Zwei Wölfe im Wolfsgebiet: Ministerin bittet Tierhalter um Geduld

hzWolfsgebiet Schermbeck

Zwei Wölfe halten sich im Wolfsgebiet dauerhaft auf - das ist nun amtlich. Ministerin Heinen-Esser: „Eine Häufung von Übergriffen wie in diesem August wurde bisher noch nicht beobachtet.

Schermbeck

, 04.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) dokumentiert zurzeit die insgesamt elf Angriffe auf Schafe und Damtiere und lässt Genproben analysieren. Christian Fronczak, Sprecher des Ministeriums, rechnet mit Ergebnissen bis Ende September, wobei man dies nicht auf einen Tag genau sagen könne.

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Neben Wölfin GW954f (Gloria) konnte das LANUV nach dem ersten bestätigten Auftritt des männlichen Wolfs GW1587m im April nun seine Ortstreue nachweisen. Laut genetischer Untersuchung des Forschungsinstituts Senckenberg hat der männliche Wolf zwei Hirschkälber am 14. Juli gerissen. Nach bundesweiten Monitoringstandards steht nun fest, dass sich im Wolfsgebiet Schermbeck zwei Wölfe dauerhaft aufhalten.

Umweltministerin Ursula Heinen-Esser: „Eine Häufung von Übergriffen wie in diesem August wurde bisher noch nicht beobachtet.“ Dies werde man vor dem Hintergrund eines zweiten Wolfs genau bewerten. „Sobald die Untersuchungsergebnisse des LANUV und des Senckenberg-Instituts vorliegen, werden wir die Lage auf aktueller Basis neu bewerten und die beteiligten Stellen zu einer erneuten Erörterung des Themas einladen.“

„Enorme Belastung für die Herden“

Heinen-Esser: „Nutztierrisse sind enorme Belastungen für die Herden und die betroffenen Tierhalterinnen und Tierhalter. Daher müssen wir die Weiden, so gut es geht, schützen. Zugleich müssen wir beachten, dass der Wolf nach dem europäischen Naturschutzrecht eine streng geschützte Art ist. Ich appelliere daher an alle Betroffenen und Beteiligten, keine vorschnellen Schlüsse zu ziehen und die Untersuchungsergebnisse zu den aktuellen Vorfällen abzuwarten.“

Offene Formulierung

Etwas unklar bleibt in der Mitteilung des LANUV der Satz: „Darüber hinaus wird das Umweltministerium ergänzende Verfahren zur amtlichen Beweissicherung etablieren, um gegebenenfalls erforderliche rechtliche Fragestellungen nach Paragraph 45 Bundesnaturschutzgesetz rechtsicher beurteilen zu können.“ Fronczak gab auf Nachfrage zu, dass die Formulierung „ergänzende Verfahren“ bewusst offen gewählt worden sei - Details wollte der Sprecher nicht nennen, was dies für Verfahren sein könnten. Keinesfalls sei der Satz aber so zu interpretieren, dass das Ministerium derzeit eine Entnahme des Wolfs vorbereite.

Die emotionale Betroffenheit der Schafhalter könne er nachvollziehen, so Fronczak, bat aber darum, „Ruhe zu bewahren“ und auf die Ergebnisse der Untersuchungen zu warten. Der Kreis Wesel sei weiterhin maßgebliche Behörde, der das Ministerium eine rechtssichere Grundlage geben wolle bei der Abwägung der Interessen. Fronczak: „Das ist kein leichter Job.“

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