Wohnungsloser sprüht Deo in den Rauchmelder - wer zahlt für solche Fehlalarme?

Fehlalarme

Weil er sich beobachtet fühlt, sprüht ein Wohnungsloser Deo in den Rauchmelder. Damit löst er einen teuren Fehlalarm aus. Einen von fünf im Lühlerheim im Jahr 2018. Wer soll diese zahlen?

Schermbeck

, 18.06.2019, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wohnungsloser sprüht Deo in den Rauchmelder - wer zahlt für solche Fehlalarme?

Fünf Fehlalarme verzeichnete die Feuerwehr 2018 am Lühlerheim. Einmal, wie im Bild zu sehen, musste sie bei einem Scheunenbrand tatsächlich eingreifen. © Guido Bludau (A)

Diese Frage beschäftigt am Dienstag (25. Juni) den Haupt- und Finanzausschuss in Schermbeck. Einrichtungsleiter Theo Lemken hat von der Gemeinde ein Schreiben erhalten, dass die fünf Fehlalarme mit 8529,13 Euro zu Buche schlagen könnten. Lemken beantragt nun, dass die Gemeinde einen Teil der Kosten übernimmt.

Das Lühlerheim beinhaltet ein Altenheim (Bossow-Haus) und den Bereich der Wohnungslosenhilfe. Im Altenheim kam es aus ungeklärter Ursache 2018 zu einem Fehlalarm. Lemken geht es nicht um diesen Fall, sondern um den Bereich der Wohnungslosenhilfe, wo 2018 vier Fehlalarme ausgelöst wurden.

Neue Brandmeldeanlage löste fehlerhaft aus

Diese hatten unterschiedliche Gründe. Am 4. und 11. Juli 2018 schlug eine neue Brandmeldeanlage im Wohnheim an. „Die Tatsache, dass in diesem Gebäude mehrheitlich Klienten mit einem hohen Suchtpotenzial untergebracht sind, hat uns dazu bewogen, für dieses Haus die höchstmögliche Sicherheitsstufe für Brandmeldung durch frühestmögliche Alarmierung im Brandfall sicherzustellen“, so Lemken.

Chronisch Alkoholkranke, die dazu noch rauchen, bedeuteten eine erhöhte Brandgefahr, so Lemken, der ein mögliches Einschlafen mit Zigarette im Bett als Beispiel nennt. Die Anlage sei nach den zwei Fehlalarmen noch einmal eingestellt worden.

Fritteuse unter dem Rauchmelder

Die Fehlalarme am 18. September und 2. Dezember 2018 seien hingegen durch Fehlverhalten von Bewohnern ausgelöst worden. Ein Bewohner habe sich etwa eine Frikadelle frittiert - und die Fritteuse direkt unter einem Rauchmelder aufgebaut, so Lemken.

Es gebe zwar eindeutige Regelungen, so Lemken: etwa das Verbot, elektrische Haushaltsgeräte mit aufs Zimmer zu nehmen. Auf manche Dinge habe er aber keinen Einfluss, gibt Lemken zu.

Scheunenbrand

Nicht nur die drei Löschzüge aus Schermbeck, sondern auch Kräfte aus Wesel, Drevenack, Hünxe und Brünen rücken aus, wenn am Lühlerheim alarmiert wird. Dass die Fehlalarme in Schermbeck ehrenamtliche Kräfte treffen, ist Lemken bewusst, der der Feuerwehr dankbar ist. 2018 mussten die Einsatzkräfte etwa beim Brand einer Scheune am Lühlerheim tatsächlich tätig werden.

Lemken sagt, er könne sich gut in die Einsatzkräfte hineinversetzen, wenn alle drei Schermbecker Löschzüge wieder einmal zum Lühlerheim alarmiert werden, „meistens nachts, meistens am Wochenende“, und nach einer Viertelstunde wieder abziehen müssen.

Leitstelle den Fehlalarm gemeldet

Zweimal hat Lemken versucht, das noch zu verhindern. Er rief sofort nach Auslösen des Alarms bei der Leitstelle an, meldete den Fehlalarm. Das zu bewerten, sei Aufgabe der Einsatzkräfte, habe man ihm am Telefon gesagt.

Seitens der Schermbecker Verwaltung wird empfohlen, den Antrag Lemkens abzulehnen. Der Kostenersatz wurde 2016 per Satzung geregelt und gelte für alle kostenpflichtigen Einsätze. Eine „selektive Bevorzugung“ des Lühlerheims, so die Befürchtung der Verwaltung, könne weitere Anträge seitens der sechs anderen Einrichtungen auslösen, die im Gemeindegebiet mit Brandmeldeanlagen bestückt seien.

„Ich will mich nicht rausziehen“

Im Vergleich etwa mit dem Komplex Marienheim/Haus Kilian sei die Zahl der Fehlalarme am Lühlerheim auch nicht signifikant höher. Diesen Vergleich lehnt Lemken allerdings ab, da die Arbeit mit Sucht- und psychisch Kranken eine besondere Situation bedeute. „Ich will mich nicht rausziehen“, sagt Lemken: „Aber man kann ja mal darüber reden, ob es in diesem Fall vielleicht eine Einzelfallregelung gibt.“

Fakt ist auch: Egal, wie die Politik entscheidet - in jedem Fall wird die Kostenübernahme der Fehlalarme aus Steuergeldern bezahlt.

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