Flieger stürzte aus rund 70 Metern ab: Fall wird wohl erst 2021 abgeschlossen

hzSegelflugplatz Rheinermark

Nach dem tödlichen Flugunfall auf dem Segelflugplatz Rheinermark liegen der Polizei erste Ermittlungserkenntnisse vor. Es ist dort schon das zweite Unglück mit einem Ultraleichtflugzeug.

Hennen

, 06.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Begleiter aus dem Ultraleichtflugzeug ist außer Lebensgefahr. Eine positive Nachricht konnte der Pressesprecher der Polizei Iserlohn, Marcel Dilling, am Tag nach dem schweren Flugunfall auf dem Segelflugplatz Rheinermark vermelden.

Der 25-jährige Iserlohner war am Mittwoch mit einem Rettungshubschrauber ins Klinikum Dortmund-Nord transportiert worden. Der Pilot, ein 56-jähriger aus Hemer, starb indessen in der Maschine.

Sein Leichnam sei von der Feuerwehr geborgen und polizeilich beschlagnahmt worden.

Das Ultraleichtflugzeug war auf einem Rundflug

Bis in die Abendstunden hatten Experten von Kriminalpolizei und der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) die Unglücksstelle und das Flugzeugwrack gründlich untersucht. „Nach bisherigen Erkenntnissen startete der Flieger kurz vor dem Absturz auf dem Flugplatz zu einem Rundflug und sollte auch dort wieder landen“, erklärt der Polizeisprecher.

Zeugen hätten angegeben, dass sich die Maschine kurz nach dem Start in etwa 60 bis 70 Metern Höhe über der Start- und Landebahn befunden habe, als sie plötzlich abstürzte.

Seit 1959 betreibt der Luftsportverein Ruhr-Lenne Iserlohn seinen Segelflugplatz auf der Rheinermark. Ultraleichtflugzeuge sind sein zweites Standbein.

Seit 1959 betreibt der Luftsportverein Ruhr-Lenne Iserlohn seinen Segelflugplatz auf der Rheinermark. Ultraleichtflugzeuge sind sein zweites Standbein. © Reinhard Schmitz

Ersthelfer hätten sich vor Ort um den 25-jährigen Flugbegleiter gekümmert, teilt der Vorsitzende des Luftsportvereins Ruhr-Lenne Iserlohn, Dr. Thomas Mohn, mit. Anschließend sei der Mann durch den herbeigerufenen Notarzt und Rettungskräfte versorgt worden: „Mit Rücksicht auf die vom Unfall Betroffenen und die laufenden Ermittlungen macht der Verein derzeit keine Angaben zum Piloten, Begleiter oder Unfallablauf.“

Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen ermittelt Ursache

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen nach dem aktuellen Ermittlungsstand von einem Unglücksfall aus. Die Ermittlung der Absturzursache ist Sache der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig - und dauert.

In einem Jahr könne er mehr dazu sagen, erklärt Behördensprecher Germout Freitag. Denn es zählten keine Vermutungen, sondern ausschließlich belastbare Beweise. Und die zu sammeln, ist aufwendig.

Bis zum Abschlussbericht dauert es ungefähr ein Jahr

Den Ablauf schildert Germout Freitag folgendermaßen: In einer ersten Phase gehe es um die Dokumentation der Unfallstelle. „Wie liegt das Wrack auf dem Boden?“, sei zum Beispiel eine Erkenntnis, die Rückschlüsse auf das zulassen könne, was zuvor in der Luft passiert ist. Die vor Ort gesammelten Informationen gehen dann zur Auswertung und zur anschließenden Analyse an die BFU.

Der Abschlussbericht liege dann etwa in einem Jahr vor - wenn nicht ein großes Flugzeugunglück in Deutschland dazwischen käme, das alle Kräfte beanspruchen würde. Denn die Behörde zählt gerade 38 Mitarbeiter, davon sind auch sogenannte 18 Untersucher.

Schon 2015 gab es ein Unglück mit einem Ultraleichtflugzeug

Auf der Rheinermark war der Absturz am Mittwoch bereits der zweite schwere Vorfall mit einem Ultraleichtflugzeug. Im März 2015 war ein derartiges Gerät von der Landebahn abgekommen und kopfüber auf ein angrenzendes Feld gestürzt.

An Bord war ein 55-jähriger Flugschüler gewesen, der schwer verletzt in eine Dortmunder Unfallklinik gebracht wurde. Er war ein Quereinsteiger, der ohne vorherige Segelflug-Erfahrung das Fliegen mit dem Ultraleichtflugzeug erlernen wollte.

Sein Fluglehrer blieb während des Alleinflugs am Boden.

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Weil die Mitgliederzahlen sanken, hatte der Verein einige Zeit zuvor beschlossen, den Ultraleichtflug als zweites Standbein auf seinem Segelflugplatz auf der Rheinermark aufzubauen, den er seit 1959 betreibt. Wer mit einem derartigen Fluggerät abheben will, brauche eine gültige Berechtigung, erklärt Vorsitzender Dr. Thomas Mohn allgemein.

Und er müsse jemanden finden, der das Flugzeug zur Verfügung stellt, beispielsweise eine Flugschule oder ein Verein. „Wir verchartern nicht an Fremde“, schränkt der Vorsitzende sofort ein.

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