AfD rückt ab vom Spitzenkandidaten – und wünscht andere Nummer eins

hzKommunalwahl 2020

Die AfD rückt ab vom umstrittenen Spitzenkandidaten aus Schwerte. Kreisvertreter der Partei wollen lieber jemand anderes als Nummer eins sehen. Jemanden mit SPD-Vergangenheit.

Schwerte

, 04.08.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fünf Namen stehen auf der Liste. Die Kandidaten wurden von AfD-Mitgliedern aus Schwerte gewählt. Die Partei reichte alle Unterlagen vollständig bei der Stadt ein, sodass der Wahlausschuss am Donnerstag festlegte: Ja, diese fünf Kandidaten dürfen bei der Kommunalwahl 2020 für die AfD antreten. Und werden in genau dieser Reihenfolge berücksichtigt.

Ganz oben auf der Liste steht Stefan Fiene (31). Bekommt eine Partei mehr als 2,6 Prozent der Stimmen, also umgerechnet 1/38, steht ihr nach der Wahl einer von 38 Plätzen im Stadtrat zu. Je mehr Stimmen, desto mehr Plätze.

Erster, der für die AfD reinrücken würde: Fiene. Das steht fest. Das könnten auch höhere Parteigremien nicht mehr ändern.

Kreis-AfD wünscht: Nummer zwei der Liste soll Chef werden

Bitten hingegen können und werden sie. Das erläuterte Sebastian Rühling am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion. Rühling ist Nummer zwei auf der Liste und traf sich offenbar am Montagabend mit Holger Sitter, dem stellvertretenden Sprecher der AfD im Kreis Unna. Ebenfalls dabei gewesen: zwei weitere der fünf Schwerter Kandidaten.

Rühling unterstreicht: „Mit Unterstützung des Kreises wurde beschlossen: Sollte es zu einer Fraktionsbildung kommen, geht der Vorsitz an mich, nicht an Herrn Fiene.“

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„Es wäre vermessen, ihm irgendetwas vorzuschreiben“

Und falls es keine Fraktion gibt, falls die AfD also nur genügend Stimmen für einen Platz im Schwerter Rat bekommen sollte? „Es wäre vermessen, ihm irgendetwas vorzuschreiben. Wir würden uns aber zumindest freuen, wenn er nicht anstrebt, den Vorsitz zu erreichen und auch sonst keine bedeutende Rolle in der Fraktion einzunehmen.“

Heißt, nicht ganz so zurückhaltend formuliert: Wenn Fiene den anderen den Vorzug lassen würde, wäre man nicht traurig.

Richtungsstreit brodelt in der gesamten Partei

Zu geringes Engagement im Vorfeld der Wahl – das ist ein wesentliches Argument. Allerdings brodelt dahinter auch der Richtungsstreit, wie in der gesamten Partei. Der AfD-Bezirk hat festgelegt, die hiesigen Kandidaten müssten sich von Extremen abgrenzen.

Fiene indes posiert bei Facebook in Tarnkleidung und mit Gebirgsjäger-Mütze im Wald, bewegt sich auf Spuren der Wehrmacht, versieht eine Reise nach Skandinavien mit dem Begriff „Unternehmen Weserübung“, also dem Decknamen der Nazis auf den Angriff auf Dänemark und Norwegen.

In einer Zeit, in der die AfD-Vorstände in Bezirk und Kreis gerade sehr auf Abgrenzung setzen, um den Wählern zu signalisieren, man sei konservativ, aber eben nicht extrem.

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Erst SPD-Mitglied, dann Streit um Flüchtlingsunterkunft

Rühling hingegen hat SPD-Vergangenheit. Bei der Unterbringung von Flüchtlingen in der Turnhalle der Reichshofschule sei es vor einigen Jahren allerdings zum Bruch gekommen, erinnert er sich. Da sei „mit zweierlei Maß gemessen worden“, findet er immer noch.

Dass die Eltern der Kinder nicht auf den Schulhof gedurft hätten, die Fremden hingegen schon? Dagegen habe er sich öffentlich geäußert, was ihm starken Gegenwind der Genossen eingebracht habe. Damals sei er auch zum ersten Mal als „Nazi“ beschimpft worden.

Und der Schritt in die AfD? Sich erstmals zu ihr bekannt habe er erst im Mai 2020, sagt Rühling. Zumal man sich als Parteimitglied „Gedanken um Job und soziales Umfeld machen“ müsse.

Dennoch habe er dort eine Heimat gefunden: „Man hat sich entwickelt zu einer zwar rechten, aber doch bürgerlich-konservativen Partei.“

Jeder Mandatsträger sei nur seinem Gewissen verpflichtet. Einen Fraktionszwang gebe es nicht. So halte es die AfD und davon gehe er auch aus, unterstreicht Rühling.

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