Für einen der wenigen Querdenker, den im Vorfeld angekündigten Artur Helios, gab es Ärger mit der Polizei. © Oliver Schaper
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Strafbefehl gegen Artur Helios nach Hitlergruß – Was sagt der VfL Schwerte dazu?

Der deutschlandweit bekannte Querdenker Artur Helios war bis zur vergangenen Woche noch Mitglied des VfL Schwerte. Jetzt wurde ein Strafbefehl gegen Helios erlassen. Was sagt der Klub dazu?

Artur Helios aus Fröndenberg ist ein deutschlandweit bekannter Querdenker. Er tritt regelmäßig als Redner bei Demonstrationen gegen die Coronamaßnahmen auf. 45 Jahre lang war Helios Mitglied des VfL Schwerte – und er war kein normales Mitglied. Erst 2019 wurde er in die Arbeitsgruppe Platzbau berufen, die vom Wirtschaftsratsvorsitzenden Bernd Arnhold geleitet wird.

Seine Mitgliedschaft ist dann in der vergangenen Woche erloschen. „Der Vorstand des VfL Schwerte möchte aufgrund der aktuellen intensiven Berichterstattung der Ruhrnachrichten zu den privaten Aktivitäten des Herrn Artur Helios mit der Organisation der Querdenkern ergänzend Stellung nehmen. Wir sind mit Herrn Artur Helios übereingekommen, dass er seine Mitgliedschaft mit dem VfL Schwerte aufkündigt. Mit dem heutigen Tag ist Herr Artur Helios nicht mehr Mitglied des VfL Schwerte 1919/21 e.V.. Damit sind die Vorgaben der Vereinssatzung eingehalten. Die personenbezogenen Datenschutzregelungen sind beachtet“, hieß es in einer Stellungnahme des Vereines.

In dem Schreiben findet sich kein Wort der Distanzierung gegenüber Artur Helios. Und das bleibt auch so, nachdem jetzt bekannt wurde, dass das Amtsgericht Dresden ein Strafbefehl gegen Artur Helios erlassen hat. Den Erlass bestätigte gegenüber unserer Redaktion Birgit Keeve, Richterin und Pressesprecherin am Amtsgericht Dresden.

Angesprochen auf den Erlass, antworte Arnhold: „Herr Helios ist kein Mitglied des VfL Schwerte mehr, deshalb äußern wir uns öffentlich auch nicht mehr zu diesem Thema.“ Das klang vor zwei Wochen bei seinem Vorstandskollegen Günther Thurau noch etwas anders: „Im Moment stellen wir uns schützend vor ihn.“ Ändern würde sich das nur, wenn Helios für den Vorfall in Dresden juristisch belangt werden würde.

Bernd Arnhold ist Vorsitzender des Wirtschaftsrat beim VfL Schwerte. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Und das ist Anfang Mai passiert. Die Staatsanwaltschaft hatte einen Strafbefehl eingereicht und das Amtsgericht Dresden diesen erlassen. „Aufgrund von

des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“, erklärt Richterin Keeve. Die Strafe liegt bei 60 Tagessätzen – in welcher Höhe, darüber gab sie keine Auskunft. Helios hat aber noch die Möglichkeit, Einspruch gegen den Strafbefehl einzulegen. Dann käme es zu einer Hauptverhandlung. Reicht Helios keinen Einspruch ein, ist der Strafbefehl rechtskräftig und er ist vorbestraft.

Den für den Strafbefehl ausschlaggebenden Hitlergruß hatte Helios im Oktober 2020 auf einer Bühne in Dresden gezeigt. Der 55-Jährige klopfte sich auf die Brust und formte anschließend mit dem Arm die bekannte Pose. In einem Video-Mitschnitt der Veranstaltung ist das klar zu erkennen.

Das Video war für den VfL Schwerte aber kein Grund, sich von seinem Mitglied zu distanzieren. Ganz im Gegenteil. „Er hat sich gegenüber dem Verein noch nichts zu Schulden kommen lassen“, sagte zum Beispiel Jugendleiter und Geschäftsführer Frank Samson. Arnhold erklärte: „Herr Helios hat sich beim VfL immer sehr positiv verhalten.“ Arnhold hatte 2019 bei der Vorstellung seiner Arbeitsgruppe über Helios gesagt, dass der jemand sei, der „Wünsche zur Wirklichkeit werden lässt“.

Der Vorstand hatte auch immer betont, dass er aufgrund der Satzungen nicht einfach Herr Helios die Mitgliedschaft entziehen könne. Dabei steht in der Satzung unter §10 Ausschluss:

Der Ausschluss eines Mitglieds kann durch den Vorstand beschlossen werden, wenn

  • a) die Verpflichtung zu sportlicher Kameradschaft, Treue und Glauben missachtet wurde,
  • b) durch vorsätzliche Rede oder Tat das Ansehen des Vereines geschädigt wurde
  • c) gegen die guten Sitten und die öffentliche Ordnung verstoßen wurde,
  • d) ein öffentliches Gerichtsverfahren dazu Anlass gibt oder
  • e) grobe Verstöße gegen Satzung und Interessen des Vereins sowie gegen Beschlüsse und Anordnungen der Vereinsorgane vorliegen.

Die eigenen Satzungen hätten trotzdem nicht gereicht, um Helios die Mitgliedschaft zu kündigen, hieß es vom VfL Schwerte. Es war erst ein Übereinkommen mit Artur Helios nötig, damit dieser seine Mitgliedschaft kündigt. Und bis heute fehlt weiter eine klare Distanzierung gegenüber Helios. Einzig zu dieser Stellungnahme war der Klub in der vergangenen Woche bereit:

„Uns ist mittlerweile klar geworden, dass wir Artur Helios` Aktivitäten nicht ignorieren können und wollen. Wenn es sich wirklich um einen Hitlergruß handeln sollte, was Artur Helios allerdings vehement bestreitet, würden wir uns als VfL Schwerte eindeutig von Artur Helios, distanzieren.“ Und der Verein betonte, dass er gegen jegliche Form von Rechts- oder Linksextremismus stehe. Aber auch nach dem Strafbefehl, der noch nicht rechtskräftig ist, kommt auf Nachfrage bei Arnhold kein Wort der Distanzierung.

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