Abiball oder Luxusparty? Wie pompös werden die Abschlussfeiern in Schwerte?

hzAbitur am FBG

Den Erfolg nach dem bestandene Abitur wollen alle Schüler ordentlich. Doch die Abibälle werden immer extravaganter. Ein Schwerter Abschlussjahrgang will sich dem Trend entgegensetzen.

Schwerte

, 01.06.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein roter Teppich, extravagante Glitzer-Kleider und eine Party, an die sich die Schüler ihr ganzes Leben erinnern sollen: Abschlussfeiern sind längst keine Kleinveranstaltungen mehr.

Noch sechs Wochen - dann steigt für den Abschlussjahrgang des Friedrich-Bährens-Gymnasiums (FBG) ihr großer Abiball in der Rohrmeisterei.

Die 18-jährigen Schülerinnen Michelle und Ella planen den Abend seit Wochen - sie bilden das Organisationsteam für den Abiball der gesamten Stufe. Sie kalkulieren zwischen 18.000 und 20.000 Euro für knapp 550 Leute - und sind damit noch günstig dabei.

Rohrmeisterei verlangt keine pauschale Raummiete

Das liegt auch an der Location selbst. Denn die Rohrmeisterei verlangt keine pauschale Raummiete, erklärt Geschäftsführer Tobias Bäcker: „Bei uns zahlen die Schüler nur den Preis pro Person fürs Buffet. Das kann je nach Qualität und Vielfalt zwischen 20 und 30 Euro pro Person kosten. In dem Preis sind auch Servicepersonal, Technik und die Reinigung enthalten. Was dann für den Einzelnen am Abend dazu kommt, sind die Getränke.“

Doch das allein macht für das FBG schon eine Summe von knapp 14.000 Euro. Was die Schüler abseits davon noch zahlen müssen: die Kosten für Musik, Fotografen und Dekoration.

Die Schüler des FBG wollen das so bodenständig halten wie möglich: „Wir haben unsere Lehrer- und die Schülerband. Das ist sozusagen Tradition am FBG. Während des Essens lassen wir dann Musik vom Band laufen. Erst zur Aftershow-Party kommt dann ein DJ“, erklärt Ella Kucza.

Um die Dekoration kümmern sich die Schüler selbst und den Abifilm schneiden Mitschüler zusammen. „Wir wollen natürlich alles so günstig wie möglich halten. Eine Karte kostet 25 Euro.“ Das Geld stammt von einem Sparkonto, in das jeder Schüler des Jahrgangs seit der zehnten Klasse einen monatlichen Betrag eingezahlt hat. Hinzu kam Geld aus Waffelverkäufen oder von Stufenpartys.

Trend geht in Schwerte nicht zur Extravaganz

Auch im Freischütz werden regelmäßig Abibälle gefeiert - wie in der Rohrmeisterei sind es zwischen fünf und zehn Stück pro Jahr. Geschäftsführer Jörg Prüser merkt aber meist keinen Hang zu übertriebener Extravaganz. Es sei zwar mehr geworden, aber alles noch in Maßen. Trotzdem: „Das Kind braucht ein Kleid, die Mutter eventuell auch und der Vater einen Anzug. Bei einer vierköpfigen Familie kann so ein Abend sehr teuer werden.“

Denn zum Kleid kommen meist auch noch Haarschmuck oder Frisur für die Abiturientinnen. Viele Schülerinnen kaufen sich auch zwei Kleider für den Abend, erklärt Michelle vom FBG. Auch wenn sie selbst zwei Kleider unnötig findet, so soll an dem Abend trotzdem alles perfekt laufen. „Ich freue mich auf diesen Tag seit Beginn des Schuljahrs!“

Unterm Strich ist klar: Die Feier kann eine mehrköpfige Familie mehrere hundert Euro kosten - kann sich das überhaupt jeder leisten? Ella Kucza vom FBG erklärt: „Bei uns ist es gemischt. Aber unser Förderverein hilft Familien, die die regulären Zahlungen in die Abiball-Kasse nicht leisten konnten. Dann können alle Schüler an der Feier teilnehmen. Das war uns wichtig.“

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