Der einzige Mann an Deck des Piratenschiff von „Carlos, der Pirat“ ist Schwiegersohn Christian Gast, der hin und wieder im Büro über dem Restaurant nach dem Rechten sieht. © Reinhard Schmitz
Restaurants und Corona

Auf Carlos´ Piratenschiff ist nur ein Gast: Wiedereröffnung in Sicht?

Seit dem Start im Juni 2019 war „Carlos, der Pirat“ schon länger geschlossen als geöffnet. Wirt Carlos Couto kämpft mit Lockdown-Langeweile. Aber er hat Hoffnung für sich und seine Gäste.

Die Totenkopfflagge flattert über „Carlos, der Pirat“ munter im Frühlingshimmel über Schwerte-Ost. Doch Deck und Bauch des hölzernen Piratenschiffs im Innern des Event-Restaurants sind menschenleer. Nur ein einziger Gast ist an Bord, wenn ein Wortspiel erlaubt ist. Er wird auch von niemandem bedient. Denn es ist Christian Gast, der Schwiegersohn von Kult-Gastronom Carlos Couto, der hin und wieder im Büro nach dem Rechten sieht.

Es ist noch kein Mitarbeiter abgesprungen

In der vom Corona-Lockdown erzwungenen Untätigkeit ist Christian Gast schon froh über die Abwechslung, wenn er ein paar Rechnungen einscannen kann. So weit ist es gekommen in dem weit und breit einmaligen Vorzeige-Restaurant, in dem normalerweise der Andrang so groß war, dass sich die Gäste an den 250 Innen- und 80 Außenplätzen Abend für Abend in zwei Schichten abwechselten. „Am Wochenende ging es bis in die Puppen, bis der letzte Gast das Lokal verlässt“, erzählt Christian Gast.

Der Corona-Lockdown erzwingt absolute Leere im Bauch des Piratenschiffs, wo sich sonst normalerweise jeden Abend die Gäste in zwei Schichten hintereinander abwechseln.
Der Corona-Lockdown erzwingt absolute Leere im Bauch des Piratenschiffs, wo sich sonst normalerweise jeden Abend die Gäste in zwei Schichten hintereinander abwechseln. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Die Mitarbeiter machten quasi Kilometergeld, um alle Feiernden mit portugiesischen Spezialitäten und nach dem Küchenschluss um 23 Uhr noch weiter mit Getränken zu versorgen. Jetzt bleibt ihnen nur gelegentliches Staubputzen und Aufräumen, zu dem sie sich sogar aus freien Stücken anbieten, um der Langeweile zu Hause für ein paar Stunden zu entfliehen. Auch die Lebensmittel-Vorräte wollen nach der langen Schließungsphase aussortiert werden. Die Heizung läuft derweil gedrosselt weiter, damit das Objekt nicht zu stark auskühlt.

Carlos Couto fährt seine drei Restaurants regelmäßig ab

„Die Mitarbeiter sind froh, wenn sie überhaupt mal wieder was machen können“, weiß auch der Inhaber, Kult-Gastronom Carlos Couto. Das Wichtigste: „Keiner springt ab im Moment“, berichtet der Inhaber, der über Videokonferenzen den Kontakt zu seiner Mannschaft hält. „Ich bin ein bisschen verantwortlich dafür“, sagt er. Schließlich würden ganze Familien an dem Verdienst hängen. Gott sei dank seien die staatlichen Hilfen für November und Dezember – wenn auch etwas verspätet – geflossen.

Die Tellerstapel von Carlos stehen ungenutzt auf dem Tresen vor der Küche herum.
Die Tellerstapel von Carlos stehen ungenutzt auf dem Tresen vor der Küche herum. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Regelmäßig fährt Carlos Couto seine Restaurants in Schwerte sowie in Dortmund-Berghofen und Lünen ab, um zu kontrollieren und zum Durchspülen der Leitungen das Wasser laufen zu lassen. Es muss traurig sein, dann so ganz allein zwischen den verwaisten Tischgruppen seines Lebenswerks zu stehen. Sein Flaggschiff, „Carlos, der Pirat“ in Schwerte-Ost, ist seit der Eröffnung schon länger geschlossen, als es Gäste gesehen hat: „Im Juni sind wir zwei Jahre im Kreinberg, davon hatten wir nur neun Monate auf.“ Einige Monate davon, in der Phase zwischen dem ersten und dem zweiten Lockdown, dazu noch reduziert, nur an den Wochenenden von Freitag bis Sonntag. „Damit sind wir auch recht gut gefahren“, berichtet Schwiegersohn Christian Gast.

Doch seit November läuft erzwungenermaßen schon wieder gar nichts mehr. „Wenn es unsere Schuld wäre, dann müssten wir Kopfschmerzen haben“, sagt Carlos Couto. Aber es treffe auch viele andere Menschen wie beispielsweise Schausteller oder Messebauer, mit denen er mit leide: „Die Situation ist so, wie sie ist.“ Trotzdem gehe es irgendwann an die Nerven, nicht arbeiten zu können: „Bei Netflix duzen die mich schon, weil ich es so oft gucke.“

Hoffnung auf eine Wiedereröffnung zu Ostern

Der Erfolgs-Gastronom verliert aber nicht den Mut. „Ich habe die Hoffnung, zu Ostern aufmachen zu dürfen“, verrät er. Doch angesichts der Virus-Mutation, die im portugiesischen Porto für stark ansteigend Corona-Fallzahlen gesorgt habe, beginne er im Moment schon an diesem Termin zu zweifeln. Seine Angst sei, dass die Restaurants zu Ostern wieder öffnen dürften und dann plötzlich im Mai/Juni ein weiterer Lockdown verkündet werde: „Es gibt keine Perspektive mehr.“

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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