Diese Nachbarn aus Schwerte-Villigst wollen nicht, dass ihre Straße saniert wird

hzStraßenbaubeiträge

Die Straße Am Winkelstück wurde jahrelang nicht saniert, schlecht repariert und vom Durchgangsverkehr beschädigt. Jetzt sollen die Anwohner für die Sanierung zahlen, doch die wehren sich.

Villigst

, 27.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Straße Am Winkelstück in Villigst gilt als einer der marodesten Straßenabschnitte in Schwerte. Jahrelang wurde eine Sanierung immer wieder in den zuständigen Gremien diskutiert. Schon 2011 hatte Markus Borchert von der Stadtentwässerung (SEG), die in Schwerte für die Straßenunterhaltung zuständig ist, eingeräumt, dass man eigentlich die Straße sanieren müsste.

Jetzt will die Stadt das Problem angehen. Allerdings nicht, ohne die Anwohner kräftig zur Kasse zu bitten. Noch gibt es keine seriösen Rechenbeispiele. Aber je nach Grundstücksgröße könnten bis zu 30.000 Euro auf die Anlieger zukommen.

Das finden die naturgemäß nicht schön. Bereits im Frühjahr schlossen sie sich zu einer Bürgerinitiative zusammen. Deren Ziel: Die SEG soll mit der Sanierung abwarten. Denn die Finanzierung der Straßensanierung auf Kosten der Anlieger ist in Nordrhein-Westfalen nicht unumstritten. Was die Bürger aber besonders fuchst: Es handelt sich um einen Ärger mit Ansage.

Straße wurde seit Jahren nur notdürftig geflickt

Seit Jahren wurde die Straße nämlich nur notdürftig geflickt. „Wenn Sie sich ansehen, wo hier die größten Schäden entstanden sind, dann ist das in den Bereichen, in denen Rohre verlegt wurden und Hausanschlüsse neu gemacht wurden“, erzählt Gregor Bongiovi, einer der Nachbarn. Und in der Tat, es sind immer offensichtliche Reparaturen an der Asphaltdecke, wo die Straße abgesackt ist. Wenn die Nachbarn gefragt hatten, warum nicht besser verfüllt wurde, erhielten sie von den Bauarbeitern immer die Antwort: „Hier wird doch ohnehin demnächst saniert.“

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Dass die Straße marode ist, wird von den Nachbarn nicht bezweifelt. Allerdings verweisen sie auch darauf, dass es ja nicht der Anliegerverkehr sei, der für den schlechten Zustand der Straßendecke verantwortlich sei. 1272 Autos passieren täglich die Straße. Hinzu kommen die Busse der Linie C32, die alltags im Halbstundentakt hier verkehren. Diese Zahlen stammen aus einer Verkehrszählung der Stadt. Die Nachbarn verweisen aber darauf, dass die Straße von vielen auch als Schleichweg genutzt wird, wenn es an der Ruhrbrücke einen Rückstau hinein nach Ergste gibt.

Für all das sollen sie jetzt zahlen, und das sei eben ungerecht.

Vom Luxusausbau bis zur einfachen Sanierung

Nachdem im April sehr teure Ausbaupläne wieder auf Eis gelegt wurden, hat die Verwaltung nun auf Beschluss des Planungsausschusses drei Sanierungsvarianten für die Straße entwickelt. Von der kompletten Sanierung bis zur simplen Reparatur. Alle haben eines gemeinsam: Die Anlieger werden zur Kasse gebeten. Allerdings mit unterschiedlichen Summen. Denn bei der Komplettsanierung sind die Nachbarn mit rund einer Millionen Euro im Boot, bei der günstigsten Variante mit 342.000 Euro.

Zeitpunkt der Sanierung ist absolut ungünstig

Besonders ärgerlich finden die Mitglieder der Bürgerinitiative aber den Zeitpunkt der mehrfach verschobenen Renovierung. Nie waren die Baukosten höher und nie die Anliegerbeiträge umstrittener. „Andere Bundesländer finanzieren ihre Straßensanierung aus anderen Quellen. Brandenburg hat die Beiträge abgeschafft, Mecklenburg-Vorpommern auch und Hessen zu Beginn dieses Jahres“, so Bongiovi. Nur noch eine Minderheit der Bundesländer würde so ihre Straßensanierungen finanzieren. Und auch in NRW gibt es Bestrebungen, die Straßenunterhaltung künftig anders zu finanzieren.

Mit Unterschriftenlisten und vielen Gesprächen mit Politikern kämpft die Bürgerinitiative, die sich den Namen „Villigster Bürgerinitiative gegen Straßenbaugebühren nach Paragraf 8 KAG“ gegeben hat, gegen den geplanten Ausbau. Am Dienstag (2. Juli) soll der Planungsausschuss des Rates festlegen, welche der drei erarbeiteten Ausbau-Alternativen umgesetzt werden soll.

Die Anlieger haben da schon eine Meinung: Am besten vorerst gar keine.

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