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Zentralrat der Aluhutträger nimmt politisches Geschehen in Schermbeck aufs Korn

hzNeue Facebookgruppe

Hanfpflanzen an der Gesamtschule Schermbeck? Ein vermeintliches „Beweisfoto“ hat der „Zentralrat der Aluhutträger - Ortsgruppe Schermbeck“ bei Facebook eingestellt. Aus Spaß.

Schermbeck

, 25.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Zum ersten Mal tauchte die Facebook-Seite am 4. April auf. „Schermbecker aufgepasst! Verlassen Sie das Haus niemals ohne Aluhut!“ So begann der erste Beitrag, der auch eine Anleitung für das Basteln eines Aluhuts enthielt. Warum man den Hut tragen sollte? „Ohne Aluhut laufen Sie Gefahr, dass Sie ungewollt von politischen Gruppierungen aus Schermbeck oder einfach nur von Chemtrails beeinflusst werden.“

Als „Politische Organisation“ wird die Aluhut-Gruppe bei Facebook geführt, doch wer steckt dahinter? Das seien „drei bis fünf Leute, Tendenz steigend“ im Alter von 25 bis 35 Jahren, sagt einer von ihnen (Name der Redaktion bekannt), der seinen Namen nicht öffentlich machen will. „Wir sind jung und vielleicht ein bisschen aufmüpfig.“ Unerkannt bleiben wolle man, da man die Erfahrung gemacht habe, dass Mitglieder der auf die Schüppe genommenen Gruppierungen „manche Dinge unglaublich persönlich nehmen“. Etwas, dass der Zentralrat der Aluhutträger genau vermeiden wolle.

„Völlige Zeitverschwendung“

Was war der Grund für die Gründung der Gruppe? „Wir regen uns seit Monaten über Diskussionen und Dinge auf, die völlige Zeitverschwendung sind“, sagt der Sprecher der Gruppe. Der Aluhut stehe im Internet für Menschen, die Verschwörungstheorien wie Chemtrails anhängen, „Leute, die sagen, die Regierung will uns manipulieren“. Populisten wollen die Schermbecker Aluhutträger auf die Schüppe nehmen, aber „nicht fies und nicht persönlich“.

Beispiele finden sich auf der Seite bereits einige: So beschwert sich unter der Überschrift „Kummer mit dem Kummerkasten“ ein „Herr A. aus S.“ über den Kummerkasten der BfB-Internetseite. Er habe sich über Mitarbeiter des Rathauses beschweren wollen und dazu ein Formular auf der Internetseite des Wählerbündnisses ausgefüllt. „Nach dem Verfassen meiner Beschwerde verzweifelte ich jedoch an der schier unlösbaren Matheaufgabe am Ende.“ Die Rechenaufgabe lautete: 11+2=? . Herr A. schließt mit der Bitte, die Nachricht an die BfB weiterzuleiten: „Liebe BfB bitte gestaltet euren Kummerkasten doch so, dass eure Wähler ihn auch nutzen können.“

Hundehaufen und Fake News

Wissen lässt die Aluhut-Gruppe Schermbeck ihre Leser auch, worüber so in der Gruppe debattiert wird: „Vermisstenanzeige, wo ist denn nur der Wolf geblieben?“ Oder: „Öffnungszeiten des Edeka an der katholischen Kirche zu kurz, wann schreitet der Bürgermeister endlich ein?“ Der Edeka-Markt wurde bekanntlich im vergangenen Jahr geschlossen. Oder: „Hundehaufen vor der Volksbank, welche Rolle spielt die AfD?“ Oder: „Schließung der Post-Filiale in Gahlen. Kluger Schachzug des Bürgermeisters, um die Verbreitung von Fake News zu stoppen?“

Wahlplakate der AfD, die an der Maassenstraße in luftiger Höhe an einer Laterne aufgehängt wurden, kommentieren die Aluhutträger so: „Diskriminiert die AfD etwa kurzsichtige Menschen?“ Sie fordern die AfD auf, an jedem Wahlplakat Einwegbrillen zu platzieren.

Hanfpflanzen an der Gesamtschule

Als die Grünen die Schotterbeete am Raiffeisenweg kritisierten, reagierte Bürgermeister Mike Rexforth mit einem Bild von einem ähnlichen Beet an der Gesamtschule Schermbeck, dass zeigen sollte, dass dort sehr wohl Nahrung für Insekten wachse. Der Zentralrat der Aluhutträger nahm sich das Bild, montierte zwei Hanfpflanzen ins Bild. „Extra schlecht gemacht“, wie der Sprecher zugibt. Das Ganze mit der Überschrift: „Skandal in Schermbeck! Bürgermeister weißt Vorwürfe von Grünen zurück und offenbart dadurch ungewollt ungeheuerliches!“ Die Aluhutträger fragen: „Wer ist verantwortlich für die Pflanzung von Hanfpflanzen in der Öffentlichkeit? Hat die Schule etwa ein Drogenproblem? Kluger Schachzug der Grünen für den ersten Schritt der Legalisierung von Cannabis?“

Warum die Aluhut-Träger solche Debatten in Schermbeck veralbern? „Wenn man Zeit hat, sich über so was zu beschweren, dann kann es einem nicht wirklich schlecht gehen“, sagt der Sprecher. Die Kommentare zeigten, dass es viele ähnlich sehen. Zur Debatte etwa, die vor Monaten über eine Drogenszene am Mühlenteich geführt wurde, sagt der Sprecher, dass er sicherlich nicht den Umgang mit Drogen verharmlosen wolle, „aber da wurde direkt eine Bürgerwehr gefordert“.

Knapp 70 Facebook-Nutzer haben die Seite bereits „geliked“, mit den Beiträgen erreiche man aber sogar 500 bis 600 Menschen, so der Sprecher.

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