Diese beiden Männer präsentieren das erste Schwerter Bier seit 100 Jahren

hzSchwerter Bier

Voll und naturtrüb soll es sein. Das Bier aus der Brauerei, die ein Verein in der ehemaligen Metzgerei in Schwerte-Ost einrichtet. Wie es gebraut wird und wann man es kosten kann.

Schwerte-Ost

, 23.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Hefe leistet ganze Arbeit. Dick und fest klebt der Schaum unter dem Plastikdeckel, den Thomas Hölting vom Gäreimer abzieht. Eigentlich unterscheidet sich der 20-Liter-Bottich aus weißem Plastik nur durch seinen Zapfhahn von seinen Artgenossen, die zum Fensterputzen dienen. Aber für den Probesud beim Kulturbräu in Schwerte-Ost ist er ideal. In der früheren Metzgerei Am Quickspring braut Hölting das erste Schwerter Bier, seit die Ostermann-Brauerei am Bahnhof vor gut 100 Jahren von der Bildfläche verschwand.

Diese beiden Männer präsentieren das erste Schwerter Bier seit 100 Jahren

In der Schatzkammer des Kulturbräu Kreinberg, dem ehemaligen Kühlhaus der Metzgerei in Schwerte-Ost, lagern die vier Fässer mit den ersten selbstgebrauten Probe-Bieren, die Thomas Hölting etikettiert. © Reinhard Schmitz

„Ein bisschen voller als Industriebier“ soll das Lagerbier schmecken, kündigt Vereinsvorsitzender Carsten Folck an. Das kommt vor allem daher, dass es natürtrüb ins Glas kommt. Die Hefe, die andernorts am Ende wieder herausgefiltert wird, bleibt erhalten. „Hefe macht den Bart weich“, sagt Folck mit einem Lächeln. Aber das ist nicht der einzige Grund.

Nach dem Reinheitsgebot und ohne Bananen-Hefe

Noch tüfteln die 31 Vereinsmitglieder an dem optimalen Rezept, das natürlich nur aus den Zutaten des Deutschen Reinheitsgebotes besteht. Das Gerstenmalz stapelt sich in großen weißen Säcken im Lagerraum. Es wird geschrotet und beim Einweichen in Wasser auf die Temperatur gebracht, bei der Enzyme die enthaltene Stärke in Zucker umwandelt. Nach dem Filtern wird die die Flüssigkeit mit Hopfen aufgekocht. „Der sorgt für den schönen Schaum und das Aroma“, erklärt Thomas Hölting. Anders als beim Weizenbier, das sein Note nach Banane oder Nelke durch eine besondere Hefe erhalte.

In Schwerte-Ost setzt man auf reine Brauhefe, die nach dem Abkühlen zugefügt wird. Je nach Sorte muss die sieben bis zehn Tage den Zucker in Alkohol wandeln, bevor in die Fässer umgefüllt wird. „Wollen Sie die sehen?“, fragt Carsten Folck. Stolz öffnet er den Hebel der schweren Tür des ehemaligen Kühlraums. Dort, wo früher Schweinhälften und Würste von der Decke hingen, lagern in vier Edelstahlfässern die ersten Probesude - vom Kreinberger Hügel bis zum Dunklen Landbier Nr. 1, wie die Hobby-Braumeister ihre Kreationen getauft haben.

Regelmäßiger Sonntags-Frühschoppen geplant

Mindestens sechs Wochen müssen sie bei 9 Grad reifen, bis sie ins Glas schäumen können. Solange weiß außer denen, die den Brauprozess überwachen müssen, keiner, wie das erste Schwerter Bier seit 100 Jahren schmeckt. Doch das trockene Warten hat bald ein Ende. „Anfang Juli ist die erste Verkostung mit den Mitgliedern“, kündigt Folck an. Dann muss auch darüber entschieden werden, welche Rezeptur in die Großproduktion geht. In einem weiteren Raum wird gerade ein 200-Liter-Braukessel mit Gasfeuerung montiert. Das soll reichen, um künftig sonntags regelmäßig zum Frühschoppen einladen zu können. Frühestens ab Herbst soll dann jeder das Kulturbräu genießen.

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