Eine Unterschriftenaktion gegen den Service-Abbau der Sparkasse in Westhofen zeigt Erfolg. Allerdings nur vorübergehend. In der Zukunft gibt es in ganz Schwerte keine Service-Terminals mehr.

Schwerte

, 12.04.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vergangene Woche hat die Sparkasse mitgeteilt, dass sie in Westhofen nur noch einen Geldautomaten aufstellen will. Kontoauszugsdrucker und Service-Terminal wurden eingespart. Kundin Gabi Weck initiierte eine Unterschriften-Aktion dagegen - mit einer enormen Resonanz. Rund tausend Menschen unterzeichneten sie bereits. Das machte bei der Sparkasse Eindruck. „Wir haben uns entschieden, entgegen unseres ursprünglichen Plans in der SB-Filiale Westhofen doch ein Überweisungsterminal anzubieten“ so Ulrich Bartscher, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Schwerte.

Die Sparkasse improvisiert

Da der Standardgerätetyp nicht mehr hergestellt wird, improvisiert die Sparkasse. Das Service-Terminal der Filiale am Markt zieht nach Westhofen um. „Die Filiale am Markt ist unbeliebt und die Entfernung zur Hauptstelle beträgt nur 600 Meter“, so Sparkassen-Sprecherin Lara Elbers. Der Umzug könne in drei bis vier Wochen stattfinden, da Handwerker noch erforderliche Leitungen legen müssen, so Ulrich Bartscher. Der neue Geldautomat wird aufgerüstet, sodass er aus Kontoauszüge ausdrucken kann.

Dann wäre die Westhofener Sparkassen-Filiale wieder mit demselben Service-Paket ausgestattet wie vor der Automatensprengung im Dezember. Gleiches gilt für Ergste, wo ein Terminal aus dem Bestand aufgestellt wird. Allerdings können sich die Sparkassenkunden nicht allzulange über ihren erkämpften Erfolg freuen.

Geräte werden am 30.9.2021 abgeschaltet

Denn schon in zwei Jahren und fünf Monaten wird die Sparkasse alle Service-Terminals in allen Schwerter Filialen abschalten müssen. „Die auf den Geräten installierte Software ist veraltet. Ein Update auf eine aktuellere Version hilft auch nur bis zum 30.9.2021 weiter“, erklärt Bartscher. Das betrifft Sparkassen in ganz Deutschland. „Der bundesweite Informatik-Dienstleister der Sparkassen bietet nach diesem Termin keine Unterstützung mehr für die vorhandenen Geräte an.“

Viele Sparkassen und Banken würden die in die Jahre gekommenen Geräte schon jetzt nicht mehr ersetzen, da die technischen Möglichkeiten zur Steuerung der eigenen Finanzen via Smartphone mit Sparkassen-App oder über Internetfiliale wesentlich zeitsparender und komfortabler seien.

Kunden sollen für Internet-Banking fit gemacht werden

Der Gegenwind aus Westhofen habe den Verantwortlichen der Sparkasse aber deutlich gezeigt, dass sie ihre Kunden auf diesem Weg besser begleiten müsse. Daher werde die Sparkasse im zweiten Halbjahr des Jahres Mitarbeiter in die Vororte schicken, um dort die Kunden zu unterstützen.

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„Unser Ziel ist es, die breite Kundschaft zu befähigen, sich mit den modernen Formen des Bankings anzufreunden“, so Lara Elbers. Bis zur endgültigen Abschaffung der Geräte hat es dann noch über zwei Jahre Zeit. „So können sich alle langsam an die Umstellung gewöhnen“, so Ulrich Bartscher. Kunden, die auch dann kein Online-Banking machen möchten, können sich Auszüge zusenden zu lassen und Überweisungen in Papierform in Schwerte abgeben. „Dieser Weg wird immer gesichert sein. Welche anderen technischen Möglichkeiten es bis dahin gibt, kann man nicht voraussagen“, so Sparkassen-Sprecherin Lara Elbers.

Gabi Weck will weiterkämpfen

Ob das die Westhofener allerdings zufriedenstellen wird, ist fraglich. Sparkassenkundin Ilse Webel weiß, dass es für viele Senioren schon schwierig genug gewesen sei, sich auf das Service-Terminal einzustellen. „Vielen Älteren habe ich es schon vier oder fünf Mal gezeigt, die werden das nicht schaffen mit Internet-Banking.“ Mit dem Bus in die Stadt zur Hauptstelle? „Das ist keine Alternative. Mit dem Bus kostet es Geld, mit dem Auto ist man ewig auf Parkplatzsuche und muss dann noch laufen.“

Gabi Weck ist entschlossen, weiter zu kämpfen. „Jetzt erst Recht, jetzt geht es nicht mehr nur um Westhofen, jetzt geht es um alle Schwerter und darüber hinaus.“ Dass die Sparkasse nach ihrer Unterschriftenaktion in Westhofen eingelenkt hat, beflügelt sie.

Die aktuellen Überweisungsterminals der Sparkasse werden Ende September 2021 abgeschaltet

Gabi Weck (2.v.r.) sammelt weiter Unterschriften. Auch Willi Hedtfeld (v.L.), Manfred Althaus, Peter Wieger und Ilse Webel haben unterzeichnet. © Theobald-Block

„Es ist toll, dass sich bei der Sparkasse in Schwerte was bewegt. Aber zwei Jahre vergehen wie im Flug. Und dann wird es immer noch Menschen geben, die Online-Banking nicht können oder es eben auch einfach nicht wollen.“

Vermieter muss gefährliche Stufe reparieren

Die Westhofener ärgern sich übrigens seit ein paar Tagen nicht nur über das fehlende Service-Terminal, sondern auch über eine schwer beschädigte Stufe am Eingang zur Service-Halle an der Reichshofstraße. Die Fliesen platzen ab, eine Metallschiene ist lose. „Das ist sehr gefährlich“, findet Sparkassen-Kunde Manfred Althaus. „Das zeigt ja nachdrücklich, wie wichtig wir den Banken sind.“

Die aktuellen Überweisungsterminals der Sparkasse werden Ende September 2021 abgeschaltet

Die Stufen vor der Sparkassen-Filiale sind stark beschädigt, die Metallschiene und Fliesen sind lose. © Theobald-Block

Doch Sparkassensprecherin Lara Elbers betont: „Sparkasse und Volksbank sind nur Mieter des Gebäudes. Wir haben den Eigentümer bereits am Donnerstag informiert und hoffen, dass der Schaden schnell behoben wird. Wir möchten ja nicht, dass jemand stürzt, wenn er unsere Dienstleistung in Anspruch nimmt.“

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