Biergarten geschlossen, und im Möbelhaus drängeln sich die Massen

hzCorona-Maßnahmen

Die Zustimmung zu den Coronaschutzmaßnahmen scheint nicht mehr so hoch, wie vor Wochen. Während manche Schwerter die Maßnahmen als sinnvoll erachten, sehen andere die Freiheit in Gefahr.

Schwerte

, 05.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sich auf ein Bierchen in der Lieblingskneipe verabreden, eine Pizza beim Italiener um die Ecke essen oder ein paar Bahnen im Elsebad schwimmen: All das ist wegen des Infektionsschutzes aktuell verboten. Manchem Bürger geht das mittlerweile zu weit.

Initiative sieht Grundrechte in Gefahr und erntet Kritik

Eine Debatte über die Gefährdung der Grundrechte hat in den vergangen Tagen die neu gegründete „Initiative Klartext“ ausgelöst. Nach der abgesagten Demo am 1. Mai möchte die Initiative mit einer T-Shirt-Aktion auf die Grundrechte aufmerksam machen, die ihrer Meinung nach aktuell eingeschränkt sind.

„Man sieht, dass die Menschen die aktuelle Situation nicht mehr hinnehmen möchten“, stellte Initiatorin Elfi Scheuer fest.

Leser Lars Blömer hält dagegen: „Auch wenn Gastronomen, Musiker und Künstler sicherlich in Not sind und man ihnen helfen und eine Stimme geben muss, geht diese scheinheilige Aufmachung gar nicht.“ Dass manche gerade um ihre Existenz bangen, sei unbestritten und eine Unterstützung müsse öffentlich eingefordert werden.

„Aber aus dem Ärger über geschlossene Kneipen und ausgefallene Auftritte und berechtigter eigener Existenzangst einen Kampf um Grundrechte zu machen ist absurd“, findet Blömer.

Ungleichbehandlung ist „völliger Quatsch“

Was Gastronom Markus Hüppe von den Corona-Maßnahmen und der ungleichen Behandlung der Gewerbe hält, teilte er uns bereits im April mit: „Das ist völliger Quatsch. In Baumärkten und Möbelhäusern drängen sich die Leute und es werden keine Abstände eingehalten“, hieß es da.

Anderseits ist der Betrieb von Gastronomie grundsätzlich verboten, obwohl Hüppe in der Ausflugsgaststätte „Amsel“ die erforderlichen Hygienemaßnahmen umsetzen könnte. „Wir haben hier genug Platz.“

FDP-Kandidat: Schutz so wichtig wie die Freiheit

Phillip Köhler sieht in der Freiheits-Debatte mehrere Probleme: „Ich finde es zugleich beunruhigend wie schnell viele bereit sind, Freiheiten aufzugeben, gleichzeitig gibt es auch immer mehr Sorge um Verluste, die wir gar nicht erlitten haben“, teilt der FDP-Direktkandidat für Ergste mit.

„Ab jetzt heißt es, an den Exit-Strategien zu arbeiten, damit der Schutz nicht zur Zumutung wird!“ Köhler freue sich bereits auf kommende Veranstaltungen in der Stadt und glaubt, dass die Schwerter das lokale Angebot wieder dankend annehmen würden.

„All das wird nur durch eine Rückkehr zu mehr Freiheiten möglich sein und diese sind genauso wichtig für das Gemeinwohl wie das Verinnerlichen von Schutzmaßnahmen in der Not!“

Keine Auffälligkeiten bei Stadt und Polizei

Bei der Kreispolizeibehörde gebe es keinen Hinweis auf eine schwindende Akzeptanz der Schutzmaßnahmen. Polizeisprecherin Vera Howanietz teilt mit: „Wir stellen keine Auffälligkeiten bei den Einsätzen fest.“

Auch das Ordnungsamt bemerkt keine Verschärfung der Situation. „Es gibt von den Bürgern keine Beschwerden aufgrund der Maßnahmen“, sagt Stadtsprecher Ingo Rous. Auf der anderen Seite gebe es weiterhin Hinweise aus der Bevölkerung über vermeintliche Verstöße durch Mitbürger. „Die Zahl der tatsächlichen Verstöße ist aber nicht gestiegen.“

Ärger mit uneinsichtigen Bürgern gab es in der Vergangenheit unter anderem am Postplatz. Ein Leser schreibt dazu: „Wenn sich seit Wochen regelmäßig Gruppen am Postplatz treffen, muss das aufgestockte Ordnungsamt eben regelmäßig dort auftauchen.“ Bei einem bekannten Ort von Verstößen solle das Problem so gelöst werden können.

„Auch und gerade, wenn städtische Angestellte dort, wie bereits geschehen, angespuckt werden, darf sich die Stadt nicht wegducken und muss mehr kontrollieren“, so die Meinung des Lesers.

Am Mittwoch (6. Mai) wollen die Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen beraten. Die Diskussionen in Schwerte dürften also weitergehen.

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