Amerikanische Krebse in der Ruhr lassen heimische Arten sterben

hzTiere in der Ruhr

Sie machen heimisch Flusskrebse krank und bedrohen den Fortbestand vieler Fischarten: Drei Krebsarten aus Amerika erobern die Ruhr. Schuld daran sind Tierhalter.

Schwerte

, 12.10.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drei Krebsarten aus Amerika gefährden die heimischen Edelkrebse und Steinkrebse. Wie Thorsten Schlautmann, Sprecher des Ruhrverbandes in Essen, auf Anfrage dieser Redaktion mitteilte, kommen der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (Louisiana-Krebs) sowie der Kamber-Krebs und der Signalkrebs auch im Kemnader See vor.

Die drei Flusskrebsarten stellen eine Gefährdung der heimischen Edelkrebse dar, da sie die sogenannte Krebspest - eine Pilzerkrankung - übertragen, ohne selbst geschädigt zu werden. „Für den heimischen Edelkrebs ist diese Krankheit jedoch tödlich“, so Schlautmann.

Krebse fressen Fisch-Laich

Die invasive Ausbreitung der amerikanischen Flusskrebsarten sei demnach mit dafür verantwortlich, dass die heimischen Edelkrebse und Streinkrebse vom Aussterben bedroht sind.

Und die Invasion ist aus einem zweiten Grund eine Gefahr: „Neben der Übertragung der Krebspest sind die amerikanischen Flusskrebsarten zudem Laichräuber und dezimieren damit den Nachwuchs von Fischen“, berichtet Schlautmann.

Bekämpfen kann man die Invasion nicht

Die Verbreitung der neuen Arten war aufgefallen, weil der Louisiana-Krebs auch mal an Land krabbelt und dort von Fußgängern gesehen wurde. Am stärksten hat sich laut Ruhrverband allerdings der Kamber-Krebs ausgebreitet. Bekämpfen kann man die Invasion nicht.

Der Edelkrebs verbringt nicht den ganzen Tag im Wasser, sondern ist auch oft am Ufer zu sehen.

Der Edelkrebs verbringt nicht den ganzen Tag im Wasser, sondern ist auch oft am Ufer zu sehen. © Ruhrverband

„Alle drei Krebsarten sind mittlerweile so fest im Ruhreinzugsgebiet etabliert, dass ihr Bestand nur noch dezimiert, aber ihr Vorkommen nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, ohne auch heimische Arten nachhaltig zu schädigen“, sagt Schlautmann.

Noch wäre das Fangen der Krebse Wilderei

Der Fang mittels Reusen für den Verzehr wäre eine der Möglichkeiten zur Bestandsdezimierung. Die zuständige Ruhrfischereigenossenschaft denkt aktuell darüber nach, ob und unter welchen Bedingungen sie die Erlaubnis zum Aufbau von Reusen erteilen kann.

Laut Schlautmann gibt es bereits Anfragen kommerzieller Fischer. Bislang gibt es keine Fischereierlaubnisscheine zur Abfischung von Krebsen mit Reusen, sodass ein solches Vorgehen momentan noch den Tatbestand der Wilderei erfüllen würde.

Krebse stammen wahrscheinlich aus Aquarien

Was die Herkunft der invasiven Krebsarten betrifft, so geht der Ruhrverband davon aus, dass die Tiere von Aquarianern ausgesetzt wurden oder aus Gartenteichen, für die sie von den Gartenbesitzern gekauft wurden, abgewandert sind.

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Aufgrund ihres invasiven Charakters und der negativen Auswirkung auf Ökosysteme sind der Handel und die Zucht dieser Art seit einiger Zeit EU-weit verboten.

Aquarianer und Gartenteichbesitzer, die diese Art noch halten, dürfen die Tiere zwar behalten, aber nicht privat züchten.

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