnulf Stoffel picture alliance/dpa

Ein bisschen „überfallen“ fühlten sich wohl viele Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses am Mittwoch. Unter dem Punkt „Mitteilungen“ zeigte Charlotte Kalkowski, Projektmanagerin bei „juwi“, was das Unternehmen in Schermbeck plant.

Die juwi AG ist ein Projektentwicklungsunternehmen für Anlagen der Energieversorgung aus erneuerbaren Energiequellen. Und zwar kein kleines, was man an bislang 1000 gebauten Windrädern und 850 Mitarbeitern weltweit sehen kann. Von der Standortauswahl über Flächenakquise, Entwicklung, Genehmigung, Ausschreibung, Planung, Finanzierung und Betrieb ist das Unternehmen in allen Bereichen tätig - genügend Erfahrung darf man also unterstellen.

Interesse abgeklopft

Das Unternehmen ist bereits auf Schermbecker Grundstückseigentümer zugegangen, um das Interesse an einem Pachtvertrag für den geplanten Windpark Schermbeck-Friemshof abzuklopfen. Das Gebiet befindet sich grob beschrieben nördlich des Brüner Wegs, der Waldbachweg liegt im Westen, der Vossenbergweg im Osten. Die Fläche liegt im Landschaftsschutzgebiet „Westlich Schermbeck“. Und sie ist im Flächennutzungsplan (FNP) nicht für Windenergienutzung ausgewiesen.

Derzeit wäre es also rechtlich nicht möglich, dort Windräder zu bauen. Beim RVR hat das Unternehmen aber angesichts der derzeitigen Aufstellung des Regionalplans eine Stellungnahme abgegeben, das „Potenzialgebiet“ in den Plan einzufügen.

„Wenn die Eigentümer Interesse haben, schließen wir Pachtverträge ab“, sagte Kalkowski, dann wende man sich an die Gemeinde und an den Kreis. „Wir sind eine andere Vorgehensweise gewohnt“, kommentierte das Ausschussvorsitzender Rainer Gardemann (CDU). Man habe „nicht hinter dem Rücken der Gemeinde“ handeln wollen, sagte Kalkowski. Es sei aber so: „Wenn die Eigentümer nicht wollen, ist es für uns kein Projekt mehr.“

Eigentümerversammlung einberufen

Vor vier Wochen hatte das Unternehmen zu einer Eigentümerversammlung eingeladen, bei der Planungsamtsleiter Rainer Eickelschulte die Gemeinde vertrat. Denn auch diese besitzt Flächen im Gebiet, allerdings nur Wegeflächen, die für Transport- oder Leitungswege gebraucht werden könnten. Eickelschulte sagte, er habe bei dieser Versammlung deutlich gemacht, „dass die Gemeinde mit Blick auf das umfassende FNP-Verfahren erst dann tätig werde, wenn der Kreis Wesel, die Untere Landschaftsbehörde, schriftlich erklären, dass die damals gemachten Einwendungen nicht mehr existent sind“.

„Die Grundstückseigentümer wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen“, sagte Bürgermeister Mike Rexforth. Als das Thema in der Einwohnerfragestunde am Ende des öffentlichen Teils der Sitzung erneut aufkam, machte Rexforth deutlich: „Wenn wir das nicht wollen, wird es nicht passieren.“ Der FNP sei rechtsgültig, ein Normenkontrollverfahren nicht mehr möglich. „Aus heutiger verwaltungsseitiger Sicht gibt es keinen Anlass, den FNP anzupassen oder aufzulockern. Wir sagen verwaltungsseitig Nein, der Ausschuss kann noch anders entscheiden.“

„Es war keiner dabei, der Hosianna gerufen hat“

Rainer Gardemann sprach für die Politik: „Es war keiner dabei, der Hosianna gerufen hat.“ Er machte gegenüber Kalkowski deutlich: „Der Ausschuss vertritt nicht nur die Eigentümer, sondern auch die Anwohner.“ Angesichts des umfangreichen FNP-Verfahrens werde die Politik auf einen neutralen Gutachter drängen, der die Auswirkungen auf Flora und Fauna untersuchen solle.

Jürgen Trick von den Grünen sagte, es habe vor einigen Jahren überzeugende Gründe gegeben, warum die Fläche im FNP nicht für Windenergie zur Verfügung gestellt wurde: „Ich sehe nicht, wie die überwunden werden sollen.“