Der Mordfall Michael S. war nicht die einzige Straftat gegen das Leben in Schwerte

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Zwei Straftaten gegen das Leben verzeichnet die Kriminalstatistik. Moment, gab es außer dem Frauenmord in Ergste 2019 noch eine Tat? Die Recherche förderte einen anderen Fall ans Tageslicht.

Schwerte

, 15.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Delikte gegen das Leben. So steht es in der Kriminalstatistik für Schwerte, die Landrat Michael Makiolla Anfang März vorstellte. Die eine Tat sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Es handelte sich um den Mord an einer 72-jährigen Frau aus Ergste im Januar. Der Täter Michael S. wurde längst zu 14 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Einen anderen Fall gab das Archiv der Ruhr Nachrichten nicht her. Und auch in den offiziellen Mitteilungen der Polizei fanden sich nur zwei tödliche Unfälle, die 2019 gemeldet wurden.

Unfälle tauchen nicht in der Kriminalstatistik auf

„Verkehrsunfälle fließen nicht in die Kriminalstatistik ein“, so die Antwort von Polizeisprecherin Vera Howanitz. Übrigens auch dann, wenn die weiteren Ermittlungen einem Autofahrer schuldhaftes Handeln, etwa eine fahrlässige Tötung, bescheinigen.

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Die Antwort auf die Anfrage, um was es sich bei der zweiten Bluttat handeln könne ließ nahezu einen Tag auf sich warten. „Eine umfangreiche Recherche sei das gewesen“, so die Polizeipressestelle. Denn die Tat selbst habe 2017 stattgefunden. Weil man sie aber erste 2019 aufgeklärt habe, sei sie halt in die Jahresstatistik 2019 eingeflossen.

Ein Fall für die medizinischen Gutachter

Ob sie da richtig aufgehoben ist, bezweifelt Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli. Denn bei der vermeintlichen Bluttat handelt es sich eher um einen Rechtsstreit. 2017 war ein Patient nach einem Unfall ins Krankenhaus eingeliefert worden, so Pauli. Dort sei er dann an den Folgen des Unfalls verstorben. Unnötigerweise, hatten die Angehörigen gesagt und Anzeige erstattet. Ein medizinischer Gutachter wurde eingeschaltet. Der überprüfte den Fall und sah durchaus Verfehlungen der zuständigen Mediziner. Erst danach wurde aus einem medizinischen Notfall ein Fall für die Kriminalstatistik.

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Geklärt war die Sache damit aber auch nicht. Denn man hatte zwar den gutachterlich Sachverhalt aufgeklärt, aber nicht festgestellt, wer denn nun damals Dienst hatte, und wen man persönlich haftbar machen wollte. Das wurde im Nachgang ermittelt. Erst dann ging die Akte an die Staatsanwaltschaft. Für die Polizei gilt der Fall damit übrigens statistisch als geklärt, auch wenn der Beschuldigte freigesprochen wird, oder das Verfahren bereits im Vorfeld eingestellt wird.

Nicht klar, ob das Verfahren eröffnet wird

Ob es sich um einen Arzt oder eine Ärztin handelt, wollte Pauli nicht sagen. Das Verfahren befinde sich noch im Anfangsstadium. Noch sei nicht klar, ob die Anklage wegen fahrlässiger Tötung eröffnet werde. Bei Ärzteverfahren komme das häufiger vor, so Pauli. Da ginge es meist um medizinische Details und Fachfragen, die Gutachter beantworten.

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