Käufer für Hundhausen gefunden: „Vielen fällt ein Stein vom Herzen“

hzInsolvenzen in Schwerte

Anders als bei Hoesch Schwerter Profile, kann für die insolvente Gießerei Hundhausen ein Happy End verkündet werden. Wer der Käufer ist, und was der Betriebsrat noch verhandeln will.

Schwerte

, 25.08.2020, 14:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Erleichterung war den Hundhausen-Mitarbeitern in den Gesichtern abzulesen. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda hatte sich verbreitet, was dann in einem offiziellen Info-Schreiben zu lesen war. Der Fortbestand der Gießerei ist durch den Verkauf an die Beteiligungsgesellschaft CE Partners GmbH (Hamburg) gesichert. Der Geschäftsbetrieb soll voraussichtlich zum 1. Oktober auf den neuen Eigentümer übergehen. „Vielen fällt ein Stein vom Herzen“, beschrieb Betriebsrats-Vorsitzender Reinhard Pilk am Dienstagmittag die Stimmung unter den verbliebenen rund 380 Kollegen, deren Arbeitsplätze erhalten bleiben sollen. Jetzt sei erstmal ein „Blick in die längere Zukunft“ möglich. Die Produktionsplanungen für das nächste Jahr ständen „von der Tonnage her“ auch.

Jetzt muss noch ein neuer Haustarifvertrag ausgehandelt werden

Gleichwohl ist sich Reinhard Pilk bewusst, dass noch eine Menge Arbeit vor ihm liegt. Denn mit dem künftigen Eigentümer muss ein neuer Haustarifvertrag verhandelt werden: „Ab nächster Woche wollen wir da mit Elan drangehen.“ Der Betriebsrats-Chef zeigte sich zuversichtlich, dass man sich einigen werde. Um die Produktivität zu erhöhen, hatte sich Hundhausen bereits im Vorfeld von 105 Mitarbeitern getrennt, von denen die meisten das Angebot angenommen hatten, ab Anfang August in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Gearbeitet wird seitdem im Zwei-Schicht-Betrieb.

Kämpften erfolgreich für die Zukunft von Hundhausen (v.l.): IG-Metall-Geschäftsführer Jens Mütze, Betriebsrats-Vorsitzender Reinhard Pilk und Betriebsrats-Mitglied Dogan Erdogmus.

Kämpften erfolgreich für die Zukunft von Hundhausen (v.l.): IG-Metall-Geschäftsführer Jens Mütze, Betriebsrats-Vorsitzender Reinhard Pilk und Betriebsrats-Mitglied Dogan Erdogmus. © Reinhard Schmitz

„Wir freuen uns, dass wir trotz des sehr schwierigen Marktumfeldes und der Auswirkungen der Corona-Pandemie eine gute Fortführungslösung für Walter Hundhausen gefunden haben“, sagte Insolvenzverwalter Dr. Dirk Andres, der in den vergangenen Monaten die Weichen für die Sanierung gestellt hatte. Mit CE Capitals habe man einen Käufer gefunden, der den Geschäftsbetrieb, den Standort und die rund 380 Beschäftigten übernehme. Die Beteiligungsgesellschaft aus Hamburg wolle „den Gießereibetrieb langfristig begleiten und in die Gewinnzone zurückführen“. Geplant seinen umfangreiche Investitionen in Technik und Anlagen sowie die Optimierung der Planungs- und Fertigungsprozesse. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden.

Käufer versteht sich nicht nur als Kapitalgeber

„Die Hundhausen GmbH besitzt großes wirtschaftliches Potenzial, und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung und allen Beschäftigten“, wird CE-Capital-Geschäftsführer Nicolas Neumann in der Pressemitteilung zitiert. In ihrem Internet-Auftritt beschreibt sich die CE Capital Partners GmbH als „eine Beteiligungsgesellschaft nach hanseatischem Vorbild, die Unternehmen weltweit Kapital unabhängig von Banken, Investmentfonds oder dem Kapitalmarkt zur Verfügung stellt“. In der Tradition hanseatischer Kaufleute verstehe man sich als unternehmerischer Partner, für den in erster Linie die langfristige Entwicklung der Unternehmen im Vordergrund stehe: „Wir begleiten Unternehmen nicht nur als Kapitalgeber, sondern vielmehr als aktiver Sparringspartner bei strategischen Entscheidungen und bringen darüber hinaus bei operativem Bedarf zusätzlich ein umfassendes Netzwerk an erfahrenen Unternehmern und Experten ein.“

Die Geschäftsführung bleibt weiter im Amt

Die Hundhausen-Geschäftsführung - so teilte Insolvenzverwalter Dr. Dirk Andres weiter mit - bleibt weiter im Amt. Er dankte der Betriebsrat, der Industriegewerkschaft (IG) Metall und der Arbeitsagentur für konstruktive Unterstützung, „um das gemeinsame Ziel einer nachhaltigen Sanierung zu erreichen“. Der Rechtsanwalt war vom Amtsgericht Hagen als Insolvenzverwalter eingesetzt worden, nachdem Hundhausen dort im Mai die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt hatte. Seine als Restrukturierungs-Spezialist bekannte Kanzlei AndresPartner hatte unter anderem schon die Insolvenzverfahren der Heitkamp BauHolding und der Warenhauskette Strauss Innovation bearbeitet.

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