Geschichte eines Schwerter Traditionsgeschäftes endet nach 128 Jahren

Warum Uhren und Schmuck Essmann schließt

Seit 1889 existiert das Uhren und Schmuckgeschäft Essmann an der Hüsingstraße. Doch ab März ist es nur noch Schwerter Stadtgeschichte. Warum Uhrmachermeisterin und Inhaberin Andrea Müller das Traditionsgeschäft schließt, hat sie uns erzählt.

Schwerte

, 27.12.2017, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Jahre 2001 hatte Andrea Müller (56) das Uhren- und Schmuckgeschäft an der Hüsingstraße 33 von ihrem Onkel Friedrich Essmann übernommen. Am 26. März 2018 schließt sie es für immer. Foto: Schmitz

Im Jahre 2001 hatte Andrea Müller (56) das Uhren- und Schmuckgeschäft an der Hüsingstraße 33 von ihrem Onkel Friedrich Essmann übernommen. Am 26. März 2018 schließt sie es für immer. Foto: Schmitz

Es waren die letzten Schmuckkästchen mit der Aufschrift „Essmann“, die unter dem Tannenbaum ausgepackt werden konnten. Das Traditionsgeschäft an der Hüsingstraße 33 wird am 26. März geschlossen, wie Inhaberin Andrea Müller (56) ankündigt. Sie möchte mehr Zeit mit ihrem Ehemann verbringen, der schon vor einem Jahr in Rente gegangen ist.

Damit verliert Schwerte einen weiteren alteingesessenen, inhabergeführten Laden. Seit 1889 war er eine Adresse für Uhren und Schmuck. Zuerst unter Leitung von Uhrmacher Bernhard Gauert, dessen Witwe 1896 den Uhrmachermeister Rudolf Plümer heiratete. Ihm folgte 1935 ein Benno Neubig, bevor 1964 Friedrich Essmann das Geschäft übernahm, der Onkel von Andrea Müller.

Faszination Technik

1982 trat sie bei ihm die Uhrmacherlehre an und bildete sich zur Meisterin fort. Die Technik interessierte sie einfach. Schon für den Laien ist es faszinierend, wie winzigste Teile in der richtigen Reihenfolge zusammengebaut werden. Oft lassen sich Schräubchen nur unter der Lupe unterscheiden. Sind sie auch nur eine Umdrehung zu lang, können sie das ganze Uhrwerk blockieren.

„Da wusste man, was man abends erreicht hat“, war Andrea Müller immer wieder zufrieden, wenn sie eine Reparatur erledigt hatte. Genauso wichtig sind ihr gut beratene und zufriedene Kunden. Viele begleitete das Geschäft Essmann, das sie seit 2001 weiterführte, durch das halbe Leben. „Sie haben schon die ersten Ohrringe hier bekommen, dann das Kommuniongeschenk und später die Trauringe“, berichtet die Inhaberin. Nur ein einziges Mal kam es vor, dass bereits gravierte Eheringe nicht abgeholt werden wollten: Das Paar hatte keinen Bedarf mehr, weil es sich kurz vor dem Gang zum Standesamt getrennt hatte.

Räumungsverkauf beginnt

Eine letzte Chance haben Kunden beim Räumungsverkauf, der jetzt beginnt. Alles muss raus, denn einen Nachfolger gibt es bei Essmann nicht. Der Gebäudekomplex – so Andrea Müller – sei an einen Investor verkauft. Und der Uhrmacher, der seit Jahren in ihrer Werkstatt tätig ist, habe sich noch nicht entschieden, wohin ihn sein Berufsweg künftig führe.

Das Ticken der dreieckigen Dugena-Uhr an der Fassade wird also verstummen. Es wird nicht mehr den Lebensrhythmus von Andrea Müller vorgeben, die sich darauf freut, sich ihre Zeit demnächst selbst einteilen zu können, statt sechs Tage in der Woche hinter der Theke zu stehen. „Zur Ruhe kommen, spontan was unternehmen“, sagt sie. Außerdem möchte sie sich irgendwo „ein bisschen im sozialen Bereich engagieren“.

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