Drei Wochen Fahrrad statt Auto. Unser Autor Heiko Mühlbauer wagt den Test. Doch vorab gings zum Fahrrad-Check. Was man bei der Fahrradinspektion beachten muss und was ins Geld geht.

Schwerte

, 30.05.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im neuen Servicecenter bei Markgraf sieht es aus wie in einer Autowerkstatt. Eine kleine Ecke mit Wasser und Kaffeevollautomat, Zeitschriften, und auf einer großen Leinwand flimmern Videos über Mountainbiker. So ist das also heutzutage beim Fahrradmechaniker. Im Gepäck habe ich mein E-Bike. Das ist zehn Jahre alt und, na ja, etwas eher altmodisch. Aber für den täglichen Gebrauch schon reichlich praktisch. Werkstattleiter Tim Mantovani packt das Rad in eine Halterung für einen ersten Check. Und erklärt, was der Profi bei so einer Inspektion macht:

Luftdruck der Reifen kontrollieren

Der Einfluss, den der Luftdruck auf die Fahreigenschaften eines Fahrrades hat, werde häufig unterschätzt, meint der Werkstattmeister. Und das gilt nicht nur für das normale Rad, das dann schwergängiger wird. Es gilt auch für das E-Bike. Zu wenig Luftdruck bedeutet weniger Akkureichweite, erhöhter Verschleiß bei Kette und Ritzel und natürlich auch bei den Mänteln. „Der richtige Luftdruck steht auf dem Reifen“, so Mantovani. Und oft ist er höher, als man denkt. Bis sechs Bar vertragen zum Beispiel die Reifen meines Rades. Mit schlappen 2,5 Bar waren sie deutlich zu wenig aufgepumpt. Deshalb ist es auch wichtig, eine Luftpumpe mit Luftdruckmesser zu benutzen.

Fahrrad-Check beim E-Bike: Was mache ich selbst, was kostet die Inspektion beim Profi?

Trotz angeblich unplattbarer Reifen ist der Platten immer noch die häufigste Panne beim Drahtesel, ob mit oder ohne E-Antrieb. © Heiko Mühlbauer

Kette und Ritzel pflegen

Auch das kann ich selbst machen. Die Kette und das Ritzel müssen regelmäßig gereinigt und gefettet werden, denn im alten Fett binden sich auch feste Bestandteile aus dem Straßenstaub, die für erhöhten Abrieb sorgen. Überhaupt, die Kette gehört bei einem E-Bike zu den Verschleißteilen. Bis zu 90 Newton-Meter ist der Druck, der auf Kette und Ritzel lastet. Ungepflegt hält sie oft nur 1000 bis 1500 Kilometer. Aber auch gepflegt ist spätestens zwischen 3000 und 5000 Kilometern ein neues Set fällig.

Fahrrad-Check beim E-Bike: Was mache ich selbst, was kostet die Inspektion beim Profi?

Beim E-Bike sind Kette und Ritzel besonders belastet und müssen gut gepflegt und regelmäßig getauscht werden. © Heiko Mühlbauer

Schrauben und Bremsen

Einmal im Jahr sollte man auch alle Schrauben überprüfen. In der Fahrradwerkstatt wird das mit einem Drehmomentschlüssel gemacht, sodass alle Schrauben nicht zu fest und nicht zu locker sind. Auch die Bremsen müssen von Zeit zu Zeit nachgestellt werden.

Fahrrad-Check beim E-Bike: Was mache ich selbst, was kostet die Inspektion beim Profi?

Die Bremsen sollten regelmäßig gewartet werden. © Heiko Mühlbauer

Beleuchtung

Zur Inspektion gehört auch eine Kontrolle der Beleuchtung. Wenn die nicht funktioniert und man den Fehler nicht selber findet, kann man auf Stecklichter ausweichen. Die sind erlaubt und einfach montiert.

Fahrrad-Check beim E-Bike: Was mache ich selbst, was kostet die Inspektion beim Profi?

Birnen austauschen oder Kabel wieder anbringen, kann man gut selbst. Beim Nabendynamo wird das schon schwieriger. Und den Anschluss vom Strom an den Fahrradakku sollte man dem Profi überlassen. © Heiko Mühlbauer

Akku

Der Akku gehört beim E-Bike auch zu den Verschleißteilen. Etwa 10 Prozent seiner Reichweite verliert er pro Jahr. Bei der Inspektion kann man die Kontakte mit Kontaktspray reinigen. Im Winter, wenn man das Rad nicht nutzt, sollte der Akku bei einem Ladestand von etwa 60 Prozent eingelagert und der dann alle zwei Monate kontrolliert werden.

Fahrrad-Check beim E-Bike: Was mache ich selbst, was kostet die Inspektion beim Profi?

Auch der Akku am E-Bike bedarf der Pflege. © Heiko Mühlbauer

Die Inspektion beim Profi kostet

Wer sein Rad beim Händler zur Inspektion abgibt, bekommt alle Schrauben kontrolliert, die Schaltung eingestellt, die Speichen nachgespannt, alle Lager überprüft, Licht und Antriebsteile kontrolliert. Das kostet beim normalen Fahrrad bei Markgraf 59,95 und beim E-Bike 79,95 Euro. Die Radstation der AWO am Bahnhof nimmt für einen Komplett-Check beim normalen Rad 49,90 Euro.

Worauf sollte ich beim E-Bike Kauf achten?

Ich muss zunächst testen, welchen Motor ich brauche. Außerdem ist nach wie vor die Akku-Größe entscheidend für den Preis und die Reichweite. Will ich große Touren fahren oder soll es nur zum Einkaufen und für kleine Strecken um den Block reichen? Und dann sollte ich mich möglichst für einen renommierten Hersteller entscheiden. Denn der E-Bike-Boom hat viele Hersteller hervorgebracht, die dann doch nicht lange überlebt haben. Und mit ihnen verschwanden oft auch die Ersatzteile vom Markt. Bei den großen Firmen ist das Risiko geringer. „Von unseren Lieferanten gibt es zum Glück noch alle“, so Mantovani. Gute E-Bikes gibt es nach Ansicht des Mechanikers ab 1800 Euro. Nach oben gebe es dann keine Grenzen.

Ach ja, bei meinem alten Schätzchen waren dann doch Kette, Ritzel und das Vorderlicht fällig. 146 Euro mit Ersatzteilen kostet das. Doch für drei Wochen Stadtradeln und normales Radeln den ganzen Sommer über lohnt sich das allemal.

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