Das war‘s vollbracht: Der SC Hennen bejubelte vor zehn Jahren den Aufstieg in die Landesliga.
Fußball

Vor zehn Jahren: Skurrile Szenen münden im Jubel über größten Erfolg der Vereinsgeschichte

Mit dem Aufstieg in die Landesliga feierte der SC Hennen genau vor zehn Jahren den größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte. Doch fast hätte ein großes Missverständnis die Feier noch platzen lassen.

Es war der 22. Mai 2011, vorletzter Spieltag der Bezirksliga 14 der Saison 2010/11: Der SC Hennen lag punktgleich mit dem VfB Schwelm an der Spitze und hatte alle Trümpfe in der Hand. Denn in der Liga spielten wegen des Rückzugs des SSV Hagen nur 15 Teams, und ausgerechnet Schwelm hatte eine Woche später am letzten Spieltag spielfrei.

Während Hennen im heimischen Naturstadion gegen die noch im Abstiegskampf befindliche TSG Herdecke spielte, musste Schwelm bei Hedefspor Hattingen ran. Die „Zebras“ taten sich schwer, die wenigen Chancen wurden nicht genutzt. Dann kam der große Regen – es schüttete wie aus Eimern.

Partystimmung im Naturstadion – mit Jan Loos als Einheizer. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Nach der Halbzeit hellte sich der Himmel auf und auch die Stimmung. Denn Teammanager Marcus Wald übermittelte aus Hattingen die 1:0-Führung von Hedefspor – das eigene Spiel geriet bei den „Zebras“ immer mehr zur Nebensache.

Eine Viertelstunde vor Schluss kam die Meldung, dass Schwelm nun 0:2 im Hintertreffen lag. Diese Nachricht bekamen auch die Spieler mit – das eigene 0:0 würde also reichen. Was sie allerdings nicht wussten: Das Spiel in Hattingen hinkte gut 20 Minuten hinterher.

Ballgeschiebe in den Schlussminuten

Nun spielten sich skurrile Szenen ab. Die Hennener Spieler schoben sich in der Schlussphase nur noch den Ball zu und warteten auf den Abpfiff, was die beiden Trainer Peter Habermann und Stefan Kolatke ziemlich fassungslos mitansehen mussten. Erst nach dem Ende realisierten die Spieler die Situation und das lange Warten begann. Nach „Waldis“ erlösendem Anruf um 17.19 Uhr konnte dann endlich gefeiert werden.

„Das war eine super Mannschaft“, erinnert sich Peter Habermann und ergänzt: „Diese Momente am Schluss waren schon kurios.“ Sein Co-Trainer Stefan Kolatke saß nach dem Abpfiff eine halbe Stunde lang mit einem „dicken Hals“ in der Kabine, so sauer war er über das Ballgeschiebe. Dann aber konnte auch er den Triumph feiern.

Innige Umarmung: Trainer Peter Habermann mit Kapitän Nico Mantovani, der nach seiner Auswechslung ins Torwarttrikot seines Bruders geschlüpft war. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Der SC Hennen war mit drei Siegen und drei Remis gut in die Saison gestartet. Doch es folgten drei Niederlagen im Oktober, und nach dem 0:3 in Schwelm hätte wohl niemand an einen Aufstieg gedacht. „Wir haben uns auch über die Derbys dann den Schub geholt“, erinnert sich Habermann.

Alle sechs Lokalduelle gewonnen

Gerade in den Lokalduellen legte Hennen den Grundstein, denn alle sechs Derbys gegen den Geisecker SV, ETuS/DJK Schwerte und VfB Westhofen wurden gewonnen. Vor allem für Westhofen waren diese Spiele bitter. Mit dem 2:0-Heimsieg holte Hennen Westhofen vom Tabellenthron. Der VfB hielt noch lange in der Spitzengruppe mit, musste sich nach einer 0:7-Klatsche im Rückspiel aber aus dem Aufstiegsrennen verabschieden.

Am 20. Februar hatte Hennen nach einem 1:0-Sieg gegen Geisecke erstmals die Tabellenführung erkämpft. Diese gaben sie nur im April noch einmal ab. Mit zehn Spielen in Folge ohne Gegentor segelten die „Zebras“ aber sicher auf Kurs in die Landesliga. Nach dem 3:1-Sieg über Schwelm am 8. Mai war Hennen schon ganz nah am Aufstieg, der zwei Wochen später dann vollendet wurde. „Das war schon eine geile Truppe, es hat einfach gepasst. Ich habe heute noch die Bilder als Erinnerung hängen. Es war mit die schönste Zeit als Trainer“, berichtet er.

Im Trainergeschäft ist Habermann immer noch aktiv. Zuletzt hat er die U19 des FC Iserlohn trainiert. „Wir haben den Klassenerhalt in der Landesliga geschafft und waren in dieser Saison Tabellenführer, als der Abbruch kam“, erzählt er. Und dann trainiert er noch die zweite Mannschaft der Iserlohner in der Kreisliga B. „Das ist mehr eine Hobby-Mannschaft“, so Habermann.

Habermann: „Muss langsam auf den Tacho schauen“

„Aber ich muss auch auf meinen Tacho schauen“, spielt der 72-Jährige auf sein Alter an. So langsam müsse er wohl ans Aufhören denken, aber die Corona-Pause macht auch ihm zu schaffen. Die Erinnerung an den Hennener Landesliga-Aufstieg 2011 aber bleibt – und ein Blick auf die Bilder von damals dürfte bei Peter Habermann immer mit einem Lächeln verbunden sein.

Das Aufstiegsteam 2011 des SC Hennen bildeten die Torhüter Stefan Drews und Tim Mantovani sowie die Feldspieler Aykan Kutlu, Imre Renji, Jan Loos, Matijas Markovic, Hauke Reimann, Yannik Marks, Domenic Klohs, Sven Dreesmann, Robert Wiesner, Marc Setzer, Claudio Ferreira, Oliver Draxler, Andreas Zemljaric, Nils Krawczyk, Jürgen Weber, Nico Mantovani, Jascha Habermann, Kay Löser, Tobias Senf, Robin Benner, Karsten Schebesta und Benny Meyer. Trainer waren Peter Habermann und Stefan Kolatke. Sie wurden unterstützt von Torwarttrainer Jens Becker, Betreuerin Sabine Spindler, Betreuer Werner Spindler und Team-Manager Marcus Wald.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Jörg Krause (Jahrgang 1967) ist seit Mitte der 1990er-Jahre als freier Mitarbeiter in der Schwerter Lokalsportredaktion unterwegs. Vor allem in Sachen Fußball ein wandelndes Lexikon.
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