Der Friseursalon Langhorst, wo die Westhofener das Föhnen lernten, geht in neue Hände

hzSchwerter Geschäftswelt

Nach 41 Jahren ziehen sich die Inhaber Heidi und Hans-Werner Langhorst in den Ruhestand zurück. Die neue Chefin ist gut bekannt. Sie ist schon seit 33 Jahren als Mitarbeiterin dabei.

Westhofen

, 01.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Föhn - ein unbekanntes Wesen in Westhofen. Zumindest, wenn es um mehr ging als das bloße Haaretrocknen. Heidi und Hans-Werner Langhorst fühlten sich wie in der absoluten modischen Provinz gelandet, als sie vor 41 Jahren ihren Friseursalon „Petit Coiffeur“ an der Reichshofstraße 97 eröffneten. „Es war wie zurück in die Steinzeit“, erzählen die beiden, die zuvor beim Dortmunder Star-Friseur Pawlowski nach den neuestens Trends die Schere geschwungen hatten. Aber wann hatten sie das letzte Mal den Wunsch nach handgelegten Wasserwellen gehört, die die Damen in dem Schwerter Vorort noch so liebten?

Da war nicht nur viel Überzeugungsarbeit in Sachen attraktive Frisuren nötig. Als praktische Übung wurden nach Feierabend sogar extra Föhnkurse für die Kunden organisiert.

Kunden reisen sogar vom Biggesee an

Die Mission gelang. „Ratzfatz war der Laden voll“, berichtet Heidi Langhorst: „Wir haben supernette Kunden.“ Fast alle sind Stammgäste. Einige sind den Langhorsts schon von Pawlowski gefolgt, als sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagten: „Die bediene ich seit meiner Lehrzeit.“

Der Ruf von „Coiffeur Langhorst“, wie der Salon mittlerweile heißt, hat sich im weiteren Umkreis herumgesprochen. Zum Haareschneiden kommen Besucher aus Wuppertal, Bochum und sogar vom Biggesee. Das ist auch wichtig, denn eine Flaniermeile, die Zufallsbesucher zur Tür hereinlockt, ist die Reichshofstraße nun einmal nicht.

Dass dort ein Ladenlokal frei war, haben die Langhorsts einst von einem Bekannten erfahren. Zu der Zeit hatten sie gerade ihre erste eigene Wohnung in Dortmund-Hörde bezogen. Die Entfernung passte. Auch war der Standort vorher schon als Friseursalon bekannt. Aber er wollte erstmal kräftig umgebaut werden, um den Muff des Altmodischen zu vertreiben. „Vorher hatte jede Kabine noch einen Vorhang“, erzählt Hans-Werner Langhorst. Man wollte nicht gesehen werden beim Haaremachen. Und schon gar nicht als Mann in gemischter Reihe neben einer Frau bedient werden.

Der Friseursalon Langhorst, wo die Westhofener das Föhnen lernten, geht in neue Hände

Ein Foto vom Eröffnungstag am 2. Februar 1978: „Petit Coiffeur“ hieß damals noch der Friseursalon, mit dem sich Hans-Werner und Heidi Langhorst in Westhofen selbstständig machten. © Hans-Werner Langhorst

Nachfolgerin ist Silke Boden

Es waren ereignisreiche Monate im Leben von Hans-Werner und Heidi Langhorst. Am 7.7.77 hatten sie geheiratet und schon ein halbes Jahr später, am 2. Februar 1978, folgte der Schritt in die Selbstständigkeit. Erneut aufregend wurde es dann 1985. Da wurde das 200-jährige Fachwerkhaus an der Reichshofstraße 97 abgerissen. Ein dreiviertel Jahr lang wurde nebenan in einem hölzernen Provisorium frisiert, bevor man in den schmucken Neubau zurückziehen konnte.

Dort steht jetzt zum 1. März eine weitere Änderung bevor: Weil die Inhaber sich in den Ruhestand zurückziehen, übernimmt Silke Boden (50) den Salon mit den zehn Bedienplätzen. Ein vertrautes Gesicht für die Kunden, ist sie doch seit 33 Jahren als Mitarbeiterin dabei. „Es soll alles so bleiben, wie es ist“, sagt die künftige Chefin. Mit Ausnahme der Wandfarbe, denn Silke Boden will frisch streichen. Auch ihre Kollegin Susanne Holtsträter, seit 40 Jahren vor Ort, mache weiter.

„Kollege“ Guildo Horn drehte gegenüber

Hin und wieder werden sicherlich auch Hans-Werner (66) und Heidi (63) Langhorst vorbeischauen, die künftig in einem Schwedenhäuschen im Emsland wohnen. Mischlingshündin Emma, die sie aus Griechenland gerettet haben, ist mit dem Sohn schon vorausgezogen. „Wir werden mit Sicherheit zu Besuch kommen“, sagen sie: „Wir sind zusammengewachsen wie eine Familie.“

Schließlich hat man viel zusammen erlebt. Nicht nur die Dreharbeiten mit dem Schlagerbarden Guildo Horn, der 1999 schräg gegenüber in einem Ladenlokal im weißen Kittel den Frisör „Herr Schatz“ mimte. Eine Woche lang war die Reichshofstraße für das Filmteam gesperrt. „Das war nicht so toll“, erzählt Hans-Werner Langhorst: „Die Kunden kamen hier nicht hin.“ Dafür kam er groß in die Bild-Zeitung. Ein Reporter wollte wissen, wie der „richtige“ Friseur von Westhofen über seinen schauspielernden Kollegen dachte.

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