Der Ergster Damian Jamro (li.), hier in einem Regionalligaspiel von Rot-Weiss Essen vor einigen Jahren, ärgerte sich am Mittwochabend über das Ausscheiden im DFB-Pokalwettbewerb. © imago sportfotodienst
Fußball

Ein riesiger Aufwand für Rot-Weiss Essen – und dann wird die Technik nicht genutzt

Diese Woche wird ein Fußball-Manager aus Schwerte so schnell nicht vergessen: Gemeint ist Damian Jamro, Direktor Spielbetrieb und Leiter der U19-Abteilung beim Regionalligisten Rot-Weiss Essen.

Unter unglücklichen Umständen sind die Essener am Mittwochabend im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Holstein Kiel ausgeschieden. Der Ergster Damian Jamro (48), seit immerhin 20 Jahren bei Rot-Weiss Essen angestellt, spricht über das Pokal-Aus, seinen Job beim Traditionsklub aus dem Essener Norden und seine Einstellung zum Fußball bei der 3. Mannschaft der SG Eintracht Ergste, dem „Dreamteam“ in der Kreisliga C.

Auch wenn es schmerzt – erzählen Sie doch mal, wie Sie das Pokal-Aus erlebt haben. Es gab ja reichlich Aufregung darum. Es gab aber auch viel Lob.

Ja, unsere großartige sportliche Leistung ist da schon etwas untergegangen. Natürlich waren wir alle sehr aufgeregt über den aus unserer Sicht ungerechtfertigten Elfmeter in der 26. Minute. Ich will auch gar nicht bestreiten, dass die Situation für Schiedsrichter Schmidt knifflig war. Aber darum geht es nicht. Ich frage mich einfach, warum in solch einem Fall nicht der Video-Assistent zu Rate gezogen wird. Wenn wir solche technischen Möglichkeiten haben, dann sollte man sie auch nutzen. Das ärgert mich wirklich, zumal der DFB einen hohen Aufwand betreibt, um diese Technik nur für dieses Spiel aufzubauen.

Die Umstände waren in der Tat ziemlich bitter, zumal Kiels Finn Porath schon fast auf dem Boden lag, als Dennis Grote ihn berührte. Danach nahm das Unheil seinen Lauf.

Genau so war es. Und hätten wir den Elfer und das 0:1 nicht bekommen, dann wäre aus meiner Sicht auch das 0:2 nicht kurz danach gefallen. Wir waren noch sichtlich schockiert.

Wie kommt ein Fußballer aus Schwerte ausgerechnet zu Rot-Weiss Essen?

Als Praktikant im Rahmen meines Studiums zum Diplom-Sportwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Sportmanagement habe ich 2001 den ersten Kontakt gehabt, habe auf der Geschäftsstelle ausgeholfen. 2002 bekam ich dann eine Festanstellung als Assistent der Geschäftsführung und bin bis jetzt geblieben.

Es folgten aber auch unruhige Zeiten.

Kann man so sagen. 2010 war Rot-Weiß Essen insolvent, wir sind aus der Regionalliga abgestiegen und Waldemar Wrobel und ich haben die Verantwortung für die 1. Mannschaft bekommen und mussten einen Kader für die 5. Liga zusammengestellt. Es gelang der Wiederaufstieg in die Regionalliga. Nach vier Jahren wurden die Aufgaben im sportlichen Bereich neu strukturiert, es kam ein Vorstand Sport dazu, so dass ich mich wieder mehr um das Team-Management gekümmert habe.

0:3 – der Endstand des DFB-Pokalspiels zwischen Rot-Weiss Essen und Holstein ist auf der Anzeigentafel zu sehen. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Erzählen Sie mal, wie die Vorbereitung auf das Pokalspiel in Zeiten von Corona aussieht?

Vor einem Pokalspiel sind vier Corona-Tests verpflichtend. Zudem gibt es viele Absprachen mit dem DFB, dem Gastverein sowie den TV-Medien. Wir hatten leider bei den ersten beiden Testungen zwei positive Fälle, haben darauf aber schnell reagiert und unsere Maßnahmen noch einmal verstärkt. Die gesamte Mannschaft hat sich zwei Tage lang isoliert, danach haben wir neben den beiden verpflichtenden PCR-Tests noch täglich Schnelltests durchgeführt. Wir dürfen trotz der aktuellen Situation glücklicherweise weiterspielen, tragen als Verein dadurch aber auch eine große Verantwortung. Zuletzt sind die Spieler sogar vor und nach dem Training gar nicht mehr in die Kabinen gegangen.

Der Aufwand hat sich aber gelohnt?

Stimmt natürlich. Wir haben durch die vier Pokalspiele gegen Bielefeld, Düsseldorf, Leverkusen und Kiel rund zwei Millionen Euro an TV-Geldern eingenommen. Hätten wir vor Fans spielen können, wäre ungefähr die gleiche Summe nochmal hinzugekommen.

Und jetzt müssen Sie den Schalter wieder ganz schnell umlegen und zur Normalität zurückkehren. In der Meisterschaft läuft es ja.

Eindeutig. Wir sind Zweiter hinter der U23 des BVB. Sonntag empfangen wir Fortuna Köln, danach müssen wir zu Preußen Münster und am 17. März empfangen wir den BVB 2 zum absoluten Topspiel. Es geht um den Aufstieg in die 3. Liga.

Kommen Sie bei dieser Belastung eigentlich noch zu Ihrem Hobby, der 3. Mannschaft der SG Eintracht Ergste?

Im Augenblick tut sich ja nichts. Aber grundsätzlich macht es mir noch viel Spaß, nebenbei noch ein bisschen zu kicken. Das ist überhaupt das Wichtigste dabei: in der Gruppe Spaß zu haben und nach dem Training oder Spiel noch ein Bier trinken. Das sieht man auch daran, dass wir in den letzten drei Jahren jeweils Meister in der Kreisliga C wurden, aber dreimal auf den Aufstieg verzichtet haben. Und manchmal muss man es den jungen Burschen zeigen, dass man noch mithalten kann. Physisch natürlich nicht, aber der Blick für die Situation ist einfach noch besser. Und mit den Alten Herren sind wir bei den letzten Stadtmeisterschaften auch immer sehr erfolgreich.

Damian Jamro wurde am 17. Oktober 1972 in Hindenburg/Polen geboren. 1979 zogen die Eltern nach Deutschland. Er spielte für Rot-Weiß Lüdenscheid in der Oberliga, dann beim TuS Heven in Witten und wieder für den TuS Iserlohn in der Verbandsliga. 2003 beendete Jamro bei RW Essen 2 seine aktive Laufbahn, aktuell kickt er noch „Just for Fun“ in der 3. Mannschaft der SG Eintracht Ergste (Kreisliga C).

Über den Autor
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Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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