Schließung Hoesch ist beschlossen: 330 Schwerter verlieren ihren Job

hzInsolvenzen in Schwerte

Nach dem Aus für Hoesch Schwerter Profile werden alle Mitarbeiter gekündigt. Manche bleiben dennoch eine Weile. Der Betriebsrat hat noch etwas Hoffnung. Dafür sorgt man sich im Nachbarwerk.

Schwerte

, 30.06.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Selten müssen den gestandenen Gewerkschaftern die Treppenstufen zum „Ahnensaal“ von Hoesch Schwerter Profile (HSP) so schwer gefallen sein wie am Montagmittag. Betriebsrats-Vorsitzender Gerhard Niebaum und sein Stellvertreter Ralf Behler kamen, flankiert vom Hagener IG-Metall-Geschäftsführer Jens Mütze, um sich bei der Geschäftsführung über die Schritte zum Ende des insolventen Traditionsunternehmens zu informieren. Die Hiobsbotschaft für die noch rund 330 Mitarbeiter: Spätestens zum 31. Mai 2021 - so Behler - ist Schluss, wenn die sogenannte Ausproduktion endet, während der

noch bestehende Bestellungen abgearbeitet werden.

In den nächsten Wochen erhalten alle Mitarbeiter die Kündigung

„Spätestens zu diesem Termin bekommen alle in den nächsten Wochen ihre Kündigung“, kündigte Behler an. Ein Teil der Belegschaft, der für die Ausproduktion nicht mehr benötigt wird, erhält sie schon schneller. Die Rede ist von 110 bis 130 Hoeschianern, die nicht länger an Bord bleiben sollen und früher freigestellt werden. „Einige sind heute schon nach Hause gegangen“, wusste der stellvertretende Betriebsratschef. Es handele sich ja quasi um eine Betriebsschließung: „Die Ausproduktion hat der Gläubigerausschuss so beschlossen.“ Das sei quasi eine Betriebsschließung.

Die Personalabteilung von Hoesch Schwerter Profile wird in den nächsten Wochen die Kündigung für alle noch rund 330 Mitarbeiter verschicken.

Die Personalabteilung von Hoesch Schwerter Profile wird in den nächsten Wochen die Kündigung für alle noch rund 330 Mitarbeiter verschicken. © Reinhard Schmitz

„Man will das gar nicht glauben“, erklärte Betriebsrats-Vorsitzender Gerhard Niebaum. Ein „ganz kleiner Funken Hoffnung“ glimmt aber noch bei ihm, doch noch einen Investor zu finden. Bis zum Wochenende war vergeblich auf so einen Retter gewartet worden. Der Insolvenzverwalter habe gesagt, dass die Zeit davonrenne. Aber offensichtlich ist die Tür für eine letzte Frist nicht ganz zugeschlagen: „Man redet jetzt von 14 Tagen.“

Gewerkschaft: „Belegschaft steht vor einem Scherbenhaufen“

Die Hoffnung „dass noch ein potenzieller Investor kommt und das Unternehmen ertüchtigt“, wollte auch IG-Metall-Geschäftsführer Jens Mütze noch nicht begraben. Er wies erneut darauf hin, wie stark die Hoeschianer hinter ihrem Unternehmen ständen, was sich unter anderem beim Verzicht auf tarifliche Leistungen gezeigt habe. Jetzt stehe die Belegschaft vor einem Scherbenhaufen und sei enttäuscht.

Rumpfmannschaft muss bis zum Ende noch Aufträge abarbeiten

Trotzdem muss die Rumpfmannschaft, die zunächst noch bleibt, im Walzwerk weitermachen, als wenn nichts passiert wäre. Bis zum vierwöchigen Stillstand der Walzstraße, der am 18. Juli beginnt, werde voll gearbeitet, berichtete Ralf Behler. Gar keine Pause würde in der Zurichtung und bei den Handwerkern eingelegt. Auch der andere Betriebsteil, das Ziehwerk, arbeitet mit verminderter Belegschaft durch. Dabei wird jeweils die Hälfte der Beschäftigten in Urlaub geschickt.

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Der dritte Komplex auf dem Gelände, das Presswerk, ist vor einigen Jahren als Hoesch Schwerter Extruded Profiles (HSEP) in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert worden und von der Insolvenz nicht betroffen. Trotzdem blickt auch dort dessen Betriebsratsvorsitzender Udo Przelozny sorgenvoll auf die Entwicklung beim Nachbarn, dessen Ziehwerk laut Betriebsrats-Vorsitzendem Gerhard Niebaum „mit unser größter Kunde ist“. Darüberhinaus gibt es vielfältige Verflechtungen vom Zaun und die Straße bis zu den Anschlüssen für Strom und Wasser. Auch die Büros beider Unternehmen sind immer noch im selben Verwaltungsgebäude untergebracht.

„Viele Fragen“ auch beim benachbarten Presswerk

„Bei HSEP gibt es viele Fragezeichen“, sagte IG-Metall-Chef Jens Mütze. Um zu klären, wie es dort weitergeht, müsse man sich kurzfristig mit dem Eigentümer unterhalten. Der melde sich von sich aus gar nicht, klagte Mütze. Die 108 Mitarbeiter von HSEP sind derzeit abwechselnd in Betriebsferien. Die Presse wird vier Wochen stillstehen. Zurichtung und Wartungsarbeiten laufen weiter.

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