Aus Witz wurde Briefmarke

Schwerter Privatpost

SCHWERTE Als Aufschneider wollte Wilhelm Neuber nicht abgestempelt werden. Er machte seine Biertisch-Wette wahr und gründete am 1. November 1887 die Schwerter Privatpost. Dokumente aus seinem Nachlass sind nun im Ruhrtalmuseum zu sehen.

von Von Reinhard Schmitz

, 08.07.2009, 18:02 Uhr / Lesedauer: 1 min
Aus Witz wurde Briefmarke

Neuber selbst klebte den kompletten Satz seiner 30 verschiedenen Briefmarken auf den Bogen, um noch 1925 einem Sammler ein Angebot zu unterbreiten.

In der überschaubaren 6000-Einwohner-Stadt keine allzu schweißtreibende Angelegenheit. Denn weiter durfte die Privatpost ihre Zustelldienste nicht spannen. Das überörtliche Geschäft beanspruchte die Reichspost per Monopol für sich allein. Drucksachen wechselten für einen Pfennig den Empfänger. Briefe kosteten nur zwei, Einschreiben drei Pfennig. Zur Erfolgsgeschichte wurde die Privatpost trotzdem nicht. Schon nach einem halben Jahr, Ende Mai 1888, schloss Neuber sein Stempelbüro in der Bahnhofstraße 21, der heutigen Backstube von Bäcker Becker. Ein Verkaufsschlager blieben indes die Briefmarken mit dem westfälischen Ross, die Neuber immer wieder in verschiedenen Farbtönen in der Druckerei der Schwerter Zeitung herstellen ließ. Noch 1925 flatterten Anfragen von Sammlern auf seinen Schreibtisch, denen er Auswahlbögen mit allen 30 Variationen zusandte. Manche mit gezacktem Rand, andere glatt mit der Schere ausgeschnitten.

Keine einzige fehlt in der Sammlung des Ruhrtalmuseums, dem die Nachfahren des Postmeisters vor fünf Jahren ihren wertvollen Nachlass übergaben. Erstmals zu sehen sind die Dokumente bis Ende September in der aktuellen Vitrine in der Glashalle. Die schillernde Gestalt der Stadtgeschichte, in deren Adern rheinisches Blut pulste, sorgte auch mit ihrem "Maßband der Liebe" für Aufsehen. Um den Bauch gelegt, verhieß jeder Zentimeter einen Horoskop-Spruch. Die Ankunft von liebem Besuch etwa oder einen unliebsamen Brief vom Gericht. 

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