Vision des aRTPARKs wird mit Brahms und Bagger realisiert

hzaRTPARK

Streuobstwiese und Skulpturen, Bühne und Biotop, Kunst mit kindlichem Charakter: Am aRTPARK wird derzeit kräftig weiter gebaut - mit Brahms und Bagger.

Schermbeck

, 24.05.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kunst gab es schon immer reichlich im aRTPARK an der Straße Hoher Berg 15 in Schermbeck. Jetzt wird auch der zweite Teil des Namens immer mehr mit Leben gefüllt. Dafür rollte zuletzt sogar ein Bagger an, der ein Loch für ein neues Feuchtbiotop ausgehoben hat. Bis zu drei Metern tief ist das auf einer Grundfläche von 300 Quadratmetern, wo demnächst über einer Tonschicht ein Teich angelegt wird.

„Tiere, die in der normalen Umwelt kaum noch Lebensbedingungen haben, sollen sich da ansiedeln“, sagt Bernd Caspar Dietrich, der mit Hella Sinnhuber, Heiner Nachbarschulte und Norbert Hürland das aRTPARK-Team verkörpert. „Ein Feuchtbiotop der anderen Art“ solle entstehen. „Es soll so aussehen, als wenn es schon immer da gewesen sei und weitgehend sich selbst überlassen werden.“

Der Plan zeigt, wie sich das aRTPARK-Gelände entwickeln soll. Die 20 mal 6 Meter große Bühne soll sogar für Tanz-Vorführungen geeignet sein.

Der Plan zeigt, wie sich das aRTPARK-Gelände entwickeln soll. Die 20 mal 6 Meter große Bühne soll sogar für Tanz-Vorführungen geeignet sein. © Berthold Fehmer (Repro)

Die Planungen sind bereits mehr als 15 Jahre alt. Eine Streuobstwiese ist bereits angelegt. Kurt Stender, dem die Fläche gehört, habe immer von einer Streuobstwiese auf der Fläche geträumt, die zuletzt als Pferdekoppel genutzt wurde, erzählt Hella Sinnhuber. „Früher war das auch eine Streuobstwiese.“ Man wolle etwas für die Wildbienen tun und habe alte Obstsorten angepflanzt.

Mit schwerem Gerät wurde und wird das aRTPARK-Gelände umgestaltet.

Mit schwerem Gerät wurde und wird das aRTPARK-Gelände umgestaltet. © Hella Sinnhuber

„Das passte einfach in die neue Zeit.“

„Das passte einfach in die neue Zeit“, sagt Dietrich auf die Frage, warum er sich als Künstler so intensiv mit der Natur auseinandersetzt. „Wir sind naturverbunden und kochen meistens mit Sachen aus dem eigenen Garten.“ Über das Gelände sollen Wege führen, die noch angelegt werden müssen. Zudem wird es Insektenhotels und eine Blumenwiese geben.

Einen schönen Platz für eine Ruhebank hat Dietrich auch schon im Osten des Geländes unter einem Baum ausgemacht, von dem aus man eine tolle Aussicht über die Gahlener Landschaft hat.

Einen Ruhepol mit Bank will Bernd Caspar Dietrich an dieser Stelle schaffen. Damit Besucher die Möglichkeit haben, die Gahlener Aussicht zu genießen.

Einen Ruhepol mit Bank will Bernd Caspar Dietrich an dieser Stelle schaffen. Damit Besucher die Möglichkeit haben, die Gahlener Aussicht zu genießen. © Berthold Fehmer

Im Gegenzug sollen auch vom neu angelegten Radweg aus Radler auf das Gelände aufmerksam gemacht werden. Ein neues Schild weist von der Kirchhellener Straße zum aRTPARK, der perspektivisch sogar noch um 4 Hektar erweitert werden kann. Große Skulpturen sollen für weitere Aufmerksamkeit sorgen. Für eine vier Meter breite und 2,50 Meter hohe Skulptur hat Dietrich bereits mehrere Modelle gefertigt. „Da sollen Kinder drin wippen können“, sagt er, deshalb solle das Innere weich ausgekleidet werden.

„Die Welt in Scheiben“

„Wenn die Kinder dann nach oben gucken, werde sie die Welt in Scheiben sehen“, sagt Hella Sinnhuber. Dass das neue Logo des aRTPARKS ein Mädchen im einarmigen Handstand auf einem kleinen „a“ zeige, solle den kindlichen Charakter der Konzeption des aRTPARKs zeigen. Junge Künstler sollen künftig das Gelände und die Ausstellungshalle im ehemaligen Kälberstall „nach ihren Vorstellungen bespielen können“. Durch Corona liege vieles derzeit im kulturellen Bereich am Boden, sagt Dietrich. „Wir wollen einen Raum schaffen, der noch intakt ist.“

Bernd Caspar Dietrich plant eine große Skultpur, in der Kinder wippen können.

Bernd Caspar Dietrich plant eine große Skultpur, in der sogar Kinder wippen können. © Hella Sinnhuber

Die Kunst kommt also nicht zu kurz. Zwei Termine, „wenn es nicht zu einem totalen Shutdown kommt“, hat das aRTPARK-Team derzeit im Kalender: Einen ersten Einblick in das Gelände (Dietrich: „Das wird sich jetzt wöchentlich verändern“) bekommen Besucher am 21. Juni (Tag- und Nachtgleiche): Dann sollen Skulpturen und Objekte von Dietrich, Jörg Wiele, Stefan Marienfeld, Goncalo Mabunda und vielen mehr gezeigt werden.

„Gassenhauer“

Eine offene Probe für „Die schöne Magelone“ werden die Besucher an diesem Tag ebenfalls erleben können. Namensgeberin ist die neapolitanische Königstochter Magelone. „Ein Gassenhauer aus dem 15. Jahrhundert“, so nennt Dietrich das Werk, das von Brahms vertont wurde.

Opernbariton Martin Gantner hatte die Idee, die Lieder zu singen, Hella Sinnhuber wird rezitieren. „Er gilt als einer der schönsten Liederzyklen von Brahms“, sagt sie: „Eine dramatische Liebesgeschichte.“ Dietrich augenzwinkernd: „Das ist Rosamunde Pilcher für ganz Hartgesottene.“ Eine erste offene Probe gab es bereits am 8. März in Bruchsal (Baden-Württemberg), die sich auch die dortige Oberbürgermeisterin nicht entgehen ließ.

Premiere in Gahlen

Die Premiere werden die Besucher der aRTPARK am 15. August in Gahlen erleben können. In drei Teilen um 15, 17 und 19 Uhr. Begleitet werden Gantner und Sinnhuber wie auch schon bei der Probe von der kubanische Pianistin Madarys Morgan Verdecia. Einen Bilderzyklus zur Geschichte hat Dietrich entwickelt.

Eine große Bühne plant das aRTPARK-Team: 20 Meter breit, sechs Meter tief und etwa 70 Zentimeter hoch. Zehn mal sechs Meter sollen davon überdacht sein. Warum so eine riesige Bühne? Dietrich kann sich auch Tanzvorführungen darauf vorstellen.

Im ehemaligen Kälberstall hat das aRTPARK-Team bereits einen Ausstellungsraum geschaffen.

Im ehemaligen Kälberstall hat das aRTPARK-Team bereits einen Ausstellungsraum geschaffen. © Berthold Fehmer

Angst vor zu vielen Besuchern in Corona-Zeiten hat Dietrich nicht. Das Außengelände fasse Hunderte Besucher. „Die können auch zehn Meter Abstand halten.“ Enger wird es in der Kunsthalle: „Da kommen immer nur zehn Leute rein.“

Mit Besorgnis beobachtet Dietrich, wie stark die Coronakrise die Kreativen derzeit trifft. „In der Kultur geht die Angst um“, sagt er, auch weil viele Kreative von öffentlicher Förderung abhängig seien. „Uns trifft das gar nicht, weil wir keine Zuschüsse bekommen.“

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