16-jährige Schwerterin berichtet von Corona in Südkorea

hzCorona in Südkorea

Die Republik Südkorea geht während der Corona-Krise einen anderen Weg als die meisten Länder. Svenja (16) macht gerade ein Austauschjahr in Südkorea und berichtet von ihren Erfahrungen.

Schwerte

, 19.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während der Corona-Krise gehen die betroffenen Länder verschiedene Wege. Als Vorbild wird oft Südkorea genannt, wo mittels Massentests und Isolierung der Erkrankten die Ausbreitung des Erregers stark verlangsamt worden ist, ohne das öffentliche Leben zum Stillstand zu bringen.

Die 16-jährige Schwerterin Svenja Wöllecke ist seit August 2019 für ein Austauschjahr in Südkorea und hat sich entschieden auch während der Corona-Zeit in Südostasien zu bleiben.

Rotary-Austauschprogramm in Südkorea

Im Sommer letzten Jahres begann Svenja ihren Auslandsaufenthalt über das Rotary-Austauschprogramm in Südkorea. Ein Austausch in Europa oder den USA kam für sie nicht in Frage. „Ich wollte an einen nicht so überlaufenen Ort“, berichtet Svenja. „Als wir dann mit der Schule zwei Wochen in China waren, habe ich mich entschieden, ein Jahr in Asien die Schule zu besuchen.“ Die Entscheidung für Südkorea fiel dann, nachdem die 16-jährige sich mit der Kultur des Landes näher auseinandergesetzt hatte.

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Als sich der Alltag durch die Corona-Krise geändert hatte, entschied sich Svenja Wöllecke dazu, weiterhin in Südkorea zu bleiben. „Meine Eltern haben mir die Entscheidung überlassen. Ich habe dann den Rotary Club darum gebeten, hier zu bleiben.“, erklärt Svenja. Viele Austauschschüler, vor allem aus den USA, seien vom Staat zurückgeholt worden, weil die Situation in Südkorea zunächst drastischer als in anderen Ländern gewesen sei.

Zwei Wochen in häuslicher Quarantäne

Auch Svenja war vom ersten Ausbruch des Virus in Südkorea betroffen. „An dem Wochenende, wo die Situation schlimmer wurde, war ich gerade in einem der Risikogebiete im Urlaub.“, sagt Svenja. „Zurück im Dorf meiner Austauschfamilie verbrachte ich dort zwei Wochen in häuslicher Quarantäne.“ Die Vorsichtsmaßnahmen seien allerdings keine Vorschrift vom Staat gewesen, sondern eine Entscheidung des Rotary-Clubs.

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Mittlerweile wird Südkorea allerdings als Vorbild in der Corona-Pandemie genannt. Obwohl Bars, Restaurants, Kinos und andere öffentliche Räume weiterhin geöffnet sind, verlangsamt sich die Ausbreitung des Virus beachtlich. „Die Leute sind vorsichtig und verfallen nicht in Hysterie.“, so Svenja. „An die Bestimmungen vom Staat wird sich von allen gehalten.“

Dazu gehöre unter anderem eine Mundschutzpflicht im öffentlichen Raum. Das sei für die Südkoreaner aber keine große Umstellung, da viele Leute wegen der hohen Feinstaubbelastung auch im normalen Alltag einen Mundschutz tragen. In öffentlichen Gebäuden seien zudem Wärmekameras installiert, die bei jedem, der hineingeht, die Körpertemperatur messen.

Infos über Infizierte per SMS

Svenja wohnt auf dem Land. Die 16-jährige habe erst vor ein paar Tagen per SMS vom ersten Infizierten in ihrem Dorf erfahren. „Wer eine koreanische Handynummer und GPS hat, bekommt alle Infos zu Infizierten auf sein Handy.“, berichtet Svenja. „Man erfährt auch, an welchen Orten die Infizierten zuletzt waren.“

Svenja selbst stuft die Situation in Südkorea noch als sehr entspannt ein. Letzte Woche habe sie sogar noch einen Freizeitpark besucht. Die Highschool, die sie momentan besucht, habe nach einer Verlängerung der Winterferien seit dieser Woche auf Online-Unterricht umgestellt. Auch die Wahlen fanden in der letzten Woche ganz normal statt.

Voraussichtlich bleibe Svenja bis zum regulären Ende ihres Austausches im Juli in Südkorea: „Ich höre ja von meiner Familie und Freunden, wie es in Deutschland ist. Mein Eindruck ist, dass ich hier momentan wohl sicherer bin als Zuhause.“

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