Mit dem Auto vor die Bühne: Mit Abstand und Auflagen gab es auf dem Rohrmeisterei-Plateau trotz Corona sechs Wochen Theater, Musik und Comedy. Wie die Veranstalter den Versuch beurteilen.

Schwerte

, 06.07.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das war schon richtig professionell und routiniert: Die kontaktlose Kontrolle der Eintritts- oder besser Zufahrtskarten mit Nummernschild-Erkennung sowie die Prüfung der Fahrzeugbesetzungen gemäß den aktuellen Corona-Auflagen.

Und auch das gekonnte Einweisen der Fahrzeuge auf dem Plateau der Rohrmeisterei mit natürlich bestmöglicher Sicht auf die Bühne - Autotheater war auch am vergangenen Wochenende angesagt.

Allerdings zum letzten Mal, denn das Projekt „Autotheater Ruhr“ ist nach inzwischen sechs Wochen beendet.

Vielfältiges Programm

Rund 50 Veranstaltungen mit vielen Künstlern aus den verschiedensten Richtungen der Bühnenkunst hatte das Schwerter Theater am Fluss (TaF) als Veranstalter organisiert und gemeinsam mit dem Schwerter Veranstaltungsdienstleister-Team um Andreas Burghardt und der Rohrmeisterei durchgeführt.

„Eine neue und tolle Erfahrung für uns“, sagte Sabrina Fehring vom TaF-Vorstand rückblickend zur gesamten Projektdurchführung: „Unser Ziel war es, trotz der schwierigen Corona-Zeit den Zuschauern ein abwechslungsreiches Live-Programm anzubieten und vielen Künstlern Auftritte zu ermöglichen.“

Bissige Dialoge

So stand am Samstagabend das Theaterstück „Das Interview“ auf dem Programm, ein Dialog-intensives Drama mit absolutem Kammerspielcharakter.

Geschrieben hat der niederländische Schriftsteller Theodor Holmann hat das Stück nach seiner gleichnamigen Filmvorlage – und rund 20 Fahrzeuge einschließlich darin „versteckter“ Zuschauer waren bei der Aufführung des Theaters am Fluss dabei.

„Wegen der Corona-bedingten Abstandsregeln haben wir ein mit lediglich zwei Darstellern besetztes Stück ausgesucht“, erklärte Sabrina Fehring, die nicht nur überzeugend und wortgewandt die Rolle des jungen Filmsternchens Katja spielte, sondern gemeinsam mit Helena Eicher auch die Regie führte.

Mit dem Zwei-Personen-Stück „Das Interview" ging das Autotheater Ruhr am Wochenende in seine letzte Runde.

Mit dem Zwei-Personen-Stück „Das Interview" ging das Autotheater Ruhr am Wochenende in seine letzte Runde. © Manuela Schwerte

In dem Stück ging es um ein Interview, das der erfahrene Politik-Journalist und Kriegsberichterstatter Pierre Peters, eindrucksvoll dargestellt von Matthias Oberschelp, mit der jungen und von sich sehr überzeugten Schauspielerin Katja für einen verhinderten Kollegen durchführen soll – für ihn eine vermeintlich unterfordernde Aufgabe.

Allerdings entwickelt sich rasch ein spannender Psychothriller mit geschliffenen Dialogen sowie einem fetzigen und tabulosen Verbal-Duell der beiden grundverschiedenen Typen aus gegensätzlichen Welten – Seelen-Folter und Freud’sche Psychoanalyse inklusive.

Fast nachdenklich still und ohne eine Miene zu verziehen, schienen die Zuschauer-Autos vor der Bühne zu stehen – Moral, Schuldgefühle, Todesgedanken und „Vertraue nie deinem Gegenüber“ wurden von dem Schauspieler-Duo psychisch aufgearbeitet.

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Wiederholung geplant

Wer den rasanten Wortwechsel verfolgen und das Ende des Schauspiels erfahren möchte: Das Theater am Fluss (TaF) plant, dass im September alle vom TaF-Ensemble aufgeführten Autotheater-Stücke unter Berücksichtigung eventueller Corona-Auflagen in der Theaterhalle an der Ruhrstraße wiederholt werden – ein Service für diejenigen, die nicht an den Open-Air-Veranstaltungen des Autotheaters teilnehmen konnten oder für Besucher, die nochmals mit echtem Theaterfeeling die Stücke erleben möchten.

Ehrenamtliche Mitarbeit

Zufrieden mit der gesamten Veranstaltungsreihe des Autotheaters zeigte sich Sabrina Fehring: „Es war eine tolle Erfahrung für uns und mit durchschnittlich 20 Fahrzeugen je Veranstaltung eine gelungene Sache – wir haben das gerne gemacht.“

Getrübt wurde die gesamte Aktion durch den Vandalismus, der zu Beginn, aber auch jetzt zum Ende des Projektes stattgefunden hat: Zerstörungen von Absperrzäunen, Kameras, elektrischen sowie elektronischen Einrichtungen und auch Diebstahlversuche.

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So musste etwa die akustische Übertragung von Wort und Musik in die Autos geändert werden: Statt W-Lan, App und Handy wurde in der zweiten Projektwoche auf Autoradioempfang in Stereoqualität per UKW-Frequenz 88,4 Megahertz umgestellt – sicherlich auch die technisch bessere Alternative.

Der „Fall Barschel“ wartet

Gut besucht waren vor allem die musikalischen Auftritte der ehemaligen „Luxuslärm“-Frontfrau Jini Meyer mit 60 Zuschauer-Fahrzeugen und Schlagerstar Olaf Henning (40 Autos). Und natürlich auch die Show der Schwerter Operettenbühne von Gunther Gerke – eben ein lokaler Dauerbrenner. Sehr gut angenommen vor allem von der jüngeren Generation wurden auch die angebotenen Autodisco-Abende.

Durchschnittlich 20 Besucher-Fahrzeuge zählten die Organisatoren beim Autotheater an der Rohrmeisterei und waren mit dem Zuspruch zufrieden.

Durchschnittlich 20 Besucher-Fahrzeuge zählten die Organisatoren beim Autotheater an der Rohrmeisterei und waren mit dem Zuspruch zufrieden. © Manuela Schwerte

„Die Veranstaltungsbesucher waren zumeist sehr zufrieden und begeistert von den Darbietungen und Vorstellungen – viele der Zuschauer haben sich sogar per E-Mail bei uns bedankt“, konnte Sabrina Fehring berichten: „Und die wegen Corona ausgefallenen Vorstellungen unseres eigentlichen Spielplans möchten wir unter Berücksichtigung der dann aktuellen Auflagen in unserer Theaterhalle nachholen.“

So soll im Oktober das Stück „Der Fall Barschel“ in das TaF-Programm aufgenommen werden – Spannung ist also weiterhin zu erwarten.

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