Erzieher-Mangel auch in Schwerte? „Weniger Fachkräfte betreuen mehr Kinder“

hzKitas in Schwerte

Im Kreis Unna fehlen fast 50 Erzieher in Kindertagesstätten. In den kommenden Jahren soll diese Zahl noch weiter steigen. Wie stark ist Schwerte von fehlenden Erziehern betroffen?

Schwerte

, 24.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Agentur für Arbeit schlägt Alarm: Die Engpässe bei Erziehern im Kreis Unna spitzen sich immer weiter zu. In Schwerte gibt es 25 Kindertagesstätten. Auch dort steigt bereits jetzt der Personal-Bedarf.

Fast alle Stellen in Schwerte besetzt

Neun unterschiedliche Träger betreiben die Kitas in Schwerte. So unterhalten unter anderem die Stadt Schwerte und die Diakonie jeweils sechs Einrichtungen. Eine Anfrage unserer Redaktion bei den Trägern ergab, dass aktuell fast alle Erzieher-Stellen in Schwerte besetzt sind.

Lediglich die Kindertagesstätte „Gänsewinkel“ des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) meldete eine unbesetzte Stelle. Bereits im vergangenen Jahr herrschte Personalmangel in der DRK-Kita. Damals gab es Ärger mit der Stadt, da das Jugendamt darüber nicht informiert wurde.

DRK-Fachbereichsleiterin Nadine Deiters teilt jedoch mit, dass die Durchsicht der Bewerbungen auf die aktuell unbesetzte Erzieher-Stelle erfolgsversprechend sei.

In der Kita „Gänsewinkel“ herrschte 2019 Personalmangel. Mittlerweile sind fast alle Stellen besetzt.

In der Kita „Gänsewinkel“ herrschte 2019 Personalmangel. Mittlerweile sind fast alle Stellen besetzt. © Björn Althoff

Bedarf an Erziehern steigt

Schon seit 2013 besteht ein Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung ab dem ersten Lebensjahr. Der Ausbau der Ganztagesbetreuung von Kindern im Grundschulalter sowie die Betreuung von unter Dreijährigen sorgt bereits jetzt für einen wachsenden Bedarf an Erziehern.

Die steigende Zahl an Betreuungsplätzen ist laut Nadine Deiters zwar allgemein erfreulich, jedoch fehle es bereits jetzt an gut qualifiziertem Personal. Die drohende Folge: „Weniger Fachkräfte betreuen mehr Kinder, Öffnungszeiten werden reduziert, geringer qualifizierte Mitarbeitende werden eingesetzt, auf Ausflüge oder andere Angebote für die Kinder wird verzichtet.“

Bereits jetzt komme es immer wieder vor, dass „Träger Plätze nicht vergeben werden, weil sie schlicht keine Fachkräfte finden. Die Folge sind auch zunehmende Erkrankungen der Mitarbeitenden. Ein Teufelskreis also“, findet Deiters.

Träger fördern die Ausbildung

Damit es nicht soweit kommt, versuche das DRK die Personalschlüssel so anzusetzen, „dass Krankheiten und sonstige Ausfallzeiten gut aufgefangen werden können und nicht zu Lasten des gesamten Teams gehen.“

In den meisten Fällen konnten frei gewordene Stellen laut Deiters in der Vergangenheit zeitnah wieder besetzt werden. So könnten Gruppenschließungen und Änderungen der Öffnungszeiten vermieden werden.

Die Einrichtungen des DRK würden zudem aktiv an der Nachwuchsgewinnung für den Erzieherberuf arbeiten, indem sie regelmäßig Praktikanten-Stellen und Freiwilligendienste anböten und Kooperationen zu den umliegenden Berufsschulen aufbauen und pflegen.

Bei anderen Kita-Trägern gibt es ähnliche Maßnahmen zur Förderung des Nachwuchses: Seit August 2019 bietet die Stadt Schwerte eine „Praxisintegrierte Ausbildung Erzieher (PiA)“ an, um so dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Damit „lässt sich eigener Nachwuchs so ausbilden, dass er nach bestandener Prüfung und der damit verbundenen Übernahme bereits mit der trägerspezifischen Konzeption vertraut ist“, so Petra Küthe, Ausbildungsleiterin bei der Stadt Schwerte. Als Partner konnte das Berufskolleg des Kreises Unna gewonnen werden. Aktuell sind drei angehende Erzieher der Stadt in PiA-Ausbildung, ab August folgen drei weitere.

Neue Kitas in Schwerte
Das „Kinderhaus Rasselbande“ beherrbergt ab März 55 Kinder in Westhofen.

Das „Kinderhaus Rasselbande“ beherbergt ab März 55 Kinder in Westhofen. © Foto: Manuela Schwerte


Voraussichtlich Ende März eröffnet eine weitere Kita in Schwerte: das „Kinderhaus Rasselbande“ in Westhofen. Dort sollen 55 Plätze für Kinder ab vier Monaten entstehen. Bereits jetzt werden die ersten Kinder in einer Übergangsgruppe in Villigst betreut. Aktuell sind jedoch noch nicht alle geplanten Erzieher-Posten besetzt.

Des Weiteren wird eine Kindertagesstätte in den Ruhrauen errichtet. Dort werden voraussichtlich ab 2022 etwa 75 Betreuungsplätze zur Verfügung stehen. Auch hier werden künftig qualifizierte Erzieher benötigt.

Lesen Sie jetzt