Blitzen ist Abzocke? Von wegen: Sie sind zu schnell und selbst Schuld

hzMeinung

Ist es Abzocke, wenn ein Blitzer am Straßenrand steht? Oder wenn Polizisten schätzen, dass Sie auf der Spielstraße zu schnell sind? Unser Redakteur sagt: Nein, Sie sind selbst Schuld.

Schwerte

, 22.10.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der arme Autofahrer. Die Melkkuh für alles. Steuern, Sprit, Versicherungen, immer dieser Stau, die schlechten Straßen – und dann noch diese Blitzer, dieses Lasern immer und überall.

Denken Sie auch so? Haben Sie schon das Wort „Abzocke“ auf den Lippen? Wollen Sie die Polizei, die Städte, die Kreise schon als „Wegelagerer“ beschimpfen, denen es ja um nichts anderes gehe, als Ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen? Und dass das ja nur logisch sei. Stadt, Kreis, Land, Bund – alle hätten ja so viel Minus im Haushalt, dass sie dringend nach Wegen suchen würden, sich schnell ganz viel Geld zu holen.

Und klar: vom Autofahrer, sicher, wieder einmal, wie immer.

Eine Gegenfrage: Kennen Sie dieses Schild?

Ich hätte eine Gegenfrage: Was, glauben Sie, bedeutet das runde Verkehrsschild mit der schwarzen „70“ in der Mitte und dem roten Rand? Ist das ein Vorschlag? Heißt das, ab dem Schild sollten Sie langsam anfangen abzubremsen und irgendwann auch in die Nähe von 70 km/h kommen – so in 300, 400, 500 Metern vielleicht?

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Oder bedeutet das „Tempo 70, ab hier, sofort“?

Und die Spielstraße, der „verkehrsberuhigte Bereich“, wie es offiziell heißt? Ist diese Zone da, um Autofahrer zu ärgern? Weil sich die Polizisten diebisch über jeden Autofahrer freuen, der fluchend auf unter 15 km/h bremst?

Oder ist die Spielstraße vielleicht da, um die Schwachen zu schützen? Fußgänger, Schüler, Eltern, Senioren mit Rollatoren vielleicht?

Daherzutuckern macht keinen Spaß, aber...

Klar: 4 bis 7 km/h ist hart, selbst mit Standgas. Aber ist es zu viel verlangt? Kostet es Sie zu viel Zeit, so langsam daherzutuckern? Dann fahren Sie doch um die Spielstraße herum.

Ach, das dauert noch länger? Ja, dann akzeptieren Sie es. 98 von 100 Fahrzeugen waren bei einer Messung auf der Gasstraße in Schwerte schneller als Schrittgeschwindigkeit. 98 von 100, fast alle.

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Hand aufs Herz: Gehören Sie zu den anderen 2 Prozent? Oder denken Sie nicht auch eher: „Ach komm, 15 km/h, 20 oder 30 vielleicht, hier ist schon keiner“?

Sagen Sie das dem kleinen Jungen, der dann doch von links zwischen den Autos hervorspringt. Sagen Sie das der älteren Frau, die am engen Bürgersteig abrutscht und plötzlich auf die Fahrbahn kommt. Sagen Sie das der gestressten Mutter, die das Kind an der einen Hand hat und das Handy am Ohr, weil es noch dringend etwas abzusprechen gilt für den Nachmittag von Kind Nummer zwei. Und die Mutter rechnet dann eben nicht damit, dass Sie mit Tempo 30 ankommen – oder, Mist, waren‘s doch eher 37?

Mit freundlichem „dududu“ kommt man halt nicht weiter

Seien Sie froh, wenn Ihnen keiner vors Auto läuft. Und froh über die Polizisten, die Sie nur schätzen und nicht lasern mit den 37 km/h. Freuen Sie sich, dass es nur 15 Euro gekostet hat und nicht der Führerschein in Gefahr ist.

Ansonsten: Halten Sie sich an die Regeln. Und falls nicht: Ärgern Sie sich über sich selbst, aber nicht über angebliche „Abzocke“.

Wie soll man Sie denn sonst dazu bekommen, sich an die Regeln zu halten? Durch ein freundliches „dududu“? Wohl kaum.

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