Auch das ZDF interessiert sich für die Fällaktion. Nachbar Bernd Degwer berichtet im Interview von der plötzlichen Fällaktion an der Hagener Straße. Mit im Bild (v.l.) das Film-Team: Markus Bonkowski und Christian Emmerke. © Heiko Mühlbauer
„Kein Kommentar“

Fällaktion an der Hagener Straße: Will sich Straßen NRW vor Schadensersatz drücken?

Als Straßen NRW im November rund 200 private und städtische Bäume an der Hagener Straße fällen ließ, räumte man ein Versehen ein und versprach Abhilfe. Seitdem hören die Nachbarn nichts mehr.

Mehre 100 Meter lang und etwa fünf Meter breit war die Baumreihe an der Hagener Straße, die der Landesbetrieb Straßen NRW im November fällen ließ. Die Grundstücke, auf denen die bis zu 60 Jahre alten Bäume standen, gehörten aber nicht dem Land, sondern der Stadt Schwerte und auch den Nachbarn vom Kornweg. Die haben nämlich hinter dem Wäldchen ihre Garagen gehabt und mit denen einen 2,50 Meter breiten Streifen der Grünfläche gekauft.

Fällaktion galt zunächst als bedauerlicher Irrtum

Kurz nach der Fällaktion sprach man beim Landesbetrieb Straßen NRW noch von einem bedauerlichen Irrtum und entschuldigte sich eiligst. „Bei der Gehölzpflegemaßnahme an der Hagener Straße ist unseren Leuten scheinbar/offensichtlich ein Fehler passiert. Das bedauere ich sehr“, mailte Niederlassungsleiter Ahmed Karroum den Nachbarn. Weiter hieß es in der E-Mail: „Selbstverständlich wird Straßen NRW für Schäden aufkommen, wenn hier fehlerhaftes Handeln unsererseits festgestellt wird.“

Das war dann aber auch der letzte Kontakt, wie Anlieger Bernd Degwer berichtet. Seitdem sucht er nach einem Ansprechpartner, mit dem man über die Wiedergutmachung reden und verhandeln kann. Zunächst wurde er auf den Ausgang des Gutachtens verweisen, doch das liegt längst vor. Eine Antwort gab es trotzdem nicht. Jetzt hat er, genau wie andere Nachbarn, dem Landesbetrieb eine Frist gesetzt: Bis zum 1. März erwarte er eine Antwort.

Nichts mehr außer Efeu blieb nach dem Abtransport von dem Grünstreifen an der Hagener Straße übrig. © Heiko Mühlbauer © Heiko Mühlbauer

Gutachter bestätigte: Kein Baum hätte fallen müssen

Doch die ist offensichtlich immer schwieriger zu bekommen, wie auch die Stadt feststellte: Im November war noch ein Mitarbeiter des Landesbetriebs vor Ort und hatte die Schäden mit festgestellt. Der Mitarbeiter habe damals Fehler eingeräumt.

Gemeinsam hatte man einen Gutachter bestellt. Der hatte wohl unter anderem festgestellt, dass die Bäume zwar nicht absolut gesund waren, eine Notwendigkeit zum Fällen aber nicht bestand. „Bei keinem der Bäume konnte durch den öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen ein Eschentriebsterben in dem Umfang festgestellt werden, dass eine Fällung aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht notwendig gewesen wäre. Laut Gutachter konnte bei einigen Eschen lediglich ein leichtes Eschentriebsterben festgestellt werden. Dies wurde u.a. in der Gehölzwertermittlung berücksichtigt“, bestätigt die Stadt schriftlich.

Über 160 Bäume der Stadt gefällt

In einer Pressemitteilung vor der Fällaktion, die durch ein Unternehmen aus den Niederlanden durchgeführt wurde, hatte Straßen NRW von 25 Eschen gesprochen, die man fällen müsse, weil sie unter der Pilzkrankheit Eschentriebsterben leiden würden.

Gefällt wurden laut Gutachten allein auf den Flurstücken, die der Stadt gehören, 49 Bäume mit einem Stammumfang von über 80 Zentimeter und 117 mit einem geringeren Stammumfang. Neben Eschen auch Hainbuchen, Weiden, Weiße Kirschen und Ahorn sowie einige große Haselnusssträucher.

Grundsätzlich macht sich bei der Stadt die Sorge breit, dass der Landesbetrieb sich aus der Verantwortung stehlen will. Ähnliches befürchten die Nachbarn, die seit der Fällaktion aus ihren Fenstern im Obergeschoss direkt auf die Hagener Straße gucken können.

ZDF berichtet über Aktion als „Hammer der Woche“

Mittlerweile schlägt die Aktion größere Wellen. Am Donnerstagvormittag (18.2.) besuchte ein Kamerateam des ZDF die Stadt und die Nachbarn am Kornweg. Die Aktion des Landesbetriebs soll in der Rubrik „Hammer der Woche“ im Länderspiegel am Samstag (20. Februar, 17.05 Uhr) auftauchen. Autor Markus Bonikowski interviewte dazu aufgebrachte Nachbarn und Florian Hübner, der bei der Stadt für die Gehölze zuständig ist.

Kein Kommentar zu laufendem Verfahren

Bei Straßen NRW gab man sich auf Anfrage der Redaktion äußerst schmallippig: Man wolle sich nicht zu einem laufenden Verfahren äußern, erklärte eine Sprecherin. Bislang ist kein Rechtsverfahren eingeleitet, aber die Stadt würde den Klageweg nicht scheuen, kündigte Stadtsprecher Ingo Rous an.

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Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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