Zwölf Meter breite Blühstreifen - Erhalt der Biodiversität wird teuer

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Blühstreifen sieht man mittlerweile an vielen Feldern. Damit sie effektiv zur Vielfalt von Pflanzen und Tieren beitragen, schlägt eine Studie eine Mindestbreite von zwölf Metern vor.

Schermbeck

, 03.10.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der vierte und letzte Teil der Themenreihe „Landwirtschaft im Gespräch“ befasste sich in der Drevenacker Dorfkirche am Mittwochabend mit der Frage „Landwirtschaft und Biodiversität – Widerspruch oder Chance?“ Als Referenten konnte die Evangelische Kirchengemeinde Drevenack, zu der auch die Protestanten des Schermbecker Ortsteils Damm gehören, Klaus Horstmann, Leiter des Fachbereiches 60 (Naturschutz, Landwirtschaft, Jagd und Fischerei) beim Kreis Wesel gewinnen. Horstmann betreibt im Nebenerwerb einen Milchviehbetrieb.

Horstmann zitierte zwei Studien: Das Umweltministerium kam in der Studie „Die Lage der Natur in Deutschland“ zum Schluss, dass für wesentliche Teile der Biodiversität ein kritischer Zustand besteht. 63 Prozent der FFH-Arten und 69 Prozent der FFH-Lebensraumtypen weisen einen ungünstig-unzureichenden oder sogar schlechten Erhaltungszustand auf. Etwa ein Drittel der Brutvogelarten sind in den letzten zwölf Jahren im Bestand zurückgegangen, besonders Arten des landwirtschaftlich genutzten Offenlandes.

Zwölf Meter breite Blühstreifen vorgeschlagen

Um den Rückgang der Biodiversität aufzuhalten, müssen Maßnahmen sowohl im Umfang als auch in der Qualität effektiver werden. Zu diesem nüchternen Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Biodiversität in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU nach 2020“ vom Bundesamt für Naturschutz. Die Studie schlägt eine Mindestbreite von zwölf Metern für Blüh- und Schonstreifen vor, eine bessere Vernetzung von Brachen und Blühflächen, eine Vergrößerung von Blüh- und Schonstreifen von aktuell drei auf zehn Prozent, den Verzicht auf das jährliche Mulchen und die Anlage von Blühstreifen auch auf dem Grünland.

Laut Horstmann ist bei Kiebitzen der Bestand von mehr als 20.000 Brutpaaren im Jahre 2005 auf 8000 im Jahre 2018 zurückgegangen, bei weiter abnehmender Tendenz. Bei der Feldlerche habe sich der Bestand zwischen 1990 und 2015 halbiert auf jetzt 100.000 Brutpaare.

Gewässerrandstreifen haben sich bewährt

Was kann die Landwirtschaft zur Verbesserung der Situation tun? Horstmann zeigte mehrere Möglichkeiten auf. Man könne die Gelege umfahren, die Bewirtschaftung der Felder zeitlich hinausschieben und sich am Vertragsnaturschutz beteiligen. Chancen sah Horstmann auch im extensiven Grünland, auf dem keine Düngung erfolgt, eine späte Mahd vorgenommen wird, weniger oft gemäht wird, eine geringere Viehdichte auftritt und keine Biozide eingesetzt würden. Auch das Projekt „Gewässerrandstreifen“ habe sich bewährt. Dabei wurden für bis zu zehn Meter breite Gras- und Sukzessionsstreifen attraktive Ausgleichsbeträge gezahlt.

Um Niederwild und Insekten eine bessere Chance zu geben, könnten Wildäcker als Blühflächen oder Gehölzflächen und -streifen angelegt werden. „Wir brauchen nicht allein eine bunte Vielfalt, wir brauchen insbesondere krautige Strukturen“, befürworte Horstmann Pflanzenstrukturen, die über Winter stehen bleiben und den Insekten als ein Lebensraum zur Überwinterung dienen können.

Längere Diskussion

Fast alle Maßnahmen werden auf landwirtschaftlichen Nutzflächen durchgeführt. „Die stellen aber die Einkommensgrundlage für die landwirtschaftlichen Betriebe und ihre Familien dar“, so Horstmann. Landwirtschaftliche Flächen würden immer knapper. Bei der längeren Diskussion, die von Pfarrer Helmut Joppien geleitet wurde, bewerteten die meisten der etwa 30 Zuhörer es als selbstverständlich und fair, wenn die Gesellschaft die Landwirte bei der Umsetzung von Biodiversitätsmaßnahmen fachlich und finanziell unterstützt.

„Kooperativer Naturschutz lebt vom Geben und Nehmen“, kennzeichnete Horstmann die Handlungsdevise für den Kreis Wesel. Wenn Landwirte Beiträge zur Verbesserung der Biodiversität als Leistungen für die Gesellschaft erbrächten, müssten die Landwirte entlohnt werden.

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