Die Bundeskanzlerin hat die Osterbeschlüsse gekippt. Sie trage dafür die volle Verantwortung, sagte sie am Mittwoch. © dpa
Osterruhe gekippt

CDU-Politiker schreibt Brief an die Kanzlerin: „Liebe Frau Merkel, ich verstehe die Welt nicht mehr“

Osterruhe ja, Osterruhe nein? Lockdown light oder medium? Der Schwerter CDU-Kommunalpolitiker Stefan Simon hat das Hin und Her satt und schreibt einen Brief an Laschet und Merkel.

Wahnsinnig habe er sich geärgert, sagt Stefan Simon. Als Kommunalpolitiker und als Mitglied im Vorstand der CDU Schwerte. „Keine klare Linie, nichts erkennbar Vernünftiges.“ Das sind seine deutlichen Worte zu den jetzt wieder geänderten Corona-Beschränkungen.

Und er habe auch schon einen Brief an Armin Laschet und Angela Merkel geschrieben. Seine Kernaussage: Statt dem ewigen Hin und Her sollte endlich ein harter Lockdown durchgezogen werden. Und zwar einer, der dann auch hilft und den Menschen wieder eine Perspektive gibt.

„Ich verstehe die Welt nicht mehr“

Der Brief beginnt mit: „Liebe Frau Merkel, lieber Herr Laschet, als Kommunalpolitiker sitze ich vor dem Radio und verstehe die Welt nicht mehr. Erst wird in einer langen Sitzung die Osterruhe beschlossen. Gut, kann ich mich mit anfreunden. In der Firma wird verkündet, dass der Gründonnerstag frei ist und den zwei neuen Mitarbeiterinnen, die am 1.4. starten sollen, wird gesagt, sie sollen erst am Dienstag nach Ostern kommen. Selbsttests werden gekauft, 2x pro Woche wird ab nun freiwillig jeder Mitarbeiter getestet.“

Stefan Simon (CDU) hat einen Brief an Merkel und Laschet geschrieben, nachdem die Osterruhe am Mittwoch wieder gekippt wurde. © CDU © CDU

Damit habe er sich anfreunden können, auch wenn er persönlich schon am Dienstag für einen kompletten Oster-Lockdown inklusive Ostersamstag geworben hatte. Ein kurzer harter Lockdown sei für die Wirtschaft besser, als die Hängepartie, sagt er.

Man muss zu seinen Entscheidungen stehen

Aber dann alles wieder zurücknehmen? Für Stefan Simon ist das ein Ding der Unmöglichkeit. „Ich kann verstehen, dass diese Entscheidungen nicht leicht sind. Aber wenn man sie getroffen hat, dann muss man auch dazu stehen. Wie sollen wir Kommunalpolitiker dieses Rumgeeier der Parteibasis und allen Bürgern erklären? Wir verstehen es ja selbst nicht“, schreibt er.

„Bitte schaffen Sie klare Verhältnisse“

Und weiter: „Wir müssen jetzt schnellstmöglich die Bevölkerung impfen, darauf müssen wir die Energie fokussieren. Bis dahin sollten wir Abstand halten. Die Menschen werden aber pandemiemüde. Anstelle von immer wieder Lockdown-Light mit Hunderten Ausnahmen, könnte es eine harte Ausgangssperre bis zur Durchimpfung geben. Dann aber mit Patrouillen auf der Straße, dass sich alle Menschen daran halten. Bitte schaffen Sie klare Verhältnisse. Nicht heute so und morgen so.“

Simon, der die Beschlüsse im Autoradio gehört hat, spricht offensichtlich vielen Kommunalpolitikern derzeit aus der Seele. Auch wenn manche Funktionsträger sich mit Kommentaren zurückhalten. „Ich bin kein Parteirebell“, betont Simon. „Mir ist es wichtig zu sagen, dass Kommunalpolitiker auch nicht verstehen, was da in Berlin passiert, unabhängig vom Parteibuch.“

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt