Drei von vier „falschen Polizisten“ aus Schwerte werden auf Bewährung freigelassen

hzLandgericht Hagen

Das Hagener Landgericht hat das Urteil gegen vier „falsche Polizisten“ aus Schwerte gesprochen. Einer der Angeklagten hatte deutlich schlechtere Laune als seine Komplizen.

Schwerte/Hagen

, 10.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während die Mitangeklagten zu Bewährungsstrafen von eineinhalb beziehungsweise zwei Jahren verurteilt wurden, sahen die Richter im Fall des 19-Jährigen keine Chance mehr, auch diese Strafe zur Bewährung auszusetzen. Der junge Mann muss die verhängten zweieinhalb Jahre Haft deshalb im Gefängnis absitzen.

Weitreichende Geständnisse

Alle Angeklagten hatten im Prozess weitreichende Geständnisse abgelegt. Danach hatten sie sich spätestens im April 2018 einer internationalen Betrügerbande angeschlossen, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, Senioren im ganzen Bundesgebiet auszuplündern.

Von einem „Call-Center“ in der Türkei wurden gezielt ältere Personen angerufen und vor angeblichen kriminellen Bankmitarbeitern gewarnt. Die Anrufer gaben sich dabei als Polizisten aus und machten den Senioren den Vorschlag, deren gesamten Ersparnisse in bar abzuholen und vermeintlich sicher bei der Polizei aufzubewahren.

„Gerade ältere Menschen haben oft noch ein besonderes Vertrauen in die Institution der Polizei“, sagte Richter Marcus Teich in der Urteilsbegründung. „Und dieses Vertrauen hat die Bande bewusst ausgenutzt.“

Unterschiedliche Rollen

Die vier Angeklagten hatten in dem kriminellen Spiel unterschiedliche Rollen. Während drei dafür zuständig waren, die Senioren zu Hause aufzusuchen und ihnen das Geld abzunehmen, nahm der mit 40 Jahren älteste Schwerter das Geld anschließend in Empfang, um es auf schnellstem Weg in die Türkei zu den Hintermännern weiterzuleiten.

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Vorab erhielten aber alle auch noch ihren „Lohn“. In der Regel durften die Angeklagten 500 Euro pro Tat für sich behalten. In einem Fall, als einer Frau in Hamburg erfolgreich über 160.000 Euro abgenommen worden waren, belief sich der Erfolgsbonus aber sogar auf 5000 Euro.

Seniorin durchschaut den Trick

Der Gesamtschaden, der durch die sechs angeklagten Fälle entstanden ist, beträgt mehr als 260.000 Euro. Und es wäre wohl noch mehr geworden, wenn nicht eine ältere Dame in Bornheim so aufmerksam gewesen wäre.

Als sie den Anruf von den „falschen Polizisten“ bekam, schaltete sie schnell. Sie erklärte dem Anrufer, dass sie mal kurz den Hörer beiseite legen müsse und rief dann parallel mit dem Handy die richtige Polizei an. Bei der vereinbarten Abholung des Bargelds erfolgte dann die Festnahme.

Hintermänner in der Türkei

Klar ist aber auch: Auch nach der Verurteilung der vier Schwerter sind die Bandenstrukturen noch lange nicht zerschlagen. Die Hintermänner sitzen noch immer in der Türkei. Im laufenden Prozess konnten die Richter von den Angeklagten gerade einmal drei Vornamen der angeblichen Bandenchefs erfahren.

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