21-Jährige aus Schwerte erobert die Laufstege in Mailand und Paris

hzDesignerin aus Ergste

Die Jungdesignerin Leonie Weigelt wusste schon früh, dass sie ins Modegeschäft einsteigen möchte. Im März hatte sie eine Show auf der Pariser Fashion Week. Doch das reicht ihr noch nicht.

Ergste

, 14.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

In Ergste aufgewachsen, will Leonie Weigelt nun die Laufstege der Welt erobern – nicht als Model, sondern als Designerin. Auf der Pariser Fashion Week durfte sie das erste Mal eine Kollektion vor internationalem Publikum präsentieren. Im Herbst soll sogar ein noch größerer Auftritt folgen.

Wunsch zum fünften Geburtstag: eine Nähmaschine

Seit sie klein war, habe sie das Handwerk der Näherei fasziniert, sagt Leonie Weigelt. „Mit vier Jahren habe ich schon genäht. Zu meinem fünften Geburtstag habe ich mir eine Nähmaschine gewünscht“, verrät die 21-jährige Ergsterin.

„Meine Oma sagte aber, man muss erst mit der Hand korrekt nähen können, bevor man mit der Nähmaschine näht.“ Das habe sie dann von ihrer Oma gelernt. Später bekam sie auch ihre Nähmaschine.

Heute studiert Leonie Weigelt am renommierten Fashion Design Institut (FDI) in Düsseldorf und macht dort ihr Diplom als „Internationaler Fashion Designer“.

Eigene Show auf der Pariser Fashion Week

Am 3. März hatte Weigelt ihren ersten großen Auftritt vor internationalem Publikum. Auf einer Show für Nachwuchsdesigner durfte sie gemeinsam mit ihrer Freundin und Kommilitonin Natalie Tanus zwölf Outfits präsentierten. Zwei von denen erregten besondere Aufmerksamkeit, denn sie waren aus Tapete gefertigt.

Leonie Weigelts Outfit aus Tapete zog die Blicke des Publikums auf der Pariser Fashion Week besonders auf sich.

Leonie Weigelts Outfit aus Tapete zog die Blicke des Publikums auf der Pariser Fashion Week besonders auf sich. © Tim Ihne

5000 Euro mussten die beiden für die gemeinsame Teilnahme an der Show bezahlen. Zuerst mussten sie jedoch die Veranstalterin von sich überzeugen.

„Wir haben Monate hin und her telefoniert, Sachen hingeschickt, Sponsoren gesucht. Wir haben bestimmt 200 Leute angeschrieben.“ Dabei wussten die beiden, dass sie kaum eine Chance haben.

Hartnäckigkeit zahlte sich aus

„Eigentlich kommst du da nur hin, wenn du fertig mit dem Studium bist. Studenten werden normalerweise garnicht genommen“, weiß Weigelt. Sie befand sich im dritten Semester des Studiums.

Die Hartnäckigkeit zahlte sich am Ende aber aus, denn der Veranstalterin gefiel das Konzept der zwei Studentinnen. „Sie wollte uns unbedingt dabei haben und hat für uns eine Ausnahme gemacht.“

Mit im Gepäck nach Paris war dann auch die Familie. „Meine Eltern und mein Bruder sind mitgekommen. Sogar Oma und Opa waren dabei.“

Die Mode erzählt eine Geschichte

Weigelt erklärt, warum ihr Konzept überzeugen konnte: „Man erzählt mit seiner Mode immer eine Geschichte und wir haben das sehr künstlerisch umgesetzt. Die Outfits waren zwar tragbar, aber eher Kunst am Körper.“

Die Zusammenarbeit mit ihrer Freundin für die Pariser Kollektion sei wundervoll gewesen, so Leonie Weigelt. Ihre Freundin Natalie Tanus kann das bestätigen. „Wir beide ergänzen uns in unserer Arbeit total und können uns super aufeinander verlassen.“ Wo es einer an Ideen und Inspiration fehlte, konnte die andere aushelfen.

Nächste Station: Fashion Week Mailand

Der Auftritt in Paris gefiel der Veranstalterin laut Weigelt so gut, dass sie die beiden Studentinnen auch zu ihrem Event auf der Mailänder Fashion Week einlud. Zusätzlich wurde ihnen eine Veröffentlichung in der Modezeitschrift Elle Italia zugesichert.

Zumindest die Teilnahme an der Fashion Week im Norden Italiens ist Weigelt nicht unbekannt. „Im letzten Jahr durften wir unsere Schule dort bereits repräsentieren.“

Auf der Fashion Week in Mailand traf Leonie Weigelt mit Anna Wintour eine der einflussreichsten Frauen der Modebranche.

Auf der Fashion Week in Mailand traf Leonie Weigelt im vergangenen Jahr mit Anna Wintour eine der einflussreichsten Frauen der Modebranche. © privat

So konnte sie bereits erste Kontakte in der Modebranche knüpfen. „Wir waren bei Moschino, Armani, Alberta Faretti und ich habe Anna Wintour von der Vogue getroffen und mich mit ihr unterhalten können.“ Zudem wurden die jungen Designerinnen zu privaten Parties internationaler Modemacher eingeladen.

Bei der Modewoche in Mailand wollen die beiden Freundinnen im kommenden Herbst dann aber getrennt eine Kollektion präsentieren. „Wir sind auch einzeln stark genug, uns zu präsentieren“, ist Weigelt überzeugt.

Auch Topmodel Kaia Gerber trafen Leonie Weigelt (rechts) und Freundin Natalie Tanus (links).

Auch Topmodel Kaia Gerber trafen Leonie Weigelt (rechts) und Freundin Natalie Tanus (links). © privat

Stressiger Alltag, wenig Schlaf

Ob für Paris oder Mailand. Alles entsteht in Weigelts Wohnung in Düsseldorf. Die ist ein einziges Atelier. Ihr Schlafzimmer hat sie in das Wohnzimmer verlegt. Schlaf bekommt sie ohnehin häufig keinen.

Wenn Abgaben für die Schule anstehen, wird es nämlich oft stressig. „Manchmal schlafe ich zehn Minuten, manchmal drei Tage gar nicht.“

Viel Zeit für Freunde bleibt da nicht. „Obwohl Düsseldorf nicht so weit weg ist, habe ich manche Leute ein Jahr nicht mehr gesehen. Weil ich mich wirklich auf die Karriere fokussiere. Die Leute, die mich kennen, verstehen das auch.“

Neben dem Studium arbeitet Weigelt noch als Aushilfe bei Louis Vuitton in Düsseldorf. Ohne die zusätzliche finanzielle Unterstützung ihrer Eltern wäre das alles allerdings nicht möglich. „Meine Eltern unterstützen mich immer und überall auf meinem Weg. Sie stehen immer hinter mir.“

Für Alexandra und Gregor Weigelt ist diese Unterstützung selbstverständlich. „Wir sind so stolz auf unsere Tochter und freuen uns, dass sie ihren Traum lebt“, sind sich beide einig. In der Zukunft sehen sie ihr Kind unter den besten Designern in der Modewelt.

Schritt in die Modebranche nie bereut

Trotz häufigem Stress im Studium sagt Leonie Weigelt, dass sie den Schritt in die Modebranche nicht ein einziges Mal bereut habe. Natürlich gebe es ab und zu Situationen, in denen man verzweifelt, weil etwas nicht klappt oder man nicht weiter kommt. „Das hält aber zum Glück nicht lange an.“

Auf der anderen Seite gibt es dann aber oft auch nichts anderes als die Mode: „Du lebst in deiner eigenen kreativen Welt. Wenn du wochenlang an etwas arbeitest, vergisst du häufig außen herum alles.“

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Ein fairer Umgang mit Mensch und Tier ist wichtig

Eines will sie aber nicht außer Acht lassen: Besonderen Wert bei der Auswahl ihrer Materialien legt Leonie Weigelt laut eigenen Angaben auf den fairen Umgang mit Mensch und Tier. „Viele wissen nicht, was hinter der Produktion steckt.“

Durch ihren Blick hinter die Kulissen sei ihr der faire Umgang mit den Produzenten wichtig. Dazu gehöre auch eine Bezahlung, von der die Menschen gut leben können.

Zudem möchte Weigelt Projekte unterstützen, die den Erhalt von traditionellem Handwerk zum Ziel haben. „Wenn die Leute das Wissen nicht weitergeben, geht das irgendwann verloren.“

Die Studentin stellt Qualität vor Quantität: „Man muss nicht viel Kleidung haben, Hauptsache man weiß woher sie kommt und wie sie produziert wurde.“

Dass Tiere für Mode leiden müssen, lehnt Weigelt ab. „Ich finde es grauenhaft Tiere zu töten, nur weil wir eine Handtasche haben wollen.“ Unter ihre Nähmaschine kommen zwar auch Leder und Felle, jedoch nicht vom Tier. „Die Materialien sind wunderschön. Mittlerweile wird es aber auch gut imitiert.“

Von Kalifornien aus ganz nach oben

Seit Beginn ihres Studiums ging alles ziemlich schnell für Weigelt. „Ich kann es immer noch nicht glauben. Du bist immer noch Ergsterin, jetzt bist du aber schon in Paris und bekommst Anfragen von Modemagazinen.“ Zeit zur Verarbeitung bleibt jedoch wenig.

Die Vorbereitungen der Kollektion für die Fashion Week im September in Mailand sind schon in vollem Gange. „Seit ich aufgehört habe, für die Show in Paris zu nähen, hab ich schon angefangen, für die andere Show zu planen.“

Nach einem Auslandsjahr in Kalifornien weiß sie, dass es irgendwann für sie wieder dahin zurück gehen soll, um von dort aus die europäischen Laufstege zu erobern. Ob Paris, Mailand oder Côte d'Azur – Leonie Weigelt will zielstrebig ihr Ding durchziehen, wie sie selbst sagt und hat ein klares Ziel vor Augen: „Ich will ganz nach oben.“

Weitere Informationen über die Arbeit von Leonie Weigelt sind im Internet zu finden unter: leonieweigelt.com
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