Drei Wochen ohne Auto in Schwerte - wie viel Klima kann man damit retten?

hzAktion Stadtradeln

Fast drei Wochen habe ich aufs Autofahren verzichtet. Stattdessen sitze ich auf dem Rad. Kann man das in Schwerte überhaupt? Schränkt es einen deutlich ein? Und wie viel CO2 spart man dabei?

Schwerte

, 13.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Was mache ich als erstes, wenn ich wieder den Wagen nutzen kann? Vermutlich werde ich zum Bauhof fahren und Gartenabfälle wegbringen. Denn alles, was der Komposter nicht geschafft hat, steht nun in der Einfahrt. Das ist optisch nicht so schlimm, denn davor steht ja das Auto, seit drei Wochen.

Als Monika Rosenthal vom ADFC gefragt hat, ob ich mir vorstellen könne, als Stadtradeln-Star drei Wochen ganz auf das Autofahren zu verzichten, hatte ich Vorbehalte. Mein Eltern sind nicht mehr ganz jung und wohnen in Dortmund, ich treffe mich sonntagabends mit Freunden zum Musizieren in Lütgendortmund und gerne besuche ich auch mal die Sauna in Witten-Heveney. Alles keine Strecken, die ich bisher ohne den Wagen zurückgelegt habe.

Rund 250 Kilometer in 70 Einzelstrecken

Die Bilanz der autofreien Wochen fällt geteilt aus. Rund 250 Kilometer bin ich gefahren. Keine Radtour war dabei. Das waren nur die Wege, die ich sonst mit dem Auto gefahren wäre. Immerhin fast 70 Einzelstrecken. Wer allerdings in Schwerte alles mit dem Rad machen will, sollte entweder sportlich sein, oder sich wie ich ein E-Bike gönnen. Denn die Berge südlich und nördlich der Ruhr fordern schon.

Und was einen Alltagsradler vom Freizeitradler unterscheidet, ist der Blick auf den Verkehr. Wer die Perspektive ändert, bemerkt schnell, wie sehr alles auf den Autoverkehr zugeschnitten ist. Von den Parkplätzen hinter dem Fahrradschutzstreifen bis zur Regelung, an gefährlichen und engen Stellen Fuß und Radweg zusammenzufassen, sodass man entweder Schritttempo fährt, oder rücksichtslos gegenüber den Fußgängern ist.

Immer gemäß dem Motto: Der Fahrradfahrer hat es ja nicht so eilig wie der Autofahrer - und kann ruhig mal absteigen. Wenn er es eilig hätte, hätte er doch wahrscheinlich das Auto genommen.

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Autofahrer, die den Radfahrer erziehen wollen

Besonders habe ich jene Autofahrer lieben gelernt, die es als ihre Mission sehen, den Radfahrer zu erziehen. Zum Beispiel, indem sie durch mangelnden Seitenabstand versuchen, ihn auf den Radweg zu drängen. Gerne auch dort, wo die Nutzung des Radwegs laut Straßenverkehrsordnung gar nicht verpflichtend ist. Bei einer Radtour im Freizeitmodus ärgert das einen zwar auch, wenn man aber unter Termindruck von A nach B will, ist das schon mehr als ärgerlich.

Und auch der Radweg bietet seine Tücken. Vor allem dann, wenn er im Bereich des Bürgersteigs angelegt wurde. Denn als Autofahrer (und da nehme ich mich nicht aus) rechnet man meist nicht mit einem Radfahrer, der mit Tempo 25 da einher radelt.

Auf manchen Strecken ist das Rad überlegen

Dennoch bleibt nach der Autopause die Erkenntnis, dass man viele Strecken locker mit dem Rad bewältigen kann. Oft auch ohne großen Zeitverzug. Zum Beispiel zum Haupthaus der Ruhr Nachrichten in Dortmund schaffe ich es in 32 Minuten. Mit dem Auto brauche ich im Berufsverkehr fast genausolang und muss einen Parkplatz suchen. Gut: Einmal musste ich eine Konferenz absagen und per Skype daran teilnehmen, weil ich bei Gewitter nicht nach Dortmund fahren konnte. Und auf die eingangs erwähnten Saunabesuche habe ich verzichtet. Die Musikfreunde haben mich besucht, nicht ich sie. Mit dem Auto natürlich, was die Klimabilanz insgesamt dann nicht verbessert. Wie ich im Jahr auf durchschnittlich 15.000 Autokilometer komme, ist mir dennoch nach diesen drei Wochen rätselhaft und durch Urlaub alleine nicht zu erklären.

Ernüchternde CO2-Bilanz

Etwa 35 Kilogramm CO2 habe ich laut Stadtradeln-App so eingespart. Angesichts der gängigen Berechnung, dass ich bei einem Hin- und Rückflug nach Mallorca für 750 Kilogramm CO2 verantwortlich bin, scheint das eher ein symbolischer Beitrag. Aber auf das ganze Jahr hochgerechnet wären es schon rund 606 Kilogramm.

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Stadradeln in Schwerte

Über 100.000 Kilometer sind mitlerweile geradelt

  • Über 100.000 Kilometer sind die 681 Schwerter Teilnehmer des Stadtradelns bereits gefahren.
  • 91 Teams haben Sie gebildet. Die meisten davon das offene Team, gefolgt von den Montagsradlern.
  • Die meisten Kilometer pro Teilnehmer hat das team Ekhard Hachmeyer/Cornelia Hibbeln erstrampelt. Immerhin 922 km.
  • Bei den zehn Kommunen des Kreises Unna, die am Stadtradeln teilnehmen, liegt Schwerte derzeit auf Rang drei. Nur die Radfahrer in Unna und Selm waren mehr unterwegs.
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