Blumen und Kerzen am Rand des Lidl-Parkplatzes in Schwerte erinnern an tödlichen Unfall

hzGedenkstätten am Straßenrand

Eine kleine Gedenkstätte ist auf dem Lidl-Parkplatz enstanden, wo am Samstag eine Seniorin von einem Lkw erfasst worden ist. Auch an Straßenrändern sieht man oft Kreuze. Ist das erlaubt?

Schwerte

, 19.12.2019, 11:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gelbe Rosen und rote Nelken säumen die Bordsteinkante, auf der weitere Blumen und Kerzen abgelegt sind. Dazwischen schauen ein Plüschteddy und ein Nikolausbild stumm herüber auf den Lidl-Parkplatz, wo am Samstag ein Verkehrsunfall eine 87-Jährige aus dem Leben riss.

Für das Opfer haben unbekannte Hände eine kleine Gedenkstätte angelegt. Immer wieder bleiben Kunden beim Verlassen des Ladens davor stehen. Manche fragen, welche traurige Nachricht dahintersteckt.

Gedenkstätten am Straßenrand sind für die Polizei ein heikles Thema

Rätsel geben im Vorbeifahren auch oft Holzkreuze oder Friedhofslichter an Straßenrändern auf. Sie lassen nur erahnen: Hier muss sich ein schrecklicher Verkehrsunfall ereignet haben.

Aber darf man so etwas auf öffentlichem Grund – und nicht wie bei Lidl auf Privatgelände – aufbauen? Wird es zu einer neuen Gefahr, wenn Autofahrer abgelenkt werden? „Es ist ein heikles Thema, das anzufassen“, sagt der Polizei-Pressesprecher Bernd Pentrop. Auf der Fahrbahn sei ein solches Mahnmal nicht erlaubt. Auf den Gehwegen bedürfe jeder Fall einer individuellen Prüfung. Ein Verkehrshindernis oder eine Stolperfalle sollen nicht entstehen.

Blumen und Kerzen am Rand des Lidl-Parkplatzes in Schwerte erinnern an tödlichen Unfall

Tödliche Verletzungen hatte am Samstag eine 87-jährige Schwerterin erlitten, als sie auf dem Parkplatz des Lidl-Marktes an der Schützenstraße von der Sattelzugmaschine erfasst worden war. © Reinhard Schmitz

Pentrop erinnert sich beispielsweise an die aus den USA herübergeschwappte Sitte, Orte von tödlichen Fahrrad-Unfällen mit weißgestrichenen Fahrrädern zu markieren. Ein so genanntes „Ghost-Bike“ („Geister-Rad“) habe er kürzlich noch an der Bornstraße in Dortmund gesehen. So etwas dürfe natürlich nicht den Weg blockieren. Aber bei der Entscheidung ist Fingerspitzengefühl gefragt: „Es kann sehr schnell pietätlos werden, wenn man es schnell wegräumt.“

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

Pietätsgründe gelten auch bei der Autobahmeisterei Dortmund, die zusätzlich für die Bundes- und Landesstraßen in Schwerte zuständig ist. Ein Mahnmal werde „stillschweigend geduldet, wenn es nicht behindert“, sagt Betriebsdienstleiter Martin Tadema. Es dürfe aber nicht ablenken.

Ähnlich hält es die Stadt Schwerte. „Gedenkstätten werden in der Regel akzeptiert, wenn sie nicht zu Behinderung oder Gefährdung führen“, erklärt Pressesprecher Ingo Rous.

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Ob die Gedenkstatte am Lidl erhalten bleibt, wenn die Blumen verwelkt sind, ist ungewiss. Die dort ums Leben gekommene Seniorin kann endlich eine letzte Ruhestätte erhalten. „Die Leichenfreigabe ist erfolgt“, sagte am Mittwoch der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hagen, Dr. Gerhard Pauli. Auf eine Obduktion sei verzichtet worden, weil der Ursachenzusammenhang so deutlich war. Die Seniorin war auf dem Parkplatz von einer Sattelzugmaschine erfasst worden. Die Behörde ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.

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