Der Mann, der sich Woodkatter nannte, legt die großen Kettensägen aus der Hand

hzKunst in Schwerte

Vor 20 Jahren war Bernd Schumacher einer der ersten Kettensägen-Schnitzer in Deutschland. Er wurde sogar Deutscher Meister. Jetzt zieht er sich aus Altersgründen in seine Werkstatt zurück.

Schwerte

, 16.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Vom Weihnachtsbaum zum Bären: Ihre perfekte Metamorphose hat die einst mächtige Nordmanntanne der Kunst von Bernd Schumacher zu verdanken. Mit seiner Kettensäge verwandelte der „Woodkatter“ den Baumstumpf in einem Reihenhausgarten an der Kleinen Märkischen Straße in das lebensgroße Zotteltier. „Es ist mein letzter Auftrag in dieser Größenordnung“, sagte Schumacher, der stramm auf die „70“ zugeht: „Ich bin der älteste aktive Kettensägenschnitzer in Deutschland.“ Künftig will er sich aber nur noch auf Arbeiten in seiner Werkstatt am Heideweg in Dortmund-Holzen konzentrieren. Die ganz schweren Kettensägen, mit denen er sich einst bei Schnell-Schnitz-Wettbewerben mit den Größen seiner Zunft maß, sind schon verkauft.

Sieben verschiedene Sägen im Einsatz

Doch auch die „kleinen“ Werkzeuge, die beim Bären zum Einsatz kamen, fordern die Arme mit ihren vier bis fünf Kilogramm noch ordentlich heraus, wenn sie behutsam geführt werden wollen. Sieben Exemplare mit verschiedenen Blatt-, Ketten- und Spitzenstärken für die unterschiedlichen Schnitte musste Schumacher immer wieder wechseln, wenn er auf seinem klappbaren Alu-Gerüst stand und die Späne fliegen ließ. Die ganze Erfahrung aus zwei Jahrzehnten als „Woodkatter“ steckte er in die Skulptur. Ein paar Zeichenstriche auf dem Stamm genügten, um nach und nach den Bärenkörper herauszuschälen. Ein falscher Schnitt - und alles wäre vorbei gewesen. Aber Schumacher zeigte, dass er immer noch über ein ausgezeichnetes fotografisches Vorstellungsvermögen verfügt.

Das letzte große Werk des Woodkatters

„Das ist Ursus“, fand Gartenbesitzerin Agnes Wanitzek sofort einen Namen für das neue Prachtstück. Ganz bewusst hatte sie einen zwei Meter hohen Stammrest stehen lassen, als der von innen längst trocken gewordene Ex-Weihnachtsbaum vor anderthalb Jahren gefällt wurde. Denn sie hatte Arbeiten von Schumacher gesehen und wusste: „Ich wollte auch was von ihm.“ Erst hatte sie eine Eule im Sinn. Aber der im Durchmesser rund 1,50 Meter dicke Stamm bot sich noch besser für einen Bären an. Der grüßt jetzt mit seinen gläsernen, braunen Bildhaueraugen zum Frühstückstisch auf der Terrasse herüber. „Ich kann mich ärgern, dass ich das damals nicht bei meiner Zeder auch gemacht habe“, sagte ein Nachbar.

Aber Agnes Wanitzek hat das Glück, das letzte große Werk von Woodkatter Schumacher ihr Eigen nennen zu können. Als der Autodidakt vor 20 Jahren mit der Kettensäge begann, war er einer der ersten Schnitzer in Deutschland. Igel wurden zu seiner Spezialität. Aber auch die Eulen, von denen er bislang „mindestens 120“ schnitzte. Meistens in Form seiner beliebten „Tascheneulen“. Denn da die Skulpturen auf Ausstellungen meist so groß waren, dass die Besucher sie nicht zu transportieren wussten, war er auf eine geniale Idee gekommen: Eulen im handlichen Format, die locker in einer Einkaufstasche mit nach Hause genommen werden können. Sie wurden der Renner.

Auf ewig Deutscher Meister im Team-Speed-Carving

Aber der Westhofener ist vielseitig. Bei einem Wettbewerb in Amerika überraschte er die rauhbeinigere Konkurrenz mit einer Rose, für einen Bauern schnitzte er als Geburtstagsgeschenk ein Ferkel samt Schleife. Sein größtes Werk? Ein fünf Meter hoher Totempfahl für einen Betrieb in Lünen, der am Boden liegend gestaltet werden musste und seine ganze Pracht erst nach dem Aufstellen mit dem Kran zeigte: „Da war ich stolz.“

Ganz von der Kettensäge lassen wird ein solcher Mann nie. „Ich habe schon überlegt, an einem Rollator links und rechts Köcher für Kettensägen anzubringen“, sagte er scherzhaft: „Dann setze ich mich auf den Stuhl und schnitze Stämmchen.“ Eins aber lässt sich Schumacher wirklich nicht nehmen. Sein Titel als amtierender Deutscher Meister im Team-Speed-Carving, den er einst im Schwarzwald errang, bleibt. Der Wettbewerb wurde seitdem nie wieder ausgetragen.

Lesen Sie jetzt