Das Schwerter Bier wird nicht verkauft - wie man es dennoch probieren kann

hzSchwerter Bier

Das erste Bier, das seit 100 Jahren in Schwerte gebraut wird, konnte am Sonntag in der Kulturbräu-Brauerei in Schwerte-Ost verkostet werden. Wie es schmeckt und wie man es kosten kann.

Schwerte-Ost

, 18.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das 18-Liter-Fass Landbier war leergetrunken, das Festbier auch. Doch durstig sollten keiner vom ersten Frühschoppen beim Kulturbräu Kreinberg nach Hause gehen müssen. Also wurde am Sonntagmorgen auch noch das Kreinberger Hügel angezapft, dem man eigentlich noch ein paar Wochen Reifezeit gönnen wollte. Egal, auch ohne die volle Schaumkrone schmeckte es den Besuchern, die sich in den zur Brauerei umgewandelten Metzgerei-Räumen Am Quickspring drängelten. Zur Bierverkostung warteten auf sie würziges Treberbrot und knusprige Treberbrötchen, die Bäckermeister Günter Aßhoff aus den Maische-Rückständen des Brauvorgangs gebacken hatte.

Jedes Bier ist ein anderes Geschmackserlebnis

„Hier wird alles verwertet“, erklärte Volker Kranefeld, der mit Freundin Katrin Schulz erst kürzlich dem Kulturbräu-Verein angeschlossen hat und als Einstand selbstgebackene Foccia danebenstellte. Die beiden sind ausgesprochene Bierfans, lassen sich nur ungern eine Biermesse entgehen. Das untergärige Festbier erinnerte Kranefeld an ein Oktoberfestbier, etwas stärker und sehr süffig: „Das kann man nicht mit einem normalen Pils vergleichen, das hat eine eigene Note.“ Das obergärige Landbier dagegen sei an eine Art Pott´s angelehnt, fand er. Aber trotzdem anders.

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„Wir klonen auch keine Biere“, sagte Matthias Hein. Den Hobby-Brauern macht es Spaß, immer wieder neue Rezepturen auszuprobieren. Wie sie zu ihren Namen kommen? Dazu gibt es zumindest beim „Hügel-Bier“ eine typisch Schwerte-Oster Anekdote. Nach Fußballspielen sei man früher erst in die „Ratte“ am Grüntaler Teich und dann ins Haus Kreinberg eingekehrt, erzählte Urgestein Bernd Droll. Dafür gab es ein geflügeltes Wort: „Jetzt gehen wir noch auf einen Absacker in den ,Hügel´.“

Das Schwerter Bier wird nicht verkauft - wie man es dennoch probieren kann

Der Duft war verführerisch: Vereinsvorsitzender Carsten Folck (M.) hatte schon den nächsten Kulturbräu-Sud im Braukessel auf 100 Grad erhiitzt. „Das wird ein dunkles Landbier", verriet er, während Andrea Reinecke (l.) beim Rühren half. © Reinhard Schmitz

Live vor den Gästen rührte Vereinsvorsitzender Carsten Folck schon die nächste Spezialität im Braukessel: „Das wird ein dunkles Landbier.“ Die 30 Liter Maische verströmten bei 100 Grad einen verführerischen Duft. Man fühlte sich wie von dem Geruch umgeben, mit dem man in den 1970er-Jahren im Dortmunder Hauptbahnhof empfangen wurde, wenn man aus den Silberling-Waggons des Pendelzugs kletterte. Aktive Brauereien reihten sich dort damals längs des Schienenstrangs.

Durch Zufall kam der Verein an zwei 200-Liter-Braukessel

Dortmund als Bierstadt Nr. 1 - das ist lange vorbei. Aber am Kreinberg braut sich was zusammen. In seinem Sudhaus hat der Kulturbräu-Verein auf einem frisch gemauerten Sockel zwei blitzblanke 200-Liter-Kessel aufgestellt, die neueste Errungenschaft. „Alles selbst montiert und geschrubbt“, sagt Andrea Reinecke. Zu den Edelstahl-Behältern war man per Zufall gekommen. Eigentlich sollten nur ein paar Fässer abgeholt werden, die man bei Ebay ersteigert hatte. Doch in einer Ecke hatte der Verkäufer noch die beiden Kessel stehen. Erbstücke von einem verstorbenen Hobby-Brauer, mit dem er gar nichts anzufangen wusste. Zum Umrühren erreicht man sie über ein Treppchen mit Ortsteil-Geschichte. Die drei Stufen führten einst auf die Bühne des Kreinberg-Saals, die heute die Pier für das Restaurant-Segelschiff des Kult-Gastronomen Carlos bildet.

Das Schwerter Bier wird nicht verkauft - wie man es dennoch probieren kann

Beim ersten Frühschoppen im Kulturbräu in Schwerte-Ost konnten verschiedene eigene Biere verkostet werden. © Reinhard Schmitz

Auch wenn der „Ausstoß“ beim Kulturbräu mit der neuen Anlage kräftig erhöht werden kann, wird das Bier in keinem Getränkemarkt zu haben sein. „Ein Verkauf ist nicht geplant“, sagte Andrea Reinecke. Das Bier genießen können nur Vereinsmitglieder, deren Zahl seit der Gründung im April auf mittlerweile fast 50 gestiegen ist. Mit fünf Euro im Monat sind sie dabei und geben dann nur noch pro Glas 50 Cent als Spende. Die einzige andere Möglichkeit ist, sich einer Führung durch Schwerte-Ost mit Walter Hauser anzuschließen. „Wir wollen die Teilnehmer willkommen heißen“, erklärte Andrea Reinecke. Und zwar nicht nur trocken. Gedacht sei an eine Spende von 1,50 Euro, wenn sie ein Gläschen probieren wollten.

Führung durch die Kreinbergsiedlung Schwerte-Ost Die nächste Führung durch die denkmalgeschützte, gartenstadtähnliche Eisenbahnersiedlung findet am Donnerstag, 12. September, statt. Treffpunkt für die rund anderthalbstündige Runde mit Regioguide Walter Hauser ist um 17 Uhr am Grüntaler Teich, Ostberger Straße. Die Teilnahme kostet 3 Euro pro Person, für Gruppen ab zehn Personen jeweils 2,50 Euro Euro. Kontakt über die städtische Touristik-Information, Tel. (02304) 104-777 oder direkt bei Walter Hauser, Tel. (02304) 16180.
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