Schwerte ist ein gutes Pflaster für den Einzelhandel, aber...

hzDebatte um Leerstände

Zu viele Leerstände, keine Parkplätze? Blödsinn, Schwertes City ist ein gutes Pflaster für Geschäfte, sagen zwei Einzelhändler. Sie benennen aber auch Punkte, die besser werden müssen.

Schwerte

, 14.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 15 Jahren gibt es Apollo-Optik in Schwerte. Im Sommer zog Inhaber Phillip Hübner ein Ladenlokal weiter. Der Laden, aus dem er ausgezogen ist, steht seitdem leer. Dass dadurch der Name seines Geschäfts immer wieder auftaucht, wenn es um Leerstände in der City geht, ärgert ihn.

Denn Hübner ist überzeugt: Auch wenn es Probleme gibt, in Schwerte kann man durchaus gute Geschäfte machen. Oder wie er es formuliert: „Schwerte ist ein interessanter Standort.“

Immerhin hat er einen sechsstelligen Betrag in das neue Ladenlokal investiert. Das alte war zu groß und zudem renovierungsbedürftig. Dennoch wollte er in Schwerte bleiben. Als die Modekette Street One das benachbarte Ladenlokal aufgab, griff er zu.

Kaufkraft in Schwerte ist gut

„Die Kaufkraft ist gut, wir sollten nicht ständig den Standort schlecht reden und runterziehen“, sagt er. Warum es dann dennoch aktuell so viele Leerstände gibt? Bei vielen Vermietern in Schwerte passe die Erwartungshaltung nicht zum Umsatz. Außerdem sei es für Einzelhändler immer schwieriger Bankkredite für die Renovierung der Geschäfte zu bekommen.

Schwerte ist ein gutes Pflaster für den Einzelhandel, aber...

Udo Weiss collection in der Rathausstraße 6 ist seit August 2016 für seine Kunden da. Inhaber Udo Weiss hat Hemden, T-Shirts, Anzüge, Hosen, Krawatten, Kappen, Schals. © Foto: Manuela Schwerte

Was die Situation auf dem Immobilienmarkt angeht, wird Herrenausstatter Udo Weiss noch deutlicher. Seit 2016 ist er an der Rathausstraße 6 ansässig. Weil er in Unna wohnt, habe er einen Standort in Heimatnähe gesucht, sagt er. Die Wahl fiel auf die Rathausstraße, denn die Mieten an der Hüsingstraße seien „unverschämt hoch“.

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Zudem würden die Vermieter dann noch auf einen langfristigen Vertrag setzen. Das sei im Moment für ihn keine Alternative.

Dennoch will auch der Herrenausstatter in Schwerte expandieren. „Ich plane ein zweites Geschäft in Schwerte“, kündigt er an. Allerdings werde er das nicht in der Fußgängerzone anmieten.

Laden in der Thier-Galerie wieder verkauft

Grundsätzlich ist auch Weiss mit der Kaufkraft in Schwerte zufrieden. Er betreibt neben seinem Geschäft an der Rathausstraße noch einen Herrenausstatter in Wuppertal. Einen Laden in der Dortmunder Thier-Galerie hat er wieder verkauft. Vor allem wegen der ausufernden Öffnungszeiten.

„Die Leute können ihr Geld nur einmal ausgeben, ich muss aber die Beschäftigten, den Strom und die Heizung auch dann bezahlen, wenn keiner etwas kauft“, so Weiss. Deshalb ist er auch überzeugt: Verkaufsoffene Sonntage sind kein Allheilmittel für die Branche. „Wenn ich sonntags geöffnet habe, kommen meist am Montag und Dienstag weniger Kunden“, sagt er.

Hübner kann hingegen den vier Schwerter Einkaufssonntagen etwas abgewinnen. Auch wenn die Leute dann nicht direkt eine Brille kaufen. „Ich sehe das mehr als Service und wenn Leute von außerhalb dann dienstags oder mittwochs wieder kommen, lohnt sich das ja auch“, sagt er.

Konkurrenz durch das Internet bleibt stark

Noch vor den hohen Mieten ist der Internethandel das größte Problem des Einzelhandels vor Ort. Zum einen müsse man preislich mit Konkurrenten mithalten, die weder eine Lagerhaltung noch ein Ladenlokal betreiben müssen, zum anderen sei der stationäre Einzelhandel gezwungen, eine riesige Auswahl an Waren vorrätig zu haben.

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Schließlich sind die Leute über das Internet gewohnt, alles und in jeder Größe zu bekommen. In seinem relativ kleinen Geschäft hält Weiss deshalb auch eine riesige Auswahl an Waren vor. „Und die sind bei mir perfekt gelagert. Im Netz weiß ich nicht, ob der Laden nicht eigentlich eine Garage ist.“

Besonders ärgert er sich über Kunden, die sich bei ihm beraten lassen und dann auf ihr Handy sehen, wo sie im Netz das Teil vielleicht noch günstiger kriegen.

Was Phillip Hübner an Schwerte aufgefallen ist: „Ich war auch lange Jahre in Hörde tätig. Dort gab es auch Leerstände, aber die waren immer schneller wieder besetzt.“

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