Unternehmen plant Tierkrematorium zur Einäscherung von Heimtieren und Pferden

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Der Trend geht zur Feuerbestattung. Nicht nur bei Menschen. Ein Krematorium für Heimtiere und Pferde plant das Unternehmen „Cremare“ in Schermbeck. Wir haben den Weseler Standort besucht.

Schermbeck

, 25.06.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein recht schmuckloses Gebäude aus Wellblech, rechts daneben das Tierheim, links eine Tierpension. Das ist der erste Eindruck beim Weseler Tierkrematorium. In der zweiten Jahreshälfte soll es umgestaltet werden. Auffallend ist der große Kamin, aus dem aber keine Gerüche wahrzunehmen sind, obwohl auch in diesem Moment Tiere verbrannt werden, wie Anja Pallinger, Tierärztin und Sprecherin des Unternehmens, versichert.

Unternehmen plant Tierkrematorium zur Einäscherung von Heimtieren und Pferden

Einer der beiden Abschiedsräume, wo verstorbene Tiere aufgebahrt werden. © Berthold Fehmer

Wenn Tiere sterben, gilt die gesetzliche Verpflichtung, sich um die Entsorgung der Tierkörper zu kümmern. Bei der Tierkörperverwertung werden diese zu einem Fleischbrei zerkleinert und thermisch sterilisiert. Proteine und Fette werden etwa als Kraftstoffe verwendet.

Der Wunsch nach einer würdevolleren Alternative wurde an den Gründer von „Cremare“, Dr. Frans Evers, der vor fast 30 Jahren eine Tierarztpraxis in Wesel übernahm, immer häufiger von Tierhaltern herangetragen. In Deutschland war das Kremieren von Haustieren da noch nicht erlaubt. Also bot Evers Kunden an, verstorbene Tiere in einem niederländischen Krematorium verbrennen zu lassen. Erst, als sich die rechtlichen Bedingungen änderten, wurde 2005 das Tierkrematorium Nordrhein in Wesel gegründet, heute „Cremare-West“.

Zentrale wird wegen beengter Verhältnisse verlegt

Anja Pallinger kommt selbst aus Schermbeck und sagt, dass die Pläne des Unternehmens, die Zentrale zu verlegen, aufgrund der beengten Verhältnisse des Grundstücks „An der Lackfabrik“ in Wesel entstanden seien. Pallinger: „Die Kapazitätsgrenzen sind erreicht.“ Einige Verwaltungsmitarbeiter seien sogar mittlerweile in Büros außerhalb des Standorts untergebracht.

Die Nachfrage nach Tierverbrennungen steige, so Pallinger. Zusätzlich in Bewegung geraten ist der Markt, seitdem 2015 erneut die rechtlichen Rahmenbedingungen geändert wurden, und nun auch Pferde, Ponys und Esel verbrannt werden dürfen. Gerade Pferdehalter hingen oft mit viel Herzblut an ihren Tieren, hat Pallinger beobachtet. In Wesel sind die beiden Öfen für die Verbrennung von sogenannten Equiden zu klein. Man bringe Pferde in ein französisches Krematorium der Muttergesellschaft („Marktführer in Frankreich“), sagt Pallinger.

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Im Streubeet im gepflegten Garten in Wesel kann man die Asche des toten Tieres verstreuen lassen. © Berthold Fehmer

Aufgrund des Platzmangels habe sich das Unternehmen überregional auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück gemacht und auch, so Pallinger, „nach Kommunalpolitikern, die dem offen gegenüber stehen“. Dass es Vorbehalte bei dem sensiblen Thema geben könnte, ist Pallinger bewusst. „Manche haben die Assoziation von schwarzem Rauch“, sagt Pallinger, doch die sei falsch. Andere würden vielleicht an die eigene Vergänglichkeit erinnert, die viele am liebsten so weit wie möglich von sich schöben.

Zwei Kremationsöfen plant das Unternehmen in Schermbeck für Sammel- und Einzelkremierungen. Zwischen Hoogen Diek im Norden, Kappellenweg im Westen und Hufenkampweg im Süden soll die neue Zentrale des Unternehmens errichtet werden.

Pferde sollen direkt in die Ofenhalle gebracht werden

In der Regel holen Mitarbeiter die Tierkörper in gekühltem oder gefrorenem Zustand in Plastik-Säcken bei Tierärzten oder Tierbestattern ab. Bei Pferden ist es ein speziell dafür ausgelegtes Fahrzeug mit Anhänger, der auslaufsicher und mit Aluminium verkleidet ist. Pferde sollen in Schermbeck mit dem Anhänger direkt in die Ofenhalle gebracht und in der Regel direkt kremiert werden. An Sonn- oder Feiertagen, bei technischen Störungen oder Wartungsarbeiten, können die Pferde im Kühlraum aber auch für kurze Zeit zwischengelagert werden.

In Wesel gibt es zwei Abschiedsräume, wo sich Tierhalter von ihren verstorbenen Lieblingen verabschieden können. Gebürstet und zurechtgemacht werden die Hunde dafür, sagt Pallinger. Aber auch Hamster oder Koi-Karpfen wurden schon kremiert. Mit einer Kennung werden alle versehen, sodass gesichert ist, dass alle Besitzer „ihre“ Asche erhalten.

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Nur noch Knochen bleiben übrig, nachdem die Tiere verbrannt wurden. Diese werden dann gemahlen. © Berthold Fehmer

Die Öfen werden in Schermbeck jeweils aus einer Hauptbrennkammer, einer Nachbrennkammer zur Abgasverbrennung sowie einer gemeinsamen Filteranlage. Die Einäscherung läuft einem Gutachten zufolge geruchlos und umweltschonend ab. Die Tierkörper liegen auf Schamottsteinen, während im Ofen Temperaturen von 850 Grad herrschen. „Der Körper zerfällt zu Asche“, sagt Pallinger, nur die Knochen blieben übrig. Diese werden dann in einer Knochenmühle zermalen.

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So sieht die Asche am Ende aus. © Berthold Fehmer

Was mit der Asche geschieht, entscheidet der Kunde. Möglich ist in Wesel, dass die Asche in einem Streubeet im gepflegten Garten hinter dem Krematorium ausgebracht wird. „Viele glauben, dass die Asche wie Kaminasche ist, dabei erinnert die Substanz eher an Muschelkalk“, sagt Pallinger. Kunden könnten auch die Asche oder einen Teil der Asche in einer Urne mit nach Hause nehmen. Bei Pferden mit 600 Kilogramm würden 28 bis 30 Kilogramm Asche übrig bleiben, sagt Pallinger. Auch die Einarbeitung der Asche in ein Schmuckstück und sogar das Pressen in Edelsteine sei möglich.

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Anja Pallinger zeigt das beliebteste Urnenmodell „Terra", das sich schnell im Boden zersetze. © Berthold Fehmer

Eine würdevolle Möglichkeit für Tierhalter, mit Tod und Trauer umzugehen, wolle man schaffen, so Pallinger, die auf Transparenz gegen Vorbehalte setzt. Mit dem Thema beschäftigt sich der Planungs- und Umweltausschuss am 4. Juli (Donnerstag). Pallinger lädt alle ein, beim Tag der offen Tür am 7. Juli in Wesel, An der Lackfabrik 8, vorbeizuschauen.

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Im Streubeet im gepflegten Garten in Wesel kann man die Asche des toten Tieres verstreuen lassen. © Berthold Fehmer

Falls die Politik zustimmt und alle Genehmigungen erteilt werden, soll mit dem Bau des Krematoriums in Schermbeck Anfang 2020 begonnen werden. Eine Inbetriebnahme wäre dann Ende 2020, Anfang 2021 möglich, so Pallinger. Es wäre das erste Krematorium für Pferde in NRW und soll auch optisch eher an ein Stallgebäude erinnern „oder eine Reithalle“, so Pallinger. „Die Leute sollen sich gut aufgehoben fühlen und einen gesunden Abschluss finden. Das ist unser Ziel.“

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Viele Kunden seien dankbar, sagt Anja Pallinger, dass ihre Tiere ihre letzte Ruhestätte im Garten des Krematoriums finden konnten. © Berthold Fehmer

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